Und dann war da noch BlackBerry … [Kommentar]

Immer mal wieder muss man sich auch von der Samsung-Insel bewegen und einen Blick über den Tellerrand wagen. Die gesamte Mobil-Branche ist in einem ständigen Wandel und meiner Meinung nach nicht diese Entwicklung derzeit (noch) Fahrt auf. Noch. Während Samsung und Apple derzeit Rekorde feiern, kämpfen viele andere Hersteller um die Marktanteile: RIM und Nokia haben Trends verpasst und Lücken geschaffen, die sie nun am liebsten selber direkt wieder füllen würden ..

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Heute hat Research in Motion (RIM) das neue BlackBerry10 inklusive passender Hardware vorgestellt und sich bei der Gelegenheit auch direkt in BlackBerry umbenannt. Kein dummer Schachzug in meinen Augen, aber der Reihe nach.

Apple hat mit dem iPhone eine Entwicklung begonnen die Samsung recht schnell adaptiert hat (ebenso wie Sony, HTC [ich besitze noch immer ein heißgeliebtes und häufig verfluchtes HTC Hero] und Co.) während Nokia und RIM sich auf dem Erreichten ausgeruht haben und dabei die neue Schnelllebigkeit der Branche verkannt haben. Was heute noch “trending” ist, kann morgen in der Gunst der Kunden schon wieder fallen was beispielsweise HTC auf die harte Tour lernen musste.

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Noch stärker mussten RIM und Nokia diese Lektion lernen und während Nokia nach einem la(…)angen Sinkflug die Talsohle wohl auch dank WindowsPhone 8 zumindest erstmal durchschritten zu haben scheint, hat RIM derzeit viele Probleme. Den Touchscreen-Trend hatte man verpasst, BlackBerry-OS war noch nie “sexy” (wie auch RIM selber das wohl nicht für sich beanspruchen konnte) und sowohl Apple als auch  Samsung drängen mit voller Kraft in den B2B-Markt. Samsung fährt derzeit mit SAFE in den USA eine passende große Kampagne. BlackBerry-Phones kommen im Business-Bereich meistens nur noch als günstige Firmengeräte mit herausragenden Remote- und Sicherheitsfunktionen und der häufig geliebten Tastatur zum Einsatz.

Die heutige Pressekonferenz war in meinen Augen irgendwie symptomatisch für das, was man nun versucht. Selbst-Beklatsche (das können andere Hersteller wie Apple und Samsung übrigens auch, da wird es nur durch überlange Vorträge über die Erfolge der vergangenen Monate verpackt) für das, was man nun mit BlackBerry 10 erreicht haben will. Und zumindest einen Achtungserfolg muss man BlackBerry (es heißt ja nicht mehr RIM) auch zugestehen: Das neue Betriebssystem verfügt über einige interessante Features, welche bei der iOS- und Android-Konkurrenz ebenso wenig zum Start vorhanden waren, wie es etwa bei WindowsPhone 8 der Fall war. Die Kamera funktioniert scheinbar gut und kann ähnlich Samsungs “Beste Gesichter”-Funktion bei einem Gruppenfoto viele Bilder aufnehmen und daraus ein Bild mit ausgesuchten Gesichtsausdrücken erstellen.

Der BlackBerry Hub. Vielleicht das Prunkstück des neuen Systems. Während bei Android über die wenig intuitive Bedienung gemäkelt wird und iOS inzwischen mehr als eine leichte Patina angesetzt hat, punktet BlackBerry 10 mit einem einfachen Aufbau. Nicht so simpel (und für einige langweilig) wie etwa WindowsPhone 8 sondern auf den ersten Blick auf einem Level irgendwo zwischen Android und WindowsPhone 8. Viel geht mit Gesten einhändig (auf einem 4.2 Zoll Display, hört hört) leicht von der Hand. Die typischerweise noch eher konservative BlackBerry-Nutzergruppe wird dabei auf Wunsch komplett über den BlackBerry Hub agieren können. Gefällt mir gut von den Funktionen und von dem Konzept, den Nutzer nicht durch ein großes System zu verwirren sondern alles über einen Hub zu ermöglichen. Optisch … wenn ich bei iOS von einer Patina spreche, dann hat der BlackBerry Hub jetzt schon Rost angesetzt. Sexy geht anders. Vielleicht durfte es aber für das B2B-Klientel (noch) nicht verspielter werden.

Die Geräte… finde ich gut. Man setzt auf ein 4.2 Zoll Touchscreen mit 1280 mal 768 Pixeln bei dem BlackBerry Z10. 4.2 Zoll: Mehr als Apple und weniger als die häufig belächelte und für viele (auch dank manchem Vorurteil) zu große Konkurrenz von Samsung und Co. – eine interessante Größe. Ich würde mir auch von Samsung ein Flaggschiff um die 4.2-4.3 Zoll wünschen, auch wenn ich mich schon auf die voraussichtlich knappen 5″ des nächsten Galaxy S freue. Das BlackBerry Q10 gefällt mir ebenfalls auch wenn der Name an eine Anti-Falten-Cremé erinnert. Die BlackBerry-Tastatur ist nach wie vor ungeschlagen und ein 3.1 Zoll großes Touchscreen-Display reicht theoretisch auch. Die Auflösung ist mit 720×720 Pixeln absolut skurril, aber wenn BlackBerry 10 damit gut umgehen kann – warum nicht.

Artikel zu dem BlackBerry 10 bei TechStage

Spannender finde ich aber das bereits zum Marktstart verfügbare App-Ökosystem: Knapp 70.000 Apps für BlackBerry 10 zum Start sind keine Ansage sondern ein Kampfschrei! Klar, hier wurde kräftig mit Subventionen um Entwickler gekämpft, aber WindowsPhone hat ewig gebraucht um eine WhatsApp-Portierung zu bekommen – und auch hier war Geld vorhanden. 70.000 Apps sind auch interessant, da BlackBerry 10 ein offenes System ist. Das klingt sehr interessant, ich bin gespannt, ob es angenommen wird. Ob neben iOS, Android und nun WindowsPhone 8 auch BlackBerry 10 einen Platz finden wird ist der wohl wichtigste Dreh- und Angelpunkt der heute herbeigeklatschten Wende.

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Tl;dr: RIM gibt es nicht mehr, die Bude heißt nun BlackBerry. Das System ist interessant, allerdings optisch etwas (zu?) konservativ und altbacken. Gute Ansätze sind aber vorhanden. Apps sind vorhanden, gute Geräte auch. Ach und nicht zu vergessen: BlackBerry will nun auch sexy werden und für den Zweck hat man Alicia Keys als “Global Creative Director” (PR-Sprache für “hübsche, smarte und gesangsstarke Markenbotschafterin”) ins Boot geholt. Die PK hat mich nicht umgehauen, das Produkt hat mich aber zumindest neugierig gemacht. Samsung wirbt inzwischen schon bei Google auf das Keyword “BlackBerry 10″ und schwimmt derzeit ganz obenauf. Nun will man die lange Schwäche von RIM nutzen und den B2B-Markt angreifen, Samsung hat den Coolness-Faktor (den RIM BlackBerry nun bekommen möchte) auf der Seite. Hier wird es die nächsten Monate extrem spannend. Das Lebenszeichen von BlackBerry war aber mehr als deutlich. Allein 70.000 Apps zum Marktstart (!) sind ein Statement. Wenn ich hier an meine Android-Anfangszeit zurückdenke, muss ich BlackBerry einfach Respekt zollen. Mögen die B2B-Spiele beginnen.

Bildquelle Titelbild: MobiFlip

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