Android 7.0 auf dem Galaxy S7: Der erste Eindruck des Beta-Updates

Erst vorgestern hat Lars über Samsungs Beta-Programm berichtet, mit dem Freiwillige ihr S7/Edge auf Android 7.0 beta aktualisieren und ausgiebig vor dem finalen Release testen können. Nach langer Suche habe ich die Firmware gefunden und kurzerhand auf mein Galaxy S7 aufgespielt.

20161110_1225071

Mit Android Nougat kommt auch die neue Grace UX, die mit dem Note7 ihr Debüt feierte. Zwischen dem TouchWiz-Interface (Android 6.0.1) und Grace liegen Welten Unterschied – leider ist es jedoch selten ein positiver oder lobenswerter Unterschied.

Aber fangen wir ganz von Vorne an: Nach dem ersten Booten mussten erstmal Apps aktualisiert werden, um unter 7.0 laufen zu können. Die Musik-App und ein Kameramodus haben den Sprung geschafft; die Video-App allerdings nicht und ich hatte auch später keine Möglichkeit, die Aktualisierung zu wiederholen. Sowohl der Lockscreen, als auch der Homescreen scheinen weitestgehend unverändert zu sein, bis man die Statusleiste runter zieht und das Update sofort bereut. Blaue Icons auf hellem Hintergrund – das war unter Marshmallow so und auch unter Nougat belässt es Samsung  ebenfalls bei der Farbkombi. ABER: Seit wann lässt man Praktis die Toggles designen?

start1

Spaß bei Seite, jeder Praktikant dieser Welt hätte die Toggles definitiv augenunschädlicher gestalten können. Der Screenshot könnte genau so gut von einem chinesischen Noname-Handy der Preisklasse <99 EUR stammen (und mit Noname meine ich wirklich Noname und kein Huawei/ZTE/etc). Auf dem selben Screenshot ist – darauf spekuliere ich zumindest – das neue Feature „seamless updates“ (nahtlose Updates) zu erkennen. Das bedeutet, dass ich mein Handy benutzen kann, während im Hintergrund ein Firmwareupdate installiert wird. Das ist schonmal der erste Pluspunkt für Samsung und Google. Und dank der Art und Weise, wie das angezeigt wird, fährt sich Samsung direkt einen Minuspunkt ein. Die Benachrichtigungen werden in rechteckigen und in meinen Augen überladenen Kästchen angezeigt. Selbst das sonst so dezent und unauffällig gestaltete Alles löschen nimmt mehr Platz ein und ist in einem Kästchen eingesperrt.

Neues beim Appdrawer sind die Note7-Icons, die „Suchen“-Leiste und der verschwommene Hintergrund. Diverse Systemapps wurden nach dem Grace-Schema überarbeitet – d.h. es wird hell und akkubelastender.

Die Einstellungen erscheinen übersichtlicher, da unter anderem weniger Menüpunkte auf der ersten Maske zu sehen sind. Zusätzliche Funktionen sind hier Icon-Zoom (früher Anzeigenkomprimierung, allerdings kann man jetzt ohne Neustart des Gerätes drei Größen einstellen), Always on Display (wirklich neu ist, dass es endlich mit Drittanbieter-Apps spricht, juhu!) und Nur neueste Benachrichtigungen anzeigen. Durch die vielen Untermenüs und -punkte kann man allerdings schnell den Überblick verlieren. Überarbeitet wurde ebenfalls die Telefonie-Maske. Der vorher einfache, grüne Hintergrund wurde durch eine Farbanimation ersetzt, der verschiedene Grüntöne über das Display schleift. Es ist zwar eine (unnötige) Kleinigkeit, allerdings finde ich den Effekt echt cool (Anrufe nehme ich deshalb nun eine Weile später an :D). Der Bildschirm Anruf beendet setzt nun auf einen komplett weißen (statt orange/weißen) Hintergrund.

Neben der Möglichkeit, die Displayauflösung zum Energiesparen zu regulieren, kann der Nutzer durch den App-Energiemonitor akkubelastende Apps in den Standby versetzen. Sehr witzig von Samsung, die Energiesparmodi auszuweiten, aber im selben Update den Akku durch das noch hellere UI stärker zu belasten (AMOLED = stromsparend bei dunklen Farben, Samsung!). Unter Gerätewartung (ehem. Smart Manager) erhält das S7 vier verschiedene Leistungsmodi, damit es noch mehr Feuer geben kann (ob es das Note7 toppen kann?): Normal; Spiel, Unterhaltung und Hohe Leistung. Reguliert werden lediglich Helligkeit, Auflösung, CPU, UHQ-Upscaler (Musik) und die Videooptimierung. Ob man dadurch im Alltag einen Unterschied spürt, zweifle ich an.

