Samsung SUHD TV KS9590 im Test: Gebogener Heimkinotraum?

Testberichte zu Fernsehern waren bei uns bisher eher Fehlanzeige. Der Grund dafür ist einfach: Nach dem Test muss das Gerät zurück und das kann schmerzen. Bei dem UE65KS9590 konnte ich aber nicht nein sagen. Ob Samsungs SUHD-Flaggschiff etwas taugt und ob der Abschied schwerfällt? Zeit für einen Testbericht.

Dabei bin ich sicher kein Bild-fetischist, habe nie meinen TV großartig selber kalibriert und habe nicht einmal HDplus abonniert (60 Euro im Jahr für Werbung in HD? LOL). Trotzdem suchte ich mit Netflix und Amazon Video und Telekom Entertain schon einige Stündchen die Woche vor der Flimmerkiste. Für den Test werde ich zwischendurch einige der Begriffe erklären, diese musste ich selber erst lernen, ist aber interessant und wichtig um die Bildqualität zu beurteilen, ich versuche es trotzdem verständlich rüber zu bringen 😉 und dafür habt ihr am Ende einen ziemlich guten Durchblick was Fernseher angeht.

Das Samsung KS9590 Datenblatt

Beim Datenblatt muss man beachten, dass Samsung viele Details wie native Hertzrate des Panels oder den genauen Prozessor zu den eigenen Fernsehern schlicht nicht mehr nennt. Hier eine Auswahl der (für mich) relevanten Spezifikationen.

  • 65 Zoll SUHD Quantum Dot Display mit Ultra Clear Ultimate Panel, 3840×2160 Pixeln und 10-Bit Unterstützung
  • PQI (Samsung Picture Quality Index): 2700
  • HDR 1000
  • Ultra Black
  • Supreme UHD Dimming
  • Precision Black Pro
  • Peak Illuminator Ultimate
  • Digitaler Fernsehempfang (DVB): 2x DVB-C/S2/T2 HD mit HEVC-Unterstützung
  • Dolby Digital Plus & DTS Codec
  • 60 Watt (RMS) 4.2 Kanal (Front Firing)
  • One Connect Box mit 4xHDMI, 3xUSB, keinem Komponenteneingang (Y/Pb/Pr), Netzwerkanschluss (LAN), Digital-Audioausgang (optisch), 3xAntenneneingang, CI+-Slot: 1, HDMI-ARC (Audio Return Channel) und HDMI Quick Switch, WLAN integriert, Anynet+ (HDMI-CEC).
  • Maße ohne Fuß (mm): 1441,6 x 833,0 x 115,9 bei 28,2 Kg; Maße mit Fuß (mm): 1441,6 x 915,3 x 366,1  bei 31,3 Kg

Lieferumfang und Unboxing

Videolink

Design

Ein TV muss auch gut aussehen. Schließlich steht das Gerät die meiste Zeit nicht eingeschaltet und dennoch prominent platziert in den meisten heimischen vier Wänden. Der Samsung KS9590 fällt auf der Front durch sein, 163cm in der Diagonale messendes, gebogenes Display auf. Der Rahmen darum fällt sehr dünn aus und ist aus Metall. Ganz weg fällt er nicht, sieht aber dafür gut aus. Der Standfuß ist aus Metall und wirkt sehr dezent für einen derart großen Fernseher. Er ist starr an der Rückseite befestigt, ein perfekt ausgerichteter Untergrund ist also Pflicht. Wer mag kann auf VESA-Halterungen zurückgreifen. Für mich kritisch: Mit 36,6 Zentimetern ist der Standfuß relativ tief, hinter die Glasscheibe meines Fernsehschranks konnte ich den KS9590 damit nicht mehr stellen.

Ohnehin gehört der KS9590 eigentlich mitten in einen Raum, sodass man auch die gelungene Rückseite sehen kann. Der Fernseher will mit gebogener Eleganz wahrgenommen werden und zeigt eine hochwertig verarbeitete Rückseite.

Kabel auf der Rückseite spart man sich fast: Das Stromkabel und das Kabel zur One Connect Box müssen angeschlossen werden, alles Weitere wird nur an die One Connect Box gepackt. Das Stromkabel könnte man meiner Meinung nach mit dem Kabel für die One Connect Box vereinen, dann würde sogar nur noch ein Kabel den Eindruck leicht trüben.

Auffällig ist, wie dünn Samsung den KS9590 an den Seiten gestaltet hat. So dünn wie eine DVD-Hülle macht der KS9590 an den Seiten eine schlanke Figur. In der Mitte ist er dicker – was man durch die Wölbung jedoch nicht sieht. Samsung stellt hier ein tolles, elegant-schlichtes Design vor die Augen.

Der Fokus liegt auf dem Bild, der Rest ist Understatement. Einzig die glänzende Oberfläche in Klavierlack-Optik auf dem obersten Teil der Rückseite ist kritikwürdig, hier sammelt sich Staub am ehesten, warum dann auf einer empfindlichen Hochglanz-Oberfläche?

