Nach dem ausführlichen Hands-On mit dem Samsung Galaxy Note 4 gibt es nun ein Hands-On des neuen Samsung Galaxy Note Edge. Wir durften uns bereits vor zwei Tagen das SM-N915 genauer anschauen.
Gerüchte um ein Smartphone mit abgerundetem Display gab es schon ewig und Samsung hatte selbst zur IFA 2013 einen entsprechenden Prototypen gezeigt. Nun möchte man die Technik offenbar am Markt testen und bringt mit dem Samsung Galaxy Note Edge ein entsprechendes Design.
Das Hands-On Video wieder vorab, auch hier gilt: Ein Daumen hoch auf YouTube unter dem Video würde schwer helfen!
Die Spezifikationen des Samsung Galaxy Note Edge
5,7 Zoll SAMOLED Display mit 2560×1440+160 Pixeln (QHD)
Qualcomm Snapdragon 805 SoC mit 2,7 GHz Quad-Core und LTE Cat 6
32 GB interner Speicher erweiterbar via MicroSD
3GB Arbeitsspeicher
3.000 mAh Akku mit Quick Charge Technologie (220 mAh weniger als bei dem Galaxy Note 4)
Android 4.4.4
16 MP Kamera mit OIS auf der Rückseite
3,7 MP Kamera mit f1.9 und 120°-Funktion auf der Front
151.3 x 82.4 x 8.3mm, 174g
Das Erste was auffällt ist sicherlich die „Edge“, eine abgerundete Displayecke die das Display entsprechend verbreitert und ein randloses Design an der rechten Seite des Samsung Galaxy Note Edge erzeugt. Lässt man einmal alle rationalen Gedanken weg, ist dieser Punkt sicherlich seit langem der erste neue „Wow-Faktor“ bei einem Smartphone. Ein derart geformtes Display kannte man bisher nicht. Übrigens: Trotz der Rundung setzt Samsung auf Gorillaglas, allerdings wollte man uns nicht sagen welcher Generation. Das Display selber ist eigentlich das QHD-AMOLED des Samsung Galaxy Note 4, nur eben ergänzt um die Edge und ihre zusätzlichen Pixel. Theoretisch ist das Samsung Galaxy Note Edge damit das höchstauflösendste Smartphone auf dem Markt. Das Display selber jedenfalls ist großartig, absolut scharf, satte Farben, hell – SAMOLED halt. Durch die Rundung gibt es je nach Content einen ungewohnten Effekt, das Bild kommt mit einer großen Tiefe und erinnert an 3D. Ansonsten sitzt auf der Front noch der Homebutton mit Fingerprintscanner und in der Ecke eine 3,7 MP Frontkamera mit Offenblende f1.9 und 120° Aufnahmen für Selfies von breiten Menschen 😉 oder Menschengruppen wie beim Oscarselfie.
Der nächste Punkt ist das Metall. Samsung setzt bei dem Samsung Galaxy Note Edge wie auch bei dem Galaxy Note 4 (und dem Galaxy Alpha) auf Metall. Die Nutzer haben lange genug über Plastik gemeckert, sodass sogar Korea sich dieser Kritik annehmen musste. Und das Metall ist geil, sauber verarbeitet und wertig. Auch unter der „Edge“ liegt ein Metallrahmen, dieser ist natürlich dünner. An den Ecken ist der Rahmen minimal breiter, warum Samsung sich für dieses Design entschieden hat ist schwer zu sagen, es sieht jedenfalls dufte aus. Die blanken, abgeflachten Metallkanten sehen in diesem Bereich … nunja, besonders nach Metall aus ;-). Die Buttons wackeln nicht wie es beim Galaxy Note 4 der Fall ist, der Powerbutton musste allerdings umziehen. An der „Edge“ ist einfach kein Platz und so musste der Powerbutton auf die Oberseite des Samsung Galaxy Note Edge umziehen. An einigen Stellen gibt es übrigens Unterbrecher im Rahmen, einfach, damit der Empfang nicht kurzgeschlossen wird. Außerdem sind drei Mikrofone in dem Metall versenkt. Seltsam: Statt auf MicroUSB (Note 3, S5) setzt Samsung wieder auf MicroUSB 2.0 …
Auf der Rückseite gibt es kein Metall, stattdessen Samsungs Plastik in Lederoptik Gut, dafür ist die Rückseite auch ohne Probleme wechselbar. Die Lederoptik wurde dezenter gestaltet als bei Note 3 und Galaxy S5. Keine Fake-Ledernaht, keine Golfballoptik, sondern ehrliches falsches Plastikleder. Sowohl in der schwarzen als auch in der weißen Version mit einer leichten Gummierung – gefällt mir. Auf der Innenseite fehlen die Gummilippen des S5, zu Wasser sollte man also Abstand halten.
Aus der Rückseite steht der S-Pen wie bereits seit dem Galaxy Note 3 leicht hervor, auch beim Galaxy Note Edge ist dies nun also der Fall. 2048 Druckstufen werden über den Wacom Digitizer erkannt, der S-Pen selber ist nun leicht geriffelt und griffiger.
