Spracherkennung bei SmartTVs: Überraschung – kein selektives Hinhören möglich

Datenschutz ist eine Notwendigkeit, deren Tragweite noch immer nicht wirklich von der Allgemeinheit erfasst wird. Spätestens seit dem Volkszählungsurteil des BVerfG sollte klar sein, dass es keine belanglosen Daten gibt und angesichts der Erfassung von personenbezogenen Daten in jedem Lebensbereich und der Verknüpfungsmöglichkeit durch Behörden, die darauf Zugriff haben, muss man das Bewusstsein eigentlich noch mehr auf die Relevanz des Datenschutzes lenken.

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In Deutschland war man in den letzten Jahrzehnten einen sehr weiten Grundrechtsschutz gewöhnt, der unter Missachtung des G10-Gesetzes durch Rückfragen deutscher Behörden etwa an NSA und GCHQ derzeit offenbar dreist unterlaufen wird. Insofern finde ich etwa die Internetseite netzpolitik.org herausragend und absolut empfehlenswert bei solchen Themen. Heute meldet Markus Beckedahl mit Verweis auf Martin Giesler, dass Samsung in den Nutzungsbedingungen zu aktuellen SmartTVs davor “warnt”, dass man nichts Privates vor dem heimischen SmartTV erzählen soll – und hier bin ich mit netzpolitik nicht ganz d’accord.

Den heimischen Samsung F7090 habe ich mal eingeschaltet und mich durch die EULA durchgeklickt, was gar nicht so einfach war. Tatsächlich hatte ich die Spracherkennung deaktiviert und auch die Kamera im Gerät versenkt, sodass auch eine Gestensteuerung nicht möglich ist. Dann kann man die Datenschutzerklärung zu den Spracherkennungsdiensten aber nicht lesen, also habe ich diese kurzzeitig aktiviert und den – deutschsprachigen Teil – der EULA mal oben eingefügt, die kompletten Bedingungen finden sich am Ende des Beitrags. Kern der Verwunderung von Martin Giesler und auch netzpolitik.org scheint der zu sein, dass auch persönliche und sensitive Informationen erfasst und auch aufgezeichnet werden. Den deutschen Wortlaut sieht man oben, der englische Wortlaut lautet:

Part of the Samsung Smarttv EULA: “Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party through your use of Voice Recognition.”

This is part of their speech-recognition tech, which uses third parties (whose privacy policies Samsung doesn’t make any representations about) to turn your words into text.

Samsung zeichnet alle Sprachdaten auf die im Rahmen der Spracherkennung erfasst werden und kann diese auch auf eigenen Systemen speichern. Dies klingt sehr weit und ist es auch, allerdings lässt sich über die Spracherkennung auch der TV einschalten – es muss also auch im Standby Audiodaten erfassen und “erkennen”, außerdem muss erst einmal alles erfasst werden um dann zu erkennen, welche Sprachdaten für die Audioerkennung von Relevanz sind. Daten die nicht von Relevanz sind, möchte ich als Nutzer natürlich nicht erfasst sehen, allerdings muss Samsung und jeder andere Sprachdienst diese erfassen, um überhaupt filtern zu können. Das Aufzeichnen wiederum ist ein bequemer Weg, das Programm und die Spracherkennung als solche wieder zu verbessern – und außerdem eine sehr große Datenmenge, die verknüpft mit den anderen personenbezogenen Daten deren Erhebung man meistens ohne zu lesen bei Einrichtung des Gerätes zugestimmt hat, ein gewisses Potential hat. Auf dem SmartTV lässt sich die Spracherkennung ausschalten, zusätzlich muss man überhaupt diese Option für das System deaktivieren, wenn auch das Mikrofon an der Fernbedienung ebenfalls nicht mehr zur Spracherkennung genutzt werden soll. Hier die kompletten Bedingungen und zudem der Menü-Punkt zum Deaktivieren der Funktion.

Einen Umstand möchte ich zudem auch noch anmerken: Nuance, die Software auf die unter anderem auch Apples Siri meines Wissens nach zugreift (bitte korrigieren falls so nicht richtig), hat ganz ähnliche Bedingungen auf meinem Samsung SmartTV: Spracherkennungsdaten, Gesammelte Daten und Nutzerdaten werden ab nach Irland geschickt (Erläuterung der jeweiligen Daten in den Bildern):

Fazit: Wenn ich Spracherkennung nutze, läuft die Nummer über Server, die häufig im Ausland stehen und zudem werden diese Daten auch häufig aufgezeichnet. Dass dies beim Fernseher nicht anders ist, ist eigentlich nicht verwunderlich, aber Nutzer nehmen so etwas häufig bei unterschiedlichen Geräten anders auf. Beispiel gefällig? Viele Laptop-Kameras sind abgeklebt, das Smartphone kommt aber ohne Kleber auf der Linse mit ins Badezimmer. Der Fernseher soll nicht mithören, aber “Ok Google” und “Hey Siri” sind praktische Möglichkeiten. Meine Tastatur soll bitte meine Vertipper korrigieren, aber dass damit alles was ich tippe häufig im Ausland gespeichert wird, wird von vielen nicht bedacht. Der Komfort “kostet” euch in vielen Fällen eure Daten. Daher nochmal der Hinweis auf netzpolitik.org, was Markus Beckedahl dort macht finde ich wichtig – das Bewusstsein auch für solche Umstände zu schaffen. Nur “warnt” Samsung hier meiner Meinung nach nicht vor privater Kommunikation vor dem Fernseher, sondern sagt eigentlich “nur”, dass man das selektive Hinhören noch nicht realisiert hat. Samsung zählt die erfassten Daten differenzierter auf und wird dafür kritisiert. Schon komisch.

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