One Connect, Smart Remote und die Software des Samsung KS9590

Samsung setzt auf eine Box für alles. Die One Connect Box kommt ohne Lüfter und bietet zahlreiche Anschlüsse. Zum Fernseher geht dann wie gesagt nur noch das Strom- und One-Connect-Kabel. Blöd: Ich wollte für eine Party meine Wii ausgraben und Mario Kart starten – Pustekuchen, analoge Anschlüsse spart sich Samsung nun komplett. Einen Adapter wollte ich mir nicht holen. Ansonsten ist die One-Connect aber sehr gelungen und nun auch lüfterlos und somit komplett leise (wie der TV übrigens auch). Was jetzt genau in der One Connect werkelt? Auch da ist Samsung wieder ruhig und sagt dazu nichts, es dürfte wohl wieder ein Exynos-Octa-Core SoC mit gewaltig Power sein.

Dieser befeuert auf dem KS9590 Tizen 2.0 als Betriebssystem, angepasst auf den Fernseher und mit dem neuen SmartHub aufgehübscht. Und wie. Alles läuft flüssig, ist äußerst durchdacht aufgebaut und sieht dabei schick aus.

Der Star ist aber neben der Oberfläche eigentlich die Fernbedienung. Ein Wort, welches mit schwarzen Plastikmonstern assoziiert wird, bei Samsung aber erstaunlich klein und handlich geworden ist. Mein erster Eindruck war, dass Samsung es nun übertreibt und ich im Alltag auf die herkömmliche Fernbedienung Samsungs zurückwechseln würde. Allerdings liegt eine solche gar nicht bei. Insofern musste ich mich wohl oder übel auf die Fernbedienung einlassen und nach wenigen Minuten kommt man perfekt damit zurecht. Nach nun einigen Wochen der Nutzung will ich nicht mehr ohne – ich schätze neben dem tollen Bild werde ich die Fernbedienung am meisten vermissen. Was Samsung hier gelungen ist verdient Applaus. Ich hatte vor einigen Monaten bereits die Gelegenheit die Fernbedienung mit einem umfangreichen Entertainment-Lineup auszuprobieren und diese Einfachheit werde ich am meisten vermissen. Hierzu das folgende Video, was inzwischen über 70.000 Mal geklickt wurde:
Videolink

Kurz: Samsung lässt den KS9590 über Anynet+ (HDMI-CEC) erkennen, was angeschlossen ist und dann per Bluetooth die entsprechenden IR-Codes auf die Fernbedienung laden oder die Smart Remote das Gerät anderweitig bedienen. Klingt simpel, kannte ich so gut gelöst vorher nicht. Im Wohnzimmer die paar Geräte angeschlossen die ich nutze, Telekom Entertain Receiver, Samsung Blu-Ray-Player, PC für FIFA 17. Alles selbstständig erkannt und richtig eingestellt, bis auf den PC sogar über die Smart Remote zu bedienen. Aufwand für die Einrichtung: Zero. HAMMER.

Die Oberfläche ist zudem simpel aufgebaut: Die untere Reihe zeigt die Quelle, die Reihe darüber Inhalte in der Quelle zum Direktzugriff. Alles mit der Fernbedienung einfach zu klicken, eine Pointer-Funktion hat diese nicht mehr (was gut ist, war nervig zu nutzen). Lauter und Leiser wird mit der Wippe an der Fernbedienung gestellt, im Menü kann ich wählen ob der Ton der STB oder des Fernsehers geregelt werden soll. Ein Druck auf den Wippschalter schaltet den KS9590 ruhig. Ebenso lässt sich der Wippschalter für die Sender nutzen, bei einem Druck wird der EPG aufgerufen. Übrigens sowohl bei der STB als auch bei Apps wie Zattoo.

Jetzt für mich anfänglich ein großes Manko: Keine Zahlen auf der Smart Remote. Zappen geht mit den Wippschaltern schnell, aber was, wenn man einen größeren Sendersprung machen will? Eine – relativ kleine und nicht optimal zu ertastende Taste für die Ziffern sitzt links über dem Steuerkreuz. Ein Klick hierauf öffnet eine Leiste mit Ziffern, diese wählt man dann an, klickt auf fertig und der Sender wird angewählt. Das klingt tatsächlich kompliziert und ja, es ist nicht ganz so einfach wie Ziffern auf der Fernbedienung, ABER man gewöhnt sich daran sehr schnell und es war dann kaum noch ein Nachteil. Erst Recht nicht, wenn man die vielen Vorteile der Smart Remote zu schätzen gelernt hat.

Unter dem Strich ist der KS9590 so „smart“, dass ich diesen inflationär und häufig bei Fernsehern unberechtigten Begriff hier tatsächlich nutzen würde. Einfach, schnell. Netflix hat ab und zu mal gesponnen und eine „letzter Sender“-Taste fehlt mir, ansonsten ist das Ergