Samsung Galaxy View im Test: Mobile Mediastation mit ungewohnten Maßen

Mit dem Galaxy View hat Samsung vor geraumer Zeit ein Tablet ohne Gleichen vorgestellt. Mit 18,4 Zoll Displaydiagonale gibt es eigentlich kein Android-Tablet im Consumer Bereich das auch nur annähernd dann die Größe drankommt. Samsungs Ambition bei diesem Gerät ist eine Art mobiler Smart-TV. Ob man es geschafft hat oder nicht erfahrt ihr im folgenden Test.

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Empfangen habe ich das Gerät von Lars mit den Worten: „Kannste gerne mitnehmen und was zu schreiben. Ich glaube mein Fazit wäre zu fies, ich kann damit nichts anfangen.“ Alles klar, lasse ich mir nicht zwei mal anbieten. Ich fand das Gerät schon bei der Ankündigung ganz interessant. Nicht, dass ich ständig Campen wäre und deswegen mobile Unterhaltung brauche – eher habe ich es mir als second Screen für den Schreibtisch vorgestellt.

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Allem voran aber die wichtigen Sachen an denen man den Kauf primär festmacht: Spezifikationen. Das 18,4 Zoll große Display wird von einem 451,8 mm x 275,8 mm x 11,9 mm großen Gehäuse aus Plastik einfasst und bietet bei einem Kampfgewicht von 2,65 Kilogramm folgende Hardware:

  • Auflösung: 1.920 x 1.080 Pixel
  • Displayart: TFT mit 16 Millionen Farben
  • OS: Android 5.1.1. Updates werden wahrscheinlich noch folgen
  • CPU: Exynos 7580 Octa (bis zu 1,6 GHz)
  • RAM: 2 GB
  • Sound: Stereo, rückseitig angebracht
  • Kamera: Nur Front. 2,1 MP für Fotos, Videos maximal FullHD mit 30 Bildern pro Sekunde
  • Anschlüsse: Micro USB 2.0, 3,5 mm Klinke und proprietärer Ladeanschluss (keine USB Ladung möglich), MicroSD Slot und je nach Version auch Nano SIM Slot (LTE)
  • Akku: 5.700 mAh (64Wh)

Hier stoßen wir auch schon auf den ersten Nachteil: Eine Ladung über USB ist strikt nicht möglich. Natürlich würde das bei einem Akku-Monster wie diesem gefühlte Ewigkeiten dauern und bei eingeschaltetem Gerät effektiv auch keine Ladung aufbauen können – aber warum sagt ihr strikt nein? Leider hatte ich das Ladekabel bei Lars vergessen und hatte dementsprechend zwei Wochen lang nicht mehr als einen riesigen, weißen Briefbeschwerer zuhause stehen.

Aber gut, das muss ich wohl auf meine Kappe nehmen. Beim nächsten mal frage ich einfach auch gezielt nach etwaigen Ladeutensilien. Richtig anfangen möchte ich natürlich erst mal bei den Dingen die wichtig sind: Display und Spiele.

Das Display

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… setzt auf die von mir am unliebsten gesehene TFT Technologie. Sowohl Farben als auch Blickwinkel können mit den LCDs und AMOLEDs von heute einfach nicht mithalten – lange nicht. Nicht dass es schrecklich wäre, es ist aber einfach nicht so gut wie man es hätte machen können. Ein Tablet, auch ein 18,4″ großes, benutze ich gerne auf der Couch und im Bett. Dort befindet sich das Gerät nun mal recht nahe am Gesicht, daher kann das Display nicht jeden Winkel optimal ausleuchten.

Das Ergebnis sind nach außen hin zu hohe oder zu niedrige Helligkeitswerte sowie zu starke/schwache Kontraste. Unschön und als AMOLED Nutzer seit 2011 eine Sache die man einfach nicht mehr kennt. Nutzt man das Gerät aber aus einer gewissen Entfernung, etwa stehend auf dem Schreibtisch während man von Stuhl aus auf das Gerät guckt, gibt es keinerlei Probleme. Legt man das gerät aber hin verwaschen die Farben.

Zudem hat man sich in Sachen Anti-Fingerabdruck keinerlei Gedanken gemacht. 18,4″ lassen sehr viel Spielraum für minimale Fettspuren von Fingerkuppen. Das Säubern dann im Nachhinein erweist sich auch nicht als kurze Aufgabe – wenn man sich denn schon dran setzt soll es ja auch komplett sauber sein. Trotzdem macht man es immer wieder gerne, denn Android auf 18,4″ macht Spaß.

