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Mini ist in. Klingt komisch, ist aber so. Erst hat es zwei Jahre gebraucht, dass Smartphones auf 5 Zoll wachsen und nun werden kleine Geschwister unter dem Namen “Mini” auf den Markt gebracht, um von dem Erfolg des großen Flaggschiffs zu profitieren. Das hat Samsung bei dem Galaxy S III vorgemacht und setzt es bei dem Galaxy S4 nun fort – wir haben uns das Galaxy S4 mini einmal genauer angeschaut.

Die Größe: Mini?

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Mini. 61,3mm(B) x 124,6mm(H) x 8,94mm(T). Vor zwei Jahren hätte man zu der Größe noch gesagt “Was ein Klopper”. So ging es mir zumindest damals mit dem Galaxy S II. Dank dem unglaublichen Innvations- und Evolutionstempo der Mobilbranche ist man inzwischen aber teilweise bei 5 Zoll und mehr für die Flaggschiffe angekommen. Bei dem Galaxy S4 mini belächeln trotzdem viele den Namenszusatz “Mini”, da man damit ja auf der Smartphone-Größe von vor zwei Jahren rangiert und Apple das iPhone 5 ja auch nicht “Mini” nennt. Gut, Apple verpennt hier auch schon lange einen Trend, trotzdem ist es absolut verständlich, wenn nicht jeder Nutzer seine Jeans mit einem Smartphone jenseits der 5 Zoll sprengen will.

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Tatsächlich ist das Galaxy S4 mini wohl perfekt für Nutzer, die sich mit den Smartphone-Riesen nicht anfreunden können. Die Größe ist zwar nur in Relation zu dem Galaxy S4 tatsächlich “Mini” und nach dem Verständnis vieler Nutzer wohl eher “normal”, aber erstens würde “Galaxy S4 normal” blöde klingen und zweitens verkauft sich “mini” derzeit besser. Die Größe ist jedenfalls perfekt – zumindest für die Gerätekategorie. Meiner Meinung nach sogar besser als die des iPhone 5. Versteht mich nicht falsch, das iPhone 5 ist ein tolles Gerät, allerdings ist mir das Display zu klein und hier kann Samsung bei dem Galaxy S4 mini einfach punkten. Dünnere Ränder und ein größeres Display in einem Gerät was sonst etwa so groß ist wie das iPhone 5.

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Also: Absolut mini nicht wirklich, relativ zu dem Galaxy S4 aber definitiv. Die Größe ist eine feine Sache.

Design, Gewicht, Verarbeitung und Ergonomie: “Mini”?

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Machen wir uns mal nichts vor: In Sachen Ergonomie kommen wir mit 5 Zoll Smartphones an die Grenzen. Ein Galaxy S III musste aussehen wie ein abgelutschtes Stück Seife um sich noch hervorragend in die Hand zu schmeicheln. Das Galaxy S4 sieht deutlich besser aus und liegt auch noch sehr gut in der Hand, trotzdem merkt man, wie die Designer hier an ihre Grenzen kommen. Man muss einfach wissen, was man will. Das HTC One sieht beispielsweise irgendwie schicker aus und auch das iPhone 5 kann meiner Meinung nach punkten – beide schmeicheln sich aber längst nicht so in die Hand.

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Das Samsung Galaxy S4 mini ist da anders: Dank kleinerem Display als aktuelle Flaggschiffe, einem relativ dünnen Displayrand und einer abgerundeten Rückseite liegt es absolut hervorragend in der Hand. Besser als iPhone 5, HTC One oder auch das Galaxy S4. Das Teil ist ein echter Handschmeichler (wie übrigens auch das Galaxy S III mini, leider sah das – nehmt es mir nicht krumm – tatsächlich noch mehr aus wie ein Stück Seife) und dazu noch echt leicht. 107 Gramm bringt das Teil auf die Waage – sauber!

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Das Galaxy S4 mini ist designtechnisch einfach eine geschrumpfte Version des großen Bruders. Vom Design her liegt das Galaxy S4 mini hinter dem iPhone 5. Gerade Kanten, Metall – Apple hat hier ein geiles Gerät auf den Markt gebracht. Samsung konnte mit dem Galaxy S4 nur sehr bedingt kontern und der kleine Bruder orientiert sich nun mal an dessen Design. Samsung hat mit dem silbernen Rahmen der im Vergleich zum Vorgänger nun gerade ist aber trotzdem meiner Meinung nach eine starke Verbesserung zum Vorgänger erreicht. In der schwarzen Version gefällt es mir von Oben extrem gut. Die silberne Displayumrandung ist übrigens auch leicht zu fühlen – gefällt mir persönlich besser als bei dem Galaxy S III.

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Das Design ist trotzdem Geschmackssache: Meiner Freundin (sonst Nutzerin eines S III) gefiel der Rahmen nicht und was sich Samsung bei der Rückseite der schwarzen Version gedacht hat versteht bis heute kein Mensch. Dazu kommt wie bei Samsung leider typisch die Nummer mit dem glatten Plastik. Nennt Nummer wegen mir Polycarbonat – es ändert nichts an der Haptik. Front un Rand wirken edel, aber sobald man das Gerät dreht, wird es optisch billig. Ich predige es immer wieder gerne: Samsung sollte weg von dem glänzenden Kunststoff. Matt, gummiert, Metall, Glas, Kevlar … egal was, aber keine glänzende Plaste, damit verkauft man sich unter dem Wert.

Das Display: Mini?

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Naja, 4,3 Zoll als mini zu bezeichnen dürfte bei Apple-Fans (dank dem veralteten “alles muss mit einem Daumen erreichbar sein”-Dogma) für Verwunderung sorgen – in der Relation zu dem Galaxy S4, dem HTC One, dem Xperia Z oder auch noch größeren Smartphone-Tablet-Hybriden ist das Display aber klein. Leider ist es auf dem Papier auch die Auflösung: 960×540 Pixel reichen nur für eine Pixeldichte von 256 ppi – das Galaxy S4 liegt bei 441 ppi (geschummelt), das iPhone 5 noch bei 326 ppi. Samsung setzt bei dem Galaxy S4 mini zwar auf ein SAMOLED-Display, dieses hat aber glücklicherweise keine PenTile-Matrix. Nerd-Gelaber hin oder her: Ohne PenTile ist das Display echt noch in Ordnung. Gefühlt würde ich es deutlich über dem eines Galaxy S II, Galaxy S III mini und quasi ebenbürtig mit dem des Galaxy S III einordnen. Gegen ein iPhone 5 hat man natürlich trotzdem keine Chance, aber wenn ich Pixel nur mit großer Mühe erkennen kann, reicht mir das aus. Fairerweise muss man aber sagen, dass Samsung hier für den Preis (dazu im Fazit mehr) aber trotzdem 720p hätte liefern können/müssen – HTC schafft das bei dem One mini auch.

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Die Hardware-Ausstattung inklusive Akku: Mini?

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Man hat hier nicht ganz die Power des Galaxy S4, aber eigentlich kann man sich hier nicht beschweren: Der 1.900 mAh Akku ist gut, mit dem 1.7 GHz Dual-Core Snapdragon 400 hat man mehr Leistung als die meisten Nutzer brauchen (hat bei mir nur in seltensten Fällen für Ruckler gesorgt) und eine absolut flüssige Bedienung auf dem Homescreen. 8 GB Speicher sind zwar etwas knapp, lassen sich aber per MicroSD und Apps2SD erweitern. 1,5 GB Arbeitsspeicher sind dazu mehr als das iPhone 5 oder das HTC One mini haben, der RAM läuft selten voll. Der größere Arbeitsspeicher dürfte aber besonders LTE geschuldet sein: LTE Kat3 mit bis zu 100 Mbit/S down und 50 Mbit/s up ist an Bord. In Sachen LTE kann das S4 mini übrigens schwer punkten, in meinen Tests war man sowohl in Sachen Empfang als auch in Sachen Speed eigentlich immer an der Spitze. 

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An ein paar Punkten merkt man “mini” aber dann doch: Eine Benachrichtigungs-LED fehlt (absolut unverständlich!) und auch die Armada von Sensoren des Galaxy S4 hat in dem kleineren und günstigeren Galaxy S4 mini keinen Platz gefunden. Konkret muss man auf fast den kompletten Gesten-Blödsinn den ich im Alltag eh nicht nutze also verzichten. Finde ich persönlich absolut nicht tragisch, allerdings bewirbt Samsung bei dem S4 eben auch den Kram und der kleinere Ableger muss dann auf diesen Teil der Galaxy-S4-DNA verzichten … schade. Übrigens: Das Galaxy S4 mini hat mit Abstand den lautesten Vibrationsalarm aller Smartphones die ich jemals testen durfte. Es vibriert nicht stärker als der Rest, dafür aber deutlich lauter und macht den reinen Vibrationsmodus um den Nachbarn in der Uni nicht zu stören mehr oder weniger nutzlos.

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Der Akku ist übrigens auch nicht “mini”. Trotz aktiviertem LTE bin ich etwa so lange über den Tag gekommen wie mit dem Galaxy S III und nur wenig kürzer als mit dem Galaxy S 4. Hängt natürlich von dem persönlichen Nutzen ab, aber man sollte (ohne exzessives Zocken) gut über den Tag kommen.

Die Software: Mini?

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Bei der Software setzt Samsung auf die gleiche Oberfläche wie beim großen Bruder, dazu kommt Android 4.2.2 als Betriebssystem. Im Ergebnis ist die Software aber trotzdem “mini” in Relation zu dem nutzerüberfordernden Software-Paket des Galaxy S4. Ohne Sensorenschnickschnack (oben auf dem Bild sieht man (nicht) den fehlenden Sensor links neben dem Lautsprecher) fehlen bei der Ersteinrichtung schon gefühlte drei Seiten und bei der späteren Bedienung wird man nicht alle zwei Sekunden mit der Frage ob “Unnötige Funktion XY aktiviert werden soll” genervt. Das finde ich persönlich zwar Spitze, Samsung bewirbt aber gerade diesen ganzen Software-Kram – dem Galaxy S4 mini fehlt auch hier wieder ein Teil der DNA des großen Bruders. Der normale Nutzer wird es vermutlich nicht merken, aber im Ergebnis fehlt hier dann doch einiges an Software. Auch S-Health, eine Fitness- und Gesundheits-App die auf dem Galaxy S4 auf zahlreiche Sensoren des Gerätes zurückgreift fehlt. Schade. Wie gesagt nicht tragisch, aber schade.

Die Kamera: “Mini”?

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Die Kamera ist immer eine Kombination aus Hard- und Software. Bei dem Galaxy S4 setzt Samsung auf einen 13 MP Sony IMX135 Sensor, das Galaxy S4 mini bekommt “nur” 8MP und den Sensor des Galaxy S III beziehungsweise Note II auf den Weg. Der Unterschied fällt zwar bei genauen Hinsehen auf, allerdings ist er nicht allzu tragisch. Was das S4 im Low-Light Bereich besser kann, wird bei dem S4 mini stärker über die Software ausgeglichen – im Ergebnis sind die Fotos gut und häufig sogar besser als noch mit dem Galaxy S III.

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Trotzdem ist die Kamera insofern “mini”, als dass Samsung sie um einige Funktionen beschnitten hat. Bei dem Galaxy S4 ist die Kamera bekanntlich mit zahlreichen Nice-to-have-Features gespickt die mehr oder weniger gut funktionieren, das Galaxy S4 mini muss leider auf einige coole Funktionen verzichten. Sowohl “Animiertes Foto”, als auch “Drama” und “Radierer” haben ihren Weg nicht auf das kleinere S4 gefunden. Bei dem animierten Foto wird normalerweise eine kurze Videosequenz in ein animiertes GIF verwandelt und bei dem “Drama-Shot” werden verschiedene Positionen eines bewegten Objektes in einem Bild festgehalten – bei dem Galaxy S4 mini hat der 1,7 GHz Dual-Core vermutlich nicht die Leistung um diese Aufgaben zu bewältigen. Schade, denn auch das ist ein bei dem Galaxy S4 beworbenes Feature und Teil der DNA des Galaxy S4 die fehlt. Übrigens: Wie bei Samsung leider üblich, muss der “Nachtmodus” bei dunkleren Bildern fast zwingend per Hand aktiviert werden. Die Automatik bei Samsung wählt diesen leider nicht an und Low-Light Aufnahmen werden gerne fast komplett schwarz. Raffen viele Redakteure bei einigen Geräten nicht, weshalb Samsung regelmäßig in den Kamera-Vergleichen verliert – hoffentlich verstehen die Südkoreaner langsam, dass dies eben auch in die Automatik gehört.

tl;dr – Fazit und der große Haken

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Das Galaxy S4 mini ist ein feines Teil. Der normale Nutzer wird kaum merken, dass man hier einige der Features des Galaxy S4 nicht wiederfindet – was für mich die Frage aufwirft, ob es den Schnickschnack des großen Bruders überhaupt braucht. Wohl für viele Nutzer nicht und so ist das Galaxy S4 mini grundsätzlich eine absolute Empfehlung. Viele Funktionen, viel Hardware in kleiner Verpackung und eine Akkulaufzeit die schlechter sein könnte. Das Problem ist das große “Aber”, was über dem Galaxy S4 mini schwebt. Das “Aber” ist das Galaxy S III. Das letztjährige Flaggschiff bietet einen ähnlich starken Prozessor, ein größeres und höher auflösendes Display und einen größeren internen Speicher. Ich würde jedem raten sich vorher auch das Galaxy S III einmal gut anzuschauen. Für das Galaxy S4 mini spricht das bessere Design, die aktuell noch neuere Software und ganz besonders die Größe. Wer aber nur über das S4 mini nachdenkt, weil das Galaxy S4 zu teuer ist, sollte sich das Galaxy S III anschauen. Dieses kostet aktuell sogar leicht weniger als das Galaxy S4 mini und sollte irgendwann auch ein Update auf Android 4.2.2 oder Android 4.3 bekommen. Der Preis des Galaxy S4 mini ist in meinen Augen einfach ein großer Haken. Das Galaxy S III mini liegt irgendwo knapp unter 200 Euro, das Galaxy S4 liegt irgendwo knapp unter 500 Euro. Das Galaxy S4 mini müsste meiner Meinung nach eher Richtung 300 Euro angesiedelt sein um eine klare Empfehlung zu bekommen. Mit derzeit rund 370 Euro finde ich den Schritt zum Galaxy S III (abgesehen von Größe und Design) empfehlenswerter.

Videolink

Das Galaxy S4 mini wurde uns kostenlos von Samsung zur Verfügung gestellt und musste nach diesem Test zurückgeschickt werden.