Wie gut ist die Galaxy Camera wirklich? Seit die Android-4.1-Kamera im Handel ist, sind die Meinungen geteilt. Gadget-Fans loben Samsung für den visionären Schritt, endlich eine Kompaktkamera mit aktuellem Smartphone-Betriebssystem herausgebracht zu haben. Foto-Fans äußern aufgrund erster Erfahrungsberichte Kritik an der vermeintlich schlechten Bildqualität. AllAboutSamung und DigitalPHOTO wollten es genau wissen und haben die Galaxy Camera im Labor einem umfangreichen Testverfahren unterzogen. Das Ergebnis zeigt euch, wie gut die Bildqualität der Galaxy Camera wirklich ist und wie der Neuling im Vergleich mit anderen Kompaktkameras abschneidet.
Wir konzentrieren uns auf einen Vierer-Vergleich: die beiden Android-Kameras Samsung Galaxy Camera und Nikon S800c sowie die Premiumkompaktkameras Samsung EX2F und Panasonic Lumix LX7. Dabei geht es vorrangig um einen Kamera-Schlagabtausch. Die einzigartigen (und unschlagbaren) Vorteile der Galaxy Camera, nämlich von unterwegs über 3G Bilder direkt zu Facebook oder in die Dropbox hochzuladen, werden wir hier weitgehend unberücksichtigt lassen und in der Review näher behandelt.
Gehäuse und Display
Im Vergleich zu den anderen Modellen ist die Galaxy Camera mit ihren Maßen 129 x 71 x 91 mm mit Abstand das am wenigsten kompakte Modell. Mit 300 g bringt sie zudem fast doppelt so viel auf die Waage wie die Nikon S800c. Dafür ist sie mit einem ordentlichen 4,8” (12,2 cm) HD Super Clear Display ausgestattet. Von der Größe her also vergleichbar mit dem Galaxy S III und damit deutlich größer als die 3” bzw. 3,5” Displays der Vergleichsmodelle. Klappbar wie bei der EX2F ist es nicht, dafür bietet es wie die Nikon S800c aber eine Touch-Funktion – Android ohne Touchscreen wäre wohl auch ziemlich sinnlos.
| Maße | Gewicht | Display | |
| Nikon S800c | 111 x 60 x 57 mm | 160 g | 3,5 Zoll Touch |
| Panasonic Lumix LX7 | 111 x 67 x 46 mm | 268 g | 3,0 Zoll |
| Samsung Galaxy Camera | 129 x 71 x 91 mm | 300 g | 4,8 Zoll Touch |
| Samsung EX2F | 112 x 62 x 29 mm | 294 g | 3,0 Zoll klappbar |
Sensor und Megapixel
Hier ist die Galaxy Camera absolut vergleichbar mit herkömmlichen Kompaktkameras: Der Bildsensor ist 1/2,3 Zoll (7,8 mm) groß und löst 16,3 Megapixel auf. Nikon hat sich bei gleicher Größe für 10,1 Megapixel entschieden. Das sind zwar insgesamt weniger Pixel, könnte in der Praxis in der Regel aber eine bessere Bildqualität bringen. Zum Vergleich: Die Premium-Modelle haben einen größeren 1/1,7 Zoll Sensor, mit 10,1 MP (Lumix LX7) und 12,4 MP (EX2F). Sie versprechen also bessere Bildqualität durch deutlich weniger Pixel auf einem größeren Sensor. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Fläche selbst eines 1/1,7 Zoll großen “Premium-Sensors” noch achtmal kleiner ist als die eines APS-C-Sensors, wie er in den Samsung-NX-Modellen und vielen gängigen DSLR-Kameras verbaut wird.
| Megapixel | Sensorgröße | ISO-Empfindlichkeit | |
| Nikon S800c | 10,1 MP | 1 / 2,3 “ (7,8 mm) | 125 – 3.200 |
| Panasonic Lumix LX7 | 10,1 MP | 1 / 1,7 “ (14,9 mm) | 80 – 12.800 |
| Samsung Galaxy Camera | 16,3 MP | 1 / 2,3 “ (7,8 mm) | 100 – 3.200 |
| Samsung EX2F | 12,4 MP | 1 / 1,7 “ (14,9 mm) | 80 – 12.800 |
Objektiv und Lichtstärke
23mm Bild im Original / 483mm Bild im Original
Mit einem 21-fach Zoomobjektiv hat die Galaxy Camera einen riesigen Brennweiten-Vorteil. Die Brennweite von knapp 500mm ist zum Beispiel für Eltern ausreichend, um ihre Fußball spielenden Kinder formatfüllend ins Bild zu bekommen. Allerdings ergeben sich bei solchen Supertele-Fotos trotz Bildstabilisator immer wieder Verwacklungsunschärfen wenn man aus der Hand fotografiert. Die Lichtstärke des Galaxy-Camera-Objektiv ist mit F2,8-5,9 gut, ohne einen vom Hocker zu reißen. Dass sie die Spitzenwerte der Premiummodelle erreicht, hätten wir allerdings auch nicht erwartet.