Es wird gezockt

Natürlich lädt das Display auch zum ausgiebigen Zocken ein. Leider hat Samsung hier ein günstiges aber verdammt wichtiges Bauteil „vergessen“: Der Beschleunigsungssensor. Das Bauteil das eurem Smartphone sagt, ob es den Inhalt im Portrait oder Landscape Modus anzeigen soll. Das Bauteil, dass dem Autorennspiel sagt ob ihr das Gerät nach links oder rechts schwenkt. Natürlich lassen es weder Form noch Größe zu das Gerät länger entspannt im Portrait Modus zu nutzen, aber warum verbietet ihr es mir gänzlich?

Ergänzend zum fehlenden Beschleunigungssensor hat Samsung nämlich auch den kompletten Portrait Modus aus dem Gerät gestrichen. Ihr könnt keine Inhalte hochkant darstellen. Startet ihr etwa eine App die ausschließlich hochkant genutzt werden kann, stellt das Galaxy View diese trotzdem im Landscape Modus dar und beschneidet das Display einfach um je ein (geschätztes) Drittel links und rechts. Auch mit Apps (ohne Root) lässt sich da nichts dran ändern. Im Endeffekt sieht das dann so aus:

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Ja, die schwarzen Ränder werden tatsächlich so dargstellt

Was die Steuerung von Spielen angeht hat Samsung aber etwas mitgedacht: Über die S-Console App lässt sich euer Smartphone per Bluetooth einfach in eine Art Controller für das Galaxy View umbauen. Hier kann dann auch die Bewegungssteuerung genutzt werden. Hier und da sorgt das aber wiederum für andere Probleme: Das System hat als Steuerungsstandard einen externen Controller im Kopf. Bei Asphalt 8 etwa sorgt das dafür, dass ich das Spiel auch nicht per On-Screen Tasten spielen kann. Das Spiel gibt mir einfach keine Option, schließlich denkt es ja es sei ein Controller angeschlossen.

Spieletechnisch bietet das Galaxy View also harte, nicht Spiel zerstörende, Stolpersteine. Da ich aber eigentlich nur „Vainglory“ (IGN übrigens „Dustin66“, nur mal so am Rande) spiele, habe ich zum Glück fast nie was mitbekommen. Läuft standardmäßig im Landscape Modus und bietet keine Unterstützung für Controller an – manchmal ist weniger halt mehr. Zudem ist das große Display förderlich für die Übersicht. Für solche Spiele also das beinahe perfekte Tablet.

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Leistungstechnisch muss man hier auf nicht viel verzichten. Zu Anfang habe ich die Leistung des Tablets mal in den Energiesparmodus geschickt und bei Vainglory die Grafik auf maximal gestellt. Adé 30 Frames pro Sekunde. Aber gut, Energiesparmodus und maximale Grafik sind nun mal ein klarer Widerspruch. Ohne Energiesparmodus war die erhöhte Anforderung dann kein Problem mehr. Bisher konnte ich spieletechnisch keine Defizite entdecken.

Filme und Serien schauen

Funktioniert auf dem Galaxy View selbstverständlich sehr gut. Entweder lädt man sich die Filme zuhause per W-Lan oder USB auf den 32 GB großen internen Speicher oder die MicroSD Karte – oder man streamt sie mobil per LTE. Moment, nein. Zwar gibt es eine Aussparung die offensichtlich für eine SIM Karte gedacht ist, leider ist diese aber tot. Zumindest in Deutschland wird es vorerst wohl keine Version mit LTE geben. Ein weiteres Feature das meiner Meinung nicht fehlen dürfte – besonders weil man das Galaxy View öffentlich auch als Skype-Kommunikationsstation bewirbt, mit einem Foto einer Gruppe auf dem Campingplatz.

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Ausschnitt aus dem Amazon Angebot

Naja, so ist man immerhin zu einem geringeren Akkuverbrauch gezwungen. Die Werksangaben sprechen von acht Stunden Entertainment mit einer Ladung. Habe ich nicht exakt nachgemessen, gefühlt passt das aber. Bei mittlerer Helligkeit erreiche ich beim zocken wohl keine acht Stunden, es geht aber in die Richtung (außerdem wird mit „Entertainment“ auch nicht zocken gemeint sein).

