[Kommentar] Samsung gesteht sich ein, dass man sich auf dem Tablet-Markt schwer tut

Gestern Abend habe ich bei den Kollegen vom Tech-Blog einen Artikel gelesen, dass ein hochrangiger Samsung-Vorstand gesagt hat, dass man sich auf dem Tablet-Markt derzeit schwer tut. Gerade habe ich einen Artikel bei den Kollegen von MobiFlip zu dem selben Thema gelesen – allerdings mit anderer Begründung für den Umstand.

sgt101 review [Kommentar] Samsung gesteht sich ein, dass man sich auf dem Tablet Markt schwer tut

Beide Artikel beziehen sich auf folgende Aussage von Hankil Yoon, einem der Produktstrategen bei Samsung:

“Honestly, we’re not doing very well in the tablet market. The best thing to survive in the market is to kill your products. We want to stay competitive in the market.”

Fakt ist, dass Samsung sich damit selber eingesteht, dass man bei den Tablets den eigenen Erwartungen hinterher läuft. Warum dies der Fall ist, kann man unterschiedlich beurteilen. Damian vom Tech-Blog etwa sieht den Grund in den hohen Preisen bei den Tablets, die seiner Meinung nach zu hoch sind um konkurrenzfähig zu den Preisen apples zu sein. Oliver von MobiFlip sieht den Grund dagegen in der Produktstrategie von Samsung: zu viele Tablets und zu ähnlich. 

Beide Argumente haben etwas für sich, sind allerdings für sich alleine nicht der Grund für das Problem von Samsung. Meine Meinung über die “Produktvielfalt” bei Samsung hatte ich in einem anderen Artikel noch vor der Präsentation des Galaxy Note 10.1 geschrieben und ich gehe konform mit der Ansicht, dass Samsung es bei den Tablets im 10-Zoll Format derzeit einfach übertrieben hat: Ein Galaxy Tab 10.1, ein Galaxy Tab 10.1N, ein Galaxy Tab 2 (10.1) und ein Galaxy Note 10.1 sind dann doch zu viel des Guten. Zwar könnte das Anliegen von Samsung mit der Produktstrategie sein, für jeden das absolut perfekt passende Tablet zu bieten, allerdings dürfte der Endkunde angesichts dieser Masse an nur minimal unterschiedlichen Tablets überfordert sein. Streicht man mal das (theoretisch) hierzulande nicht erhältliche Galaxy Tab 10.1 aus der Aufzählung, bleiben immer noch drei Tablets über, die sich erstmal kaum unterscheiden. Ich stimme hier Oliver zu, dass man sich das Galaxy Tab 2 (10.1) absolut hätte sparen können – ein Software-Update auf ICS beim Galaxy Tab 10.1(N) hätte ausgereicht. Auch wenn man hierdurch vielleicht weniger Geräte verkauft hätte (fraglich), wäre es aus Kundensicht wünschenswerter und damit auf längere Sicht auch für Samsung positiver gewesen. So reitet man sich selber in das Update-Chaos hinein. Ich gebe auch Damian Recht, der den Preis als (für mich Teil-)Ursache sieht, schließlich muss sich ein Samsung Galaxy Tab 10.1 in Konkurrenz mit einem Transformer Prime sehen, welches durch Metall-Body und Tegra3 punkten kann, dazu noch die erwartete Flut an anderen High-End-Budget-Tablets und die verkauften Stückzahlen vom Galaxy Tab 10.1 werden absolut überschaubar.

Das Galaxy Note 10.1 nehme ich einmal raus aus der Liste, es ist für mich anhand des S-Pen und seiner einzigartig genauen Eingabe derzeit konkurrenzlos und wird – einen angemessenen Preis vorausgesetzt – sich auch verhältnismäßig gut verkaufen.

Beide Punkte sind aber in meinen Augen noch nicht Kern der Problematik, denn wenn man sich den gesamten Tablet-Markt anschaut, schlägt sich keiner wirklich gut – außer natürlich der Branchen-Primus und das Kindle Fire. Man muss sich vergegenwärtigen, warum genau diese beiden Tablets überhaupt so gut (iPad) bzw. passabel (Fire) positioniert sind auf dem Markt: das iPad überzeugt in mehrfacher Hinsicht, vor allem aber als Vorreiter der Maßstäbe gesetzt hat – sowohl was Produktdesign und -Material angeht, als auch was das Marketing und als eine Folge dessen den verfügbaren Content angeht. Amazons Kindle Fire dagegen definiert sich über den Preis, 200$ sind ein absoluter Knaller für das gebotene Produkt – auch wenn dieses über den Content wieder teurer gemacht wird.

Wollen sich nun andere Hersteller auf dem Tablet Markt etablieren (und Samsung hat das in meinen Augen noch mit als einziger geschafft), dann müssen sie zumindest eins dieser Merkmale aufgreifen und da es in Deutschland noch recht kompliziert ist, den Content dem Kunden zu verkaufen, dürfte der Weg des Kindle Fire derzeit nur schwer in Deutschland zu beschreiten sein! Beziehungsweise das Problem ist noch ein anderes, vergegenwärtigt man sich die Qualität des verfügbaren Contents für das iPad auf der einen Seite und die ganze Android-Riege auf der anderen.

Möchte man nun sein Tablet erfolgreich positionieren, dann geht der Weg zum einen über den Preis (Damian hat Recht, man kann derzeit einfach nicht mit dem iPad konkurrieren wollen und Preise von nur 30-50€ weniger ansetzen) und noch viel mehr über den Content. Nur einmal als Beispiel, würde ich als Samsung eine Spieleschmiede mit einem namhaften Spieleknaller aufkaufen (was kostet die Welt!) und dieses Spiel fest mit meinem Tablet assoziieren. Oder mit meinen Tablets. Und selbst dann wird es immer noch schwer, mit dem eigenen Tablet gegen den noch immer schlechten Ruf der Android-Tablets anzukämpfen.

Insofern müsste hier in meinen Augen erstmal Arbeit an der Wurzel des Problems geleistet werden: der Image-Pflege von Android auf Tablets. Und für diesen Zweck müssen eben schnell Updates (auf ICS) für bisherige Tablets her, damit alle sehen können, dass die Update-Problematik geringer ist, Geräte länger unterstützt werden und man endlich auf einem Tablet-OS läuft, was homogen mit dem des eigenen Smartphones ist! Ich breche die Problematik gerade herunter, das ist mir klar, aber meiner Meinung nach kann man die von Damian und Oliver angesprochenen Probleme von zu teuren Tablets mit undurchsichtiger Produktstrategie mischen, noch einen guten Schuss Android-(Update-)Problematik hinzufügen und man hat eine ziemlich problematische Suppe für jeden Hersteller, der sich auf dem Tablet-Markt neben das iPad als Branchenprimus setzen möchte!

Trotzdem muss man sagen, dass ein einheitliches Android-OS wie so häufig gefordert auch keine Lösung ist – dann nämlich wären plötzlich alle Hersteller gleich (was ohnehin schon häufig bedenklich ist) was die Content-Schiene angeht und die Hardware-Ebene interessiert viele “normale” Endkunden ohnehin nicht. In meinen Augen sollte daher Samsung noch viel, viel mehr Energie auf die eigene Software, Updates und Apps verwenden, um den Kunden auf dieser so wichtig werdenden Ebene einen echten Mehrwehrt bieten zu können. Content is King!

Quellen: Tech-Blog, MobiFlip, CNET