Samsung bringt viele Smartphones und Tablets – riskant, aber möglicherweise richtig.

Samsung fährt derzeit große Geschütze auf, zum MWC rechnen wir mit zahlreichen Smartphones und Tablets, die zum Teil schon angekündigt worden, zum Teil noch ausstehen. Mit diesen Geräten ergibt sich ein Problem: teilweise unterscheiden sie sich kaum von vorherigen Modellen und verwirren damit teilweise den Nutzer – einige spotten bereits, dass Samsung nun den Fehler mache, den HTC im letzten Jahr gemacht habe:

Die obige Grafik habe ich von den Jungs von galaxytab8910.com und sie zeigt bestens das Problem: drei Tablets, ganz links das erste Galaxy Tab, in der Mitte das Galaxy Tab 7.0 Plus N und rechts das Galaxy Tab 2. Jetzt stellt euch die drei Dinger im Geschäft einmal nebeneinander vor – da blickt doch keiner durch. Klar, wenn man sich mit der Materie beschäftigt, dann fällt das Unterscheiden nicht so schwer, aber so intensiv beschäftigt sich nur ein kleiner Bruchteil der potentiellen Kunden mit den Tablets. Ähnlich sieht die Situation bei Smartphones aus, wer könnte mir ohne Vergleichstabelle und ohne Google-Suche die Unterschiede zwischen Galaxy S2, Galaxy R und Galaxy Ace 2 aufzählen? Oder zwischen Galaxy S, Galaxy S Plus und Galaxy Ace? Das letztere mag zwar einfacher sein und auch hier gilt wieder, dass für denjenigen, der sich mit der Materie beschäftigt die Unterscheidung leicht fällt – aber der Laie steht hier vor Problemen!

Insofern liegt der spöttische Vergleich mit HTC, die im letzten Jahr ein Smartphone nach dem anderen präsentiert haben, wo aber sogar ich als nicht ganz fachferner Blogger keinen Durchblick mehr hatte, nahe. Allerdings sieht die Sache bei Samsung noch ein wenig anders aus: noch mehr Namen, noch mehr Abstufungen und ein großes Problem: die Neuerscheinungen ähneln nicht selten den vorherigen Modellen der nächsthöheren Geräteklasse bei Samsung.

Damit wird es Samsung unglaublich schwer, ein anderes Gerät als ein Flaggschiff wie das kommende Galaxy S3 oder herausstechende Geräte wie das Galaxy Note erfolgreich gezielt zu bewerben. Allerdings dürfte sich der Werbeerfolg der Spitzenmodelle auch auf die „kleineren“ Modelle durch den Namen der Galaxy-Reihe auswirken… leider nicht immer erfolgreich und manchmal mit abstrusen Ergebnissen: der Preis wird über die Nachfrage geregelt und so war lange Zeit (und immer noch) das Galaxy S beispielsweise teurer als das (neuere und technisch überlegene) Galaxy S Plus. Bei den Tablets ist die Lage nicht ganz so tragisch, hier hat man weniger Modelle im Angebot: Galaxy Tab 7, 7 Plus (N), 2, 7.7, 8.9 und 10.1(N) – wobei die „N“-Modelle ein deutsches Phänomen sind, außerdem würde ich das erste Galaxy Tab aus der Liste nehmen, da es kaum noch im Handel erhältlich ist. Bleiben also bald noch 5 Modelle, sofern Samsung nicht noch etwas neues in den nächsten Wochen präsentieren wird.

Aus dem Grund schätze ich die Probleme bei den Tablets noch geringer ein (was angesichts der Grafik oben schon fast traurig ist), da man hier noch halbwegs leicht anhand der Größe unterscheiden kann. Bei Smartphones…

Das Problem ist also klar und das Risiko, den Kunden zu verunsichern, groß – warum also bringt Samsung so viele Smartphones? Es sind zwar viele Smartphones, allerdings folgt man hier mehr oder weniger stringent einem klaren Schema, nach einem Jahr die neue Version, Ausreisser gibt es immer. Diese Strategie hat allerdings zur Folge, dass man in den Medien immer präsent ist mit neuen Geräten, dazu noch der positive Zugeffekt von Flaggschiffen – die Smartphones verkaufen sich wie warme Semmeln. In den Verkaufszahlen gibt der Erfolg Samsung also Recht, das Problem ist die Kundenmeinung und hier lauert ein großes Risiko: durch die fast fließende Abstufung fehlen einigen Geräten Features, die man vielleicht erwartet hätte, hier kann man enttäuscht werden. Noch größer ist das Problem bei dem Support der Produkte: wenn Samsung derart viele Geräte auf den Markt bringt, dann muss für jedes (über einen gewissen Zeitraum) ein qualitativ gleichwertiger Support hinsichtlich von Updates ermöglicht werden.

Wenn Samsung diese Notwendigkeit allerdings umsetzt, dann hat man eine sehr breite, sehr aktuelle Produktpalette und kann dem Kunden die Qual der Wahl zusätzlich durch eine noch klarere Namensgebung erleichtern. Vor einiger Zeit hatte man Y, M, W, R und S eingeführt – wie aber soll der Verbraucher das System verstehen, wenn Samsung es selber nicht umsetzt (Beispiel Ace 2 oder mini 2)? Man möchte von dem Namen und Ruf der vorherigen Geräte-Generation bei den neuen Auflagen profitieren, übersieht aber dabei leider die Irritation des Kunden oder kalkuliert diese ein.

Die Probleme sind klar, die Lösungen liegen nahe – wenn Samsung diese Chance nutzt, kann man der Konkurrenz noch weiter enteilen, als man das ohnehin schon geschafft hat …

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