| Zoom | Brennweite (KB) | Lichtstärke | |
| Nikon S800c | 10-fach | 25-250mm | F3,2-5,8 |
| Panasonic Lumix LX7 | 3,8-fach | 24-90mm | F1,4-2,3 |
| Samsung Galaxy Camera | 21-fach | 23-483mm | F2,8-5,9 |
| Samsung EX2F | 3,3-fach | 24-80mm | F1,4-2,7 |
Bildqualität und Testergebnis
Die spannendste Frage für Viele ist, ob die Bildqualität der Galaxy Camera ausreicht. Hier ist die Antwort ziemlich deutlich: Ja, zumindest für alles was mit Facebook, Google+, Twitter & Co. zu tun hat. Die Bilder werden von der automatischen Rauschunterdrückung (nicht abschaltbar) sehr weich gezeichnet, was die Auflösung reduziert. Dafür gibt es weniger störendes Bildrauschen. Unter dem Strich liegen die Nikon S800c und Samsung Galaxy Camera im DigitalPHOTO-Test mit 74,3 Prozent Bildqualität gleichauf. Das ist vergleichbar mit normalen Kompaktkameras in der Preisspanne von 200 bis 300 Euro.
| Auflösung (max) | S/NR (max) | Bildqualität | Gesamtergebnis | |
| Nikon S800c | 1.341 Lp/Ph | 35,1 DV | 74,3 % | 75,4 % |
| Panasonic LX7 | 1.190 Lp/Ph | 50,8 DV | 90,2 % | 88,3 % |
| Samsung Galaxy Camera | 1.101 Lp/Ph | 42,7 DV | 74,3 % | 78,5 % |
| Samsung EX2F | 1.372 Lp/Ph | 38,9 DV | 85,9 % | 86,0 % |
- EX2F ISO 100
- EX2F ISO 1.600
- Galaxy Camera ISO 100
- Bei ISO 1.600 gehen die Farben stark verloren
Originalbilder Galaxy Camera ISO 100 und 1600 / Samsung EX2F ISO 100 und 1600
Unser Fazit
Das Gesamtergebnis des Tests zeigt, dass die Android-Kameras Samsung Galaxy Camera und Nikon S800c nicht schlechter sind als gewöhnliche Kompaktkameras. Im Umkehrschluss bedeutet das vor allem: Ihre Bildqualität überragt die herkömmlicher Smartphone-Kameras deutlich. Wie Smartphones verfügen beide über WiFi, Bluetooth und GPS. Sie teilen allerdings auch die typische Handy-Schwächen: der Akku macht schnell schlapp und die Bedienung ist aus Fotografen-Sicht eher umständlich. Die Kamera-Funktion ist ja im Prinzip nur eine App unter vielen. Unter dem Strich schneidet die Galaxy Camera besser ab, was vor allem auf ihre bessere Ausstattung zurückzuführen ist. Der 21-fache Zoom trägt ebenso dazu bei, wie die Tatsache, dass Nikon die langsamere Android-Version 2.3 (Gingerbread) einsetzt und auf die Mobilfunk-Option (3G) komplett verzichtet.
Die entscheidende Frage: Lohnt sich die Galaxy Camera?
Hier kann ich natürlich nur meine persönliche Meinung wiedergeben. Meiner Ansicht nach ist die Galaxy Camera eines der aktuell spannendsten Kamerakonzepte – zumindest für Internet-Aficionados, die ihr Leben via Facebook & Co. gerne mit anderen teilen. Allerdings kann der automatische Dauer-Upload auch ziemlich nerven, zum Beispiel wenn nach 10 Tagen bereits das Datenvolumen des ganzen Monats aufgebraucht ist.
Praktisch immerhin, dass ich mit der Galaxy Camera E-Mails checken, Google Maps nutzen oder Radio hören kann. Telefonieren kann ich mit der Galaxy Camera übrigens trotz integrierter 3G-Funktion nicht. Mein Smartphone muss ich also weiter mitschleppen. Summasummarum: Mit dem Preis von über 400 Euro ist die Galaxy Camera zu teuer. Wenn ich mit der Samsung EX2F oder einem Samsung NX-Modell fotografiere, die Bilder via WiFi Direct aufs Smartphone und weiter ins Netz beame, komme ich günstiger weg und habe zudem Aufnahmen in besserer Qualität.
| Preis | Sollte ich das kaufen? | |
| Nikon S800c | 300 € | Nein! Veraltetes Betriebssystem, keine 3G-Option. |
| Panasonic Lumix LX7 | 420 € | Nein! Keine WiFi-Funktion. Ja! Wenn dir das egal ist. |
| Samsung Galaxy Camera | 437 € | Jein! Nur wenn du Spaß an den jeweils neusten Gadgets hast. |
| Samsung EX2F | 357 € | Ja! Beam deine Bilder via WiFi Direct einfach übers Smartphone auf Facebook, Twitter und Co. hoch.. |