Wenn man die Rückseite des Samsung Galaxy Note Edge abrupft, sieht man bei der „Edge“ etwas für ein Smartphone ungewohntes: Nichts. Kleine leere Bereiche sind bei Smartphones ein Luxusproblem, aber da bereits in dem Galaxy Note 4 alles untergebracht hatte, war in der „Edge“ halt keine zusätzliche Technik unterzubringen.
Ansonsten wird die Rückseite des Samsung Galaxy Note Edge von der 16 Megapixel Kamera mit optischer Bildstabilisierung dominiert. Die Kamera ist verhältnismäßig groß und steht aus dem Gehäuse hervor – die Technik muss halt irgendwo untergebracht werden! Unter der Kamera sitzt die LED und der Pulsmesser, der sich wie bei dem Galaxy Note 4 auch für Selfies als Auslöser nutzen lässt.
Der Akku kommt mit „nur“ 3.000 mAh laut Specsheet daher, 220 mAh weniger als bei dem Note 4 also – joa, sollte den Bock nicht fett machen. Zudem ist die QuickCharge Technologie an Bord, sodass mit einem entsprechenden 9V-Ladeadapter der Akku in 30 Minuten auf 50 Prozent gebracht werden kann. Klingt für mich nicht übel, dazu kommen der stromsparendere Prozessor und ein effizienteres Display.
Jetzt zur Software. Man könnte hier 1:1 das zum Galaxy Note 4 auf digitales Papier geschriebene hinpacken. Das lasse ich sein, wer möchte kann sich den Kram in dem anderen Beitrag durchlesen. Interessanter sind die Unterschiede: Durch die „Edge“ gibt es neue Möglichkeiten. Vorab: Die Entwicklerumgebung (SDK) für die Edge wird offen freigegeben. Ähnlich wie etwa bei dem S-Pen können somit auch Dritt-Entwickler die Edge für ihre Apps nutzen. Insofern kommt hier vielleicht noch mehr, sofern das Potential denn auch genutzt wird.
Ohne Apps von Dritten sind die Möglichkeiten welche die Edge bietet eher gering. Man kann das Smartphone zu einem Lineal machen – bei einer sehr dünnen Edge-Seite und keiner Kante bietet sich das natürlich an. Außerdem kann man das Smartphone zur Nachttischuhr umfunktionieren, dann werden auf der Seite der Edge nachts ganz schwach beleuchtete einige einzelne Pixel des Displays aktiviert, um die Uhrzeit anzuzeigen. Das gefiel mir mit am besten an der Edge.
Ansonsten können Informationen wie Twitter oder etwa Yahoo-News dort angezeigt werden, man halt also im Ergebnis in vielen Fällen einfach nur eine vertikale zusätzliche Notificationbar für ausgewählte Apps. Sofern man durch die Edge scrollt, gibt es dort auch eine Leiste mit Schnellzugriffen. Kamera, Telefon und Co können sich schnell hierüber aufrufen lassen. Apropos Kamera: Einhändig Fotos mit dem Samsung Galaxy Note Edge aufnehmen ist durch die Edge ziemlich schwierig geworden. Mit rechts drückt der Handteller irgendwelche Funktionen auf der Edge, mit Links greifen die Finger über den Rand hinaus und landen wieder auf der Edge. Bei Selfies wird das Problem noch verstärkt. Nimmt man Fotos dagegen mit zwei Händen horizontal auf (so wie es am besten ist), hat man in der Edge Auslöser und Einstellmöglichkeiten – das wiederum finde ich gelungen.
Tl;dr – too long, didn’t read – das Fazit:
Das Samsung Galaxy Note Edge kam für mich überraschend. Geredet wird von gebogenen Displays seit Jahren, nun gibt es also auch ein erstes Gerät. Als V1 hat das Samsung Galaxy Note Edge natürlich noch das Problem, dass die Usecases für eine solche Möglichkeit erst noch gefunden werden müssen – das offene SDK ist hierfür sicher der richtige Schritt. Das Smartphone hat einen dicken Wow-Faktor, die Form ist einfach unbekannt und neu. Das Problem für mich: Mit einer Hand komme ich zu häufig auf die Edge, Fotos sind nervig, im Video löse ich versehentlich die Videofunktion aus und wirklich große Anwendungsgebiete sehe ich noch nicht. Schnellzugriffe habe ich global fast überall. Bei Videos wird das Bild leider nicht auf die Edge ausgedehnt, schade, damit würde es dreidimensional wirken und Notifications sind bei Videos eher störend. Wenigstens die Option zum temporären Ausschalten der Edge hätte ich gerne. Kurz: Noch ist es für mich eher Spielerei als wirklich im Alltag praktisches Feature – sofern man das Fazit nach 15 Minuten mit dem Gerät tatsächlich schon so abgeben kann.