Dank der Wahl des Betriebssystems kann man, anders als bei Windows, auch bei Amazon Filme und Serien zuhause downloaden und diese dann etwa auf der langen Zugfahrt ohne Netzanbindung genießen. Für Transportmittel mit kleineren Ablageflächen, etwa Flugzeuge oder nicht-ICE Züge, könnte es aber zu Problemen kommen. Durch die großen Maße und den auf zwei Winkel beschränkte Standfuß kann das „genießen“ schnell ungenießbar werden – hier kommt das TFT wieder zum Vorschein.

Der absolute Spaßkiller ist aber die fehlerhafte Software. Fragt mich nicht warum aber das Galaxy View ist das erste Gerät das keine dauerhafte Videoperformance leisten kann. Zwischendurch bleibt das Bild nämlich einfach hängen – während der Ton weiter läuft. Twitch, YouTube und Facebook bieten alle dasselbe Problem, bei Amazon ist mir das noch nicht passiert. Spult man vor oder zurück funktioniert es wieder – für zwei Sekunden. Einen fix gibt es dafür also nicht. Entweder fängt sich das Tablet nach ein paar Minuten wieder oder ihr legt das Gerät genervt zur Seite.

Der Standfuß

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Ist an sich gut, leidet aber unter der Software und sonstiger Hardware. Per se bietet der aus Plastik gefertigte Standfuß zwei Winkel. Der eine zum liegen mit leichter Neigung Richtung Gesicht und der andere zum stehen mit leichter Neigung nach oben. Die horizontalen Enden sind auf Seiten des eigentlichen Tablets jeweils mit Magneten gesichert sodass selbst ein später vielleicht ausgeleierter Standfuß immer noch standhaft bleiben kann.

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Der Standfuß kann aber noch mehr als nur stehen oder liegen. So bietet dieser am oberen Ende eine gut 12,3 cm x 3,2 cm große, abgerundete Aussparung um einen einfachen Transport zu ermöglichen. Zudem reflektiert das leicht nach innen gewölbte Plastik den Output der nach hinten ausgerichteten Lautsprecher wunderbar wieder nach vorne sodass man bei Spielen anhand des Sounds auch gut zwischen links und rechts unterscheiden kann.

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Hier ist der Fuß in der stehenden Ausrichtung

Jetzt die Macken die ich Anfangs angesprochen habe. Aufgrund des fehlenden Beschleunigungssensors kann man das Tablet nicht um 180 Grad drehen. Also man kann es schon, die Anzeige dreht sich dann aber nicht mit. Somit verliert man hier zwei weitere, praktisch sogar vorhandene, Winkel zum aufstellen. Der einzige Nachteil am Standfuß selbst ist für mich wohl die Fertigung an sich: Plastik, in Rauten. Optisch ok, haptisch nicht. Es lässt sich leicht verbiegen und wirkt nicht sonderlich stabil. Es lässt sich zwar selbst unter Krafteinwirkung nicht zerbrechen – verbiegen ist trotzdem sehr einfach.

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Bastelfans können den Standfuß übrigens auch gänzlich entfernen. Dieser ist an den Kontaktpunkten zum Tablet jeweils nur mit einem einfachen – aber sehr stabilen – Verschluss gesichert. Mit einem länglichen, dünnen Gegenstand (in meinem Fall ein dünner Schraubendreher) lässt sich der Verschluss lösen und die Rückseite ohne Knarzen oder ähnliches entfernen. Bringt nicht viel, theoretisch könnte man so aber auch andere Rückseiten für Wandhalterungen oder ähnliches anbringen, wenn Samsung so etwas anbieten würde.

Fazit

What. The. Hell. Es ist verdammt cool, aber auch absolut uncool weil es so undurchdacht bzw. zu sehr durchdacht ist. 18,4″ für ein Tablet killen fast sämtliche mobilen Aspekte die ein Tablet eigentlich mit sich bringt, für zuhause ist es aber super genial. Naja, „wäre“ passt besser. Das Display macht keinen Spaß und der fehlende Beschleunigungssensor nervt um ein vieles mehr als ich es mir jemals hätte denken können.

Samsung Galaxy View kaufen

Der Rückversand wird sich also recht „unemotional“ gestalten. Es ist eine sehr coole Entertainmentstation, bietet aber auch eine Menge Schwächen die man einfach hätte ausmerzen können. Schade, aber mit diesem Preisschild wird das nichts mit uns. Solltet ihr trotzdem Interesse an dem Gerät haben, könnt ihr das Gerät gerne für 650 Euro über unseren Amazon-Affiliatelink kaufen. Dadurch erhalten wir eine kleine Provision, der Kaufpreis bleibt der gleiche.

Empfehlung: Samsung Galaxy View

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