Haftbefehl für Samsung-Vize beantragt – Muss der Erbe wegen Korruption ins Gefängnis?

Für Samsung kommt es derzeit dicke: in der seit Monaten schwelenden Korruptionsaffäre wurde der Vize-Vorsitzende von Samsung Electronics, Lee Jae Yong, am Freitag verhört. Ob ein Haftbefehl darauf folgen würde ließ die Staatsanwaltschaft zunächst offen, beantragte diesen aber nun.

Das Samsung-Schild vor der Unternehmenszentrale in Seoul

Das ist besonders heikel, da Lee als Enkel des Samsung-Gründers nicht nur Vize von Samsung Electronics ist, sondern als Nachfolger für das komplette Samsung-Chaebol für seinen schwer erkrankten Vater Lee Kun-hee gehandelt wird. Nun stellt sich die Frage, ob der Samsung-Erbe wegen dem südkoreanischen Korruptionsskandal ins Gefängnis muss.

Der Haftbefehl wurde von der Staatsanwaltschaft beim Gericht nun nach einer vorangegangenen 22-stündigen Befragung Lees am Freitag gestellt. Der Sonderermittler hatte für den Haftbefehl auch den Einfluss auf Südkoreas Wirtschaft zu beurteilen: Samsung ist für rund ein Fünftel des Inlandsproduktes zuständig. Über den Antrag muss nun am Mittwoch das zuständige Gericht entscheiden – dann erst steht fest, ob der Samsung-Erbe wegen Korruption in das Gefängnis muss. Die Korruption dreht sich hierbei um Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye. Deren langjährige Vertraute Choi Soon Sil hatte über Jahre angeblich ihre Beziehungen zur Präsidentin genutzt, um Spenden für ihre Stiftung und ihre Tochter zu sammeln, die bereits vor einigen Wochen in Dänemark wegen der Korruptionsaffäre verhaftet wurde.

Samsung gehört zu den größten Geldgebern der Stiftung Chois und soll auch die Reitausbildung der Tochter Chois in Deutschland finanziert haben. Choi wird wiederum vorgeworfen, ihren Einfluss auf Park ausgenutzt zu haben. So soll Park etwa auf das Parlament eingewirkt haben, um eine Übernahme des Bauunternehmens Samsung C&T durch Cheil Industries im Jahr 2015 bewilligen zu lassen. Samsungs Vertreter wiederum argumentierten, dass man für die Spenden an Choi keinerlei Gegenleistung erhalten habe, weshalb es sich nicht um Bestechung handele. Südkoreas Präsidentin steht vor der Amtsenthebung, der de facto Chef des größten Unternehmens des Landes vor der Verhaftung – in Südkorea rumort es gerade heftig.

via Spiegel Online