Ein paar Worte zu LTE im Allgemeinen [Kommentar]

Ich habe jetzt seit gut zwei Wochen ein Samsung Galaxy S III LTE der deutschen Telekom mit entsprechendem, unlimitiertem LTE-Tarif getestet. Die Review des Geräts folgt morgen, erst aber ein paar allgemeine Worte zu – vielleicht erst seit dem iPhone 5 wirklich im Markt angekommenen – LTE.

LTE 620x457 Ein paar Worte zu LTE im Allgemeinen [Kommentar]

LTE, Long Term Evolution oder eben 4G ist “das was nach UMTS kommt”. Noch ist es häufig teuer, die Netze so eine Sache und es gibt einfach ein paar Punkte, die noch nicht rund laufen, Zeit für ein bisschen Meinung meinerseits.

Die Verfügbarkeit

Ich hatte bereits vor einigen Monaten LTE bei Vodafone (damals mit dem HTC Velocity 4G) getestet. Seitdem hat sich viel getan, die deutsche Telekom und auch Vodafone investieren massiv in den Ausbau. Die Politik brüstet sich hier mit Erfolgen, da vor allem die ländlichen Gegenden von LTE am Anfang profitieren sollten. Weg von dem DSL-light was hier häufig noch verbreitet ist hieß die Devise. Joa, gefühlt ist hier bei einigen Reisen quer durch Deutschland zwar einiges besser geworden, guten Empfang hat man oft aber nur in den Städten – nachdem die (zu niedrigen) Quoten auf dem Land erfüllt worden sind, konzentrieren sich die weiteren Ausbauten auf die Städte. Hier lassen sich wegen der 1.800 MHz Frequenz der Telekom hohe Geschwindigkeiten erreichen und vor allem mehr Nutzer erreichen. Auf dem Land kann man Glück haben, ein auch nur annähernd flächendeckendes Netz ist aber sowohl bei der Telekom als auch bei Vodafone noch ziemliche Augenwischerei. Es kommt, die Frage ist nur wann. Geld spielt hier eine große Rolle und die Regierung schläft noch ziemlich auf dem Gebiet. Anstatt den großen Providern den Ausbau durch Subventionen schmackhaft zu machen, müssen diese derzeit noch auf die Refinanzierung der zu teuren UMTS-Frequenzen(beziehungsweise deren Kauf) bedacht sein. Wer also LTE derzeit nutzen möchte, sollte sich vorher bei dem Provider seines Vertrauens kundig machen, wie es um die Verfügbarkeit an den wichtigsten Orten bestellt ist. Im Vergleich Telekom – Vodafone lag für mich die Telekom leicht vorne.

Der Preis

LTE ist teuer. Punkt. Die volle Geschwindigkeit wird bei den günstigeren Tarifen früh gedrosselt. Bezieht man aber den teuren Netzausbau und die UMTS-Querfinanzierung mit ein, ist der Preis wohl in Ordnung aus Sicht der Provider. Stellt man sich vor, was passieren würde, wenn LTE bereits jetzt in “20€ im Monat”-Flatrates beinhaltet wäre, ist der Preis gewissermaßen sogar logisch: Voice over LTE wäre dank der theoretisch weiter verbreiteten Verfügbarkeit “normal” und nach den SMS (Whatsapp lässt grüßen) würde das nächste lohnende Gebiet durch das Internet wegfallen. Theoretisch. In Korea (technisch gefühlt 5 Jahre vor Deutschland in Sachen LTE) ist VoLTE gerade erst eingeführt worden und wird sicherlich noch einige Jahre brauchen, bis es tatsächlich flächendeckend eingesetzt wird. Trotzdem: Die Angst der Provider ist hier im Ansatz berechtigt und die hohen Kosten müssen vor diesem Umbruch wieder eingefahren werden. LTE lohnt sich also derzeit nur für 1. Vertragskunden, die 2. bereit sind, mindestens 10€ im Monat mehr für schnelleres Internet auszugeben (Vodafone), bei der Telekom ist LTE zumindest ohne Aufpreis in den nicht günstigen Tarifen enthalten. Mehr lässt das Netz nicht zu.

Das Netz

Mal abgesehen von den verschiedenen Frequenzen, die abgesehen von Apples iPhone 5 keinem Gerät große Probleme bereiten, gibt es derzeit noch andere technische Schranken: Will man telefonieren, bricht jedes Smartphone derzeit die 4G-Verbindung ab, wählt sich in das 3G-/GSM-Netz ein, lässt hierüber die Telefonie zu und verbindet nach dem Gespräch erneut mit dem LTE-Netz. Inklusiver neuer IP und daher abgebrochenen Downloads. Das heißt, dass man für Telefonie auch nicht von den derzeit noch angenehmen leeren LTE-Netzen profitieren kann. Bei Vodafone kann es schon mal häufiger vorkommen, dass ein Anruf “nicht durchgeht”, da die Netze schlichtweg voll sind, LTE bietet hier in Sachen Telefonie nur einen Ausweg, wenn denn alle die Datendienste benutzen, auf LTE umsteigen würden um die UMTS-Netze für Gespräche zu leeren. In der Theorie eine gute Idee, in der Praxis durch die hohen Preise und die fehlenden/teuren Endgeräte einfach nicht der Fall.

Beschränkt man sich aber auf die Datendienste, ist das LTE-Netz der Telekom wirklich “herrlich leer”, selbst an Ballungszentren wie Bahnhöfen und Co. konnte ich zu Stoßzeiten bequem mit 10-15Mbit/s im Downstream surfen, während über UMTS hier kein wirkliches Durchkommen war.

Die Geschwindigkeit

Apropos Geschwindigkeit: In der Spitze dank 1.800 MHz-Frequenz in der Kölner Innenstadt knapp 70 MBit/s, wow. Dazu ein Upstream über 40 MBit/s – herausragend. Jetzt kommt das große “aber”: Wofür? Während ich begeistert bin, dass ich bei Events Filme in wenigen Minuten hochgeladen habe, ist der “normale Nutzer” auf Facebook, Whatsapp und einigen Internetseiten unterwegs, das war es. Dafür braucht man selten mehr als 3.000 Kbit/s und die sind zumindest bei der Telekom und auch bei Vodafone fast immer problemlos möglich. E-Plus und o2 nenne ich mal nicht, das sind für mich keine Provider, das sind nach meinen Erfahrungen Zumutungen. Bei dem Thema Geschwindigkeit muss man auch nochmals die Preise ansprechen: Bei Drosselungen nach 600MB (Telekom), 2GB oder auch 4GB ist zumindest theoretisch nach wenigen Minuten zwar Schluss mit der vollen Geschwindigkeit, die großen Datenmengen erreicht man aber gar nicht … wobei man erreicht sie schon. Ich hätte mir LTE so erhofft, dass ich mein WiFi Zuhause komplett nicht nutzen muss, lade ich aber auch nur ein größeres Spiel (herrlich schnell) runter, kann mein Kontingent bereits verbraucht sein.

LTE ist also super um große Datenmengen zu übertragen, diese sind aber bei keinem Vertrag wirklich erlaubt. Die Provider wollen sich halt nicht ihr DSL-Geschäft kannibalisieren, das machen die Kabelnetz-Anbieter schon genug.  Ich habe LTE in den zwei Wochen vor allem über einen WLAN-Tether genutzt und auch sehr gerne genutzt! Trotzdem: Der Hype ist derzeit in meinen Augen nicht wirklich gerechtfertigt – in den USA oder Korea wo LTE verbreiteter und günstiger ist, sieht die Sache ganz anders aus.