An der Galerie-App, die schon unter Android 6.0.1 einen kleinen Facelift bekommen hat, wurde nochmals geschraubt (die Mühe hätte man sich ersparen sollen). Die drei, vier Punkte, bei Fotos und Videos angezeigt werden (Senden, Bearbeiten, Löschen, Bearbeiten), werden nun ebenfalls durch den weißen Hintergrund visuell verunstaltet. Und das ist noch nicht alles: Wenn ihr ein Foto oder Video (Vorschaubild vom Video) habt, das nicht den ganzen Bildschirm ausfüllt (z.B. Foto im 4:3 Format oder ein quer aufgenommenes Video), dann ist der Rest des Displays weiß (Punkte Senden, … eingeblendet) bzw. wird es erst dann schwarz, wenn diese Punkte ausgeblendet werden (iPhone mäßig, leider). Bis Android 6.0.1 war es übrigens immer schwarz. Neben der Videooptimierung profitiert der Videoplayer von der neu implementierten GIF-Funktion: Stoppt euer Video an einer beliebigen Stelle, drückt auf „GIF“ und schon wird automatisch ein 6 Sekunden langes GIF-Video erstellt (quasi die ersten 6 Sekunden nach der von euch gewählten Stelle).

Desweiteren reicht die Statusleiste im Querformat  nicht von einem Ende des Telefons ans andere Ende. Somit sind die Benachrichtigungen nicht ellenlang, was bei dem alternativen Lockscreen von Samsung (GoodLock) von Anfang an der Fall ist. Streicht man eine Benachrichtigung im Notificationcenter nicht ganz zur Seite weg, taucht ein Zahnrad auf, wodurch man direkt zu den Benachrichtigungseinstellungen der App gelangt. Für Irritationen hat Googles EasterEgg gezeigt. Beim Versuch, es zu starten, musste ich mich zwischen Android EasterEgg und Android Marshmallowland entscheiden. Das Erste ist wohl das richtige, allerdings habe ich eine weitere Kachel in die QuickSettings bekommen. Den Sinn konnte ich auf die Schnelle nicht erkennen. Marshmallowland ist das Flappy Android mit Marshmallowhürden. Außerdem sind die „Karteikarten“ in der Multitaskingansicht in die Länge gezogen, was das Wechseln von Apps etwas erschwert. Ein kleiner Tipp: Drückt man nun 2x auf die Multitasking-Taste, wechselt man zur zuletzt genutzen App.

Man darf nicht vergessen, dass diese Version noch in der Beta-Phase ist und daher A) noch vieles bis zur finalen Version verändert werden kann und B) Fehler und Probleme aufweisen kann. Neben der inkompatiblen Video-App funktionierte der APK-Installer und Smart Stay nicht. Darüber hinaus stürzten Galerie und die Einstellungen gerne mal ab oder frierten eine Weile ein.

Mein Fazit

Neue Funktionen und Verbesserungen – wie beim AOD, verschiedene Modi für Energie- und Leistungssteuerung, Anzeigeoptionen uvm – sind immer gerne gesehen. Von den Leistungsmodi halte ich nicht viel und werde diese vermutlich nie wieder antasten; die Energiesparmodi müssen sich erstmal unter Beweis stellen und das AOD – endlich spricht es mit WhatsApp und anderen Apps! Beim UI kriege ich immer noch Kopfschmerzen. Obwohl ich Nougat erst seit einem Tag habe, nutze ich mein Handy so selten wie noch nie zuvor; so billig finde ich die Software. Vielleicht gewöhne ich mich noch dran, vielleicht downgrade ich auch bald und verbiete meinem Handy jeglichen Kontakt mit dem Internet, damit Android 7.0 unter gar keinen Umständen auf meinem S7 landen kann (den 2. Fall halte ich für wahrscheinlicher). Das Galaxy S7 mit Android 7.0 beta ist das beste Beispiel dafür, dass man mit der Hardware allein nichts großartig reißen kann.

 

PS: Falls ihr weitere Fragen zu der Beta-Version habt, weitere Bilder oder Screenaufnahmen sehen wollt, o.ä., dann lasst es mich zeitnah wissen (bevor ich downgrade :D).