Samsung – auf der Suche nach Emotionen und dem perfekten Design

Die Nachrichtenagentur Reuters war im Samsung HQ in Südkorea zu Besuch und hat dort mit dem Vize-Präsident für Design Lee Minhyouk geredet und einige schöne Einblicke bekommen:

Denkt man zurück an die Anfänge von Smartphones bei Samsung, kommt man zum Samsung Omnia – Windows 6.5 an Bord und wenn ich mich recht erinner‘ ein resistiver Bildschirm. Ein extrem wichtiges Smartphone für Samsung, schnell auf den Markt gebracht um Apples iPhone Konkurrenz zu machen, musste man doch 2010 ziemlich schnell einen großes Stück des Gewinnkuchens an Apple abgeben. J.K. Shin, Präsident von Samsung Mobile wird später diese Phase als ernst zunehmende Krise bezeichnen….

Grund für das Problem war die Strategie von Samsung – schnell eine Kopie auf den Markt bringen, wenn ein erfolgreiches neues Produkt den Markt erobert. Inzwischen ist diese Strategie passé, Samsung ist für Innovationen bekannt und führt mit über 44 Millionen verkauften Galaxy-Smartphones die weltweite Rangliste an.

Grund für diese Wandlung ist die Wandlung in der Strategie. Christian Lindholm, Chef für Innovationen in einer finnischen Beratungsfirma von Samsung vergleich Samsung ziemlich treffend mit einem großen Seifenhersteller. Seife tut ihren Job, sie macht sauber. Aber sie schafft nicht das, was Parfüm vermag – Emotionen und Gedanken zu vermitteln. Samsung geht gerade diesen Schritt: weg von Seife hin zu Parfüm. Doch sie müssen sich dabei beeilen, die Chinesen (Beispiel Huawei) lernen gerade wahnsinnig schnell Smartphones (=Seife) herzustellen, sich mit denen zu Messen dürfte mittelfristig schwer werden, also muss Samsung mit Smartphones Emotionen, Leidenschaft und Lifestyle verkaufen!

Lee, intern „Midas“ für seinen goldenen Griff mit den Galaxy Smartphones genannt schafft diesen Schritt, Samsung schickt in rund um die Welt, nach Brasilien zu den Iguazu Wasserfällen und nach Cusco in Peru – bekannt durch die Nähe zur legendären Inkastadt Machu Pichu! Alles um Inspiration zu sammeln und das Parfüm, also emotionale Smartphones, zu entwickeln.

Dabei hat Lee einen wahnsinnig großen Vorteil: man hat alles nur erdenkliche zur Entwicklung in einem Haus. Oder zumindest in einem Betrieb. Ein Prototyp lässt sich unglaublich schnell fertigstellen, keine andere Firma weltweit kann auf ein derart großes Repertoire von eigenen Einzelteilen zurückgreifen! Man kommt zwar nicht an die Leichtigkeit von Apple in der Designabteilung heran – aber man ist auf einem guten, sogar sehr guten Weg.

„I’ve made thousands of sketches and hundreds of prototype products (for the Galaxy). Does that mean I was putting on a mock show for so long, pretending to be designing?“

Apple vs Samsung, den erst durch Designrechte so bekannt gewordenen Kampf, nimmt Lee dagegen persönlich. Tausende Zeichnungen, hunderte Prototypen – all dies zeigt, dass man mit Samsungs Galaxy Reihe etwas eigenes geschaffen hat, keine reine Kopie.

„As a designer, my job is to blend new functions and technology with aesthetic beauty, as far as possible.“

Geräte wie das Samsung Galaxy Note zeigen dies mehr als deutlich, Samsung ist längst nicht mehr nur der Kopierer der Technik von anderen, sondern Vorreiter, Innovationsgeber. Dabei kann es auch dazugehören, viele verschiedene Geräte auf den Markt zu bringen – doch auch hierin sieht Lee keinen Nachteil. Man muss ausprobieren, was der Markt möchte. Das Galaxy Note ist hier ein gutes Beispiel, wie erfolgreich dieses Testen sein kann. Über zwei Millionen Verkäufe bei einem Gerät über das alle gezweifelt haben.

Und die Innovationen zahlen sich aus, Rekordgewinne in der Smartphone-Branche und mehr als 5.000 registrierte Patente im letzten Jahr sprechen für sich. Doch Lee träumt von etwas anderem:

„I’m confident that one day Samsung will make a product that defines our time, and I hope it’s one of mine.“

Ein Produkt, dass sinnbildlich für eine Zeit steht – das iPhone hat es vorgemacht – nichts anderes ist das Ziel von Lee. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und ob oder vielmehr wann Lee mit Samsung dieses Ziel erreicht!

Quelle: Reuters via Phandroid

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