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Ich habe vor knapp zwei Jahren einen Blogbeitrag geschrieben, in welchem ich 5 Zoll als den nächsten Standard für Smartphones gesehen habe. Inzwischen pendeln sich die Flaggschiffe der meisten Hersteller in etwa bei der Größe ein und wenn die Displayränder noch dünner werden sollten, scheinen auch 5,2-5,3 Zoll noch durchaus denkbar für die breite Masse. Die Frage ist, ob etwas darüber noch Sinn und Spaß macht. Samsung hat vor einigen Monaten das Galaxy Mega 6.3 angekündigt und inzwischen ist der Klopper mit einem 6,3 Zoll großen Display auch in Deutschland zu haben – Zeit für einen Testbericht.

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Die nackten Zahlen:

  • Android 4.2.2 mit Samsung TouchWiz
  • 1.5 GB Arbeitsspeicher, 8 GB normaler Speicher (ca. 5 GB nutzbar) erweiterbar per MicroSD (4GB im Lieferumfang)
  • 3.200 mAh Akku
  • 1,7 GHz Snapdragon 400 Dual-Core
  • LTE, HSPA+ (42Mbit/s), Bluetooth 4.0, GPS, NFC
  • 6,3 Zoll SLCD mit 1280×720 Pixeln
  • 8 Megapixel-Kamera auf der Rückseite, 1,9 Megapixel (1.392 x 1.392) auf der Front
  • Infrarot-Schnittstelle
  • 167,6 x 88 x 8 mm bei 199 Gramm (Angabe von Samsung)
  • Etwa um 440€ bei Amazon

Die Größe:

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Samsung Galaxy Mega, in Deutschland fehlt der Namenszusatz 6.3, da man hierzulande auf die Einführung der schwächeren Version Mega 5.8 verzichtet hat und es daher nur ein “Mega”-Gerät gibt. Mega ist bei dem Klopper definitiv Programm: Ein 6,3 Zoll großes Display und ein Gewicht von 199 Gramm sprengen bisherige Smartphone-Dimensionen deutlich. Ich habe 8 Monate lang ein Galaxy Note II genutzt und dachte so schnell könnte mich nichts in Sachen Smartphone-Größe überraschen, aber das Galaxy Mega ist einfach eine andere Dimension.

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Erstaunlich: Neben dem Galaxy Note II kommt es einem trotz 19 Gramm mehr auf der Waage fast leicht vor, einfach da es größer und dünner als der 2012er Bolide ist. Das Galaxy Note II würde ich allerdings noch als (großes) Smartphone bezeichnen, bei dem Galaxy Mega hört der Spaß aber auf. Die Grenze ist inzwischen zwar kaum noch zu ziehen, aber dank Landscape-Modus (horizontalem Homescreen) würde ich das Galaxy Mega eher als kleines Tablet mit Telefonfunktion einordnen. Auch, weil es anders als die meisten Smartphones eben nicht mehr wirklich bequem in der Hosentasche zu transportieren ist. Mit dem Galaxy S4 kommen die meisten Jeans noch zurecht (wenn man es denn ausprobiert), bei dem Galaxy Note II ist es für einige auch noch kein Problem – bei dem Galaxy Mega ist aber Schluss. Man kann es rein zwängen, aber hinsetzen wird dann zum Problem.

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Trotzdem: Nach einigen Tagen mit dem Galaxy Mega beginnt man die Größe zu lieben. Es ist schräg, fast peinlich sich so ein Teil an das Ohr zu halten zum telefonieren und nutzt man das Teil in der Straßenbahn bekommt man mehr Aufmerksamkeit als ein bunter Hund – trotzdem ist es nach einer Gewöhnungsphase praktisch. Die einhändige Bedienung ist natürlich quasi unmöglich und beim Swipen kommt man sich vor wie bei “Malen nach Zahlen”, da man konzentriert die langen Wege ziehen muss (weshalb ich die Funktion abgestellt hatte), aber die Größe … herrlich. Ich nutze derzeit mein Smartphone weniger wenn ich in Bewegung bin und sobald man sitzt oder den Couchpotato raushängen lässt, ist das Teil ein astreines kleines Tablet was hervorragend in der Hand liegt und nicht zu viel wiegt. Klar werden viele sagen, dass das Galaxy Mega zu groß ist – geht man aber ohne Vorurteile an die Sache ran, hat der Tischtennisschläger zum Surfen einige Vorteile und gegen schräge Blicke beim Telefonieren mit dem Brett vor’m Kopf gibt es ja Headsets. Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass das Galaxy Mega in einigen asiatischen Ländern zu einem absoluten Verkaufsschlager mutiert. Bei meinen Reisen nach Korea ist mir das Galaxy Note II und andere Geräte in der Größe extrem häufig aufgefallen, man hat dort eine Vorliebe für große Smartphones.

Das Design, die Verarbeitung und die Batterie

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Samsung macht es sich wieder einfach: Alles was annähernd Smartphone oder Tablet ist bekommt den optischen Anstrich des 2013er Flaggschiffs, des Galaxy S4. Das Samsung Galaxy Mega kommt ebenfalls mit der geraden (optisch inzwischen wirklich gelungenen) Seitenlinie des Galaxy S4 daher. Unter der Oberfläche finden sich auf der Front unter Glas und auf der Rückseite in das Plastik eingearbeitet kleine silberne Rauten/Punkte, die eine gewisse Struktur verleihen. Absolut Geschmackssache und ein Designrisiko welches ich bis heute noch nicht ganz nachvollziehen kann – mir persönlich gefällt es aber inzwischen halbwegs. Auch, wenn man je nach Lichteinfall die Rückseite des schwarzen Geräts als Spiegel nutzen kann. Die Rückseite ist zwar wieder Samsung-typisch glänzendes Plastik, allerdings stört es mich bei dem Mini-Tablet erstaunlich wenig. Es ist leicht, robust und liegt gut in der Hand. Klar, zu Metall hätte ich auch nicht nein gesagt, aber bis auf die Fingerabdruck-Anfälligkeit ist an dem Kunststoff hier wenig auszusetzen.

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Das Prunkstück ist aber die Front. Ich weiß nicht genau warum, aber ich finde die Front extrem ästhetisch, wenn man das Gerät in den Händen hält. Eigentlich ist es “nur” ein gewachsenes Galaxy S4, aber die Proportionen stimmen. Kleines Design-Manko: Die silberne Struktur unter der Oberfläche geht auch über die Benachrichtigungs-LED und die des Menü- und Zurück-Buttons. Leuchtet also eine LED, sieht man diese Punkte schwach über dem Licht. Eine Kleinigkeit, ansonsten finde ich das Galaxy Mega aber designtechnisch absolut gelungen. Die Verarbeitung passt, nichts wackelt und die Verwindungssteifigkeit ist auch sehr gut.

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Der Akku ist eine eigene Liga, mit 3.200 mAh ist er sogar leicht größer als der des Galaxy Note II, hat aber auch die Dimensionen eines kleinen Smartphones. Ich war wegen des großen Displays vorher skeptisch in Sachen Laufzeit, aber das Teil hält teilweise länger durch als das Galaxy Note II – und das war bereits ein Akkukönig. Wohlgemerkt: Trotz aktiviertem (akkufressendem) LTE!

Das Display

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Samsung setzt bei dem Galaxy Mega auf ein 6,3 Zoll großes SLCD mit einer Auflösung von 1280×720 Pixeln. Die Auflösung ist für ein Tablet ok, da aber das Galaxy S4 bereits mit einer FullHD-Auflösung kommt, ist man bei dem Galaxy Mega immer wieder auf der Suche nach Pixeln – und wird auch fündig. 233 ppi sind nicht die Welt. Zwar setzt man auf einen SLCD und nicht auf ein SAMOLED mit PenTile Matrix, allerdings lassen sich Pixel durchaus erkennen, wenn man nah genug an das Display heran geht. Allerdings muss man auch sagen, dass bei einem kleinen Tablet der Abstand zwischen Auge und Display in der Praxis größer ist als etwa bei einem Smartphone. Tragisch fand ich die Auflösung daher nicht, allerdings sind meine Augen von dem Galaxy S4 verwöhnt und auch das Galaxy Note II ist schärfer. Negativer ist dagegen die Helligkeit des Displays aufgefallen: Das Display ist etwa so hell wie das des Galaxy S4. Nur etwa so hell, denn man setzt mit LCD eigentlich auf eine Technik die deutlich bessere Helligkeitswerte ermöglichen sollte. Hier hatte ich mir mehr versprochen, in der Sonne ist es leider mit rund 400 nit recht schwer abzulesen.

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Die Software und die Kamera

Bei der Software gibt es wenig Überraschungen: Android 4.2.2 mit Samsungs TouchWiz UI kennt man noch von dem Galaxy S4. An einigen kleinen Stellen finden sich aber trotzdem Unterschiede: Bei dem Share-Screen findet sich die komplette Auswahl an Apps auf einer Seite, außerdem lässt sich das Display-Timeout auf 30 Minuten stellen. Zwar von Galaxy S4 und Co bekannt ist Multi-Window, auf dem 6,3 Zoll Display ist die Software aber nochmals praktischer. Die Arbeitsfläche ist einfach größer und der Nutzerkomfort entsprechend auch. Übrigens: Der Snapdragon 400 Dual-Core mit 1.7 GHz hat eine durchweg flüssige Bedienung ermöglicht, nur bei Spielen wurde es teilweise ruckelig. eine feine Sache die ich an allen aktuellen Galaxy-Geräten mag: Die Infrarot-Schnittstelle ermöglicht den Einsatz des Geräts als Fernbedienung für Fernseher und Co. Praktisch.

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Bei der Kamera setzt man bei dem Galaxy Mega auf altbewährte Komponenten: Das 8 Megapixel Kameramodul des Galaxy S III und Galaxy Note II was so auch in dem Galaxy S4 mini zu finden ist liefert gute aber nicht herausragende Ergebnisse. Sobald Fotos bei schlechteren Lichtverhältnissen aufgenommen werden sollen, sollte man händisch auf den Nachtmodus mit einem überlegenen Rauschreduktions-Algorithmus zurückgreifen, die Automatik hat hier nicht immer funktioniert. Schade übrigens: Auch bei dem Galaxy Mega muss man wie bei dem Galaxy S4 mini auf die Kamerafunktionen “Radierer”, “Animiertes Foto” und “Drama” verzichten, wohl wegen dem weniger leistungsstarken Snapdragon 400.

tl;dr: Das Fazit

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Das Samsung Galaxy Mega ist besonders eins: MEGA. Die Größe hat viele Vorteile, allerdings natürlich auch Nachteile – man sollte sich vor einem Kauf einfach einen eigenen Eindruck verschaffen. Mir persönlich wäre es für den täglichen Einsatz als Smartphone wohl zu groß, Fahrrad fahren ist damit jedenfalls in der Hosentasche schwer. Ansonsten ist es ein solides Smartphone/Mini-Tablet der oberen Mittelklasse. Samsung hat allerdings wie auch bei dem Galaxy S4 mini ein Problem: Die letztjährigen Flaggschiffe können nicht unbedingt weniger und sind deutlich günstiger. Bei dem Galaxy Mega ist das Galaxy Note II wohl die direkte Konkurrenz: Nur wenig kleiner und mit einem etwa gleichstarken Prozessor verfügt es noch über einen S-Pen. Preislich liegen zwischen den Geräten nur wenige Euro und so sollte man einfach beide Geräte mal in der Hand gehabt haben, bevor man sich für eines entscheidet. Mein persönlicher Eindruck war, dass ich den Stift des Note II nicht wirklich nutze und das Galaxy Mega sich subjektiv (!) leichter und schlanker anfühlt, dazu kommt das aktuelle Design und die noch neuere Software. Die Frage die man sich bei dem Galaxy Mega persönlich stellen muss: “Will ich den Kompromiss aus Riesen-Smartphone und Mini-Tablet eingehen – oder möchte ich nicht lieber ein Smartphone und ein Tablet, also zwei Geräte, nutzen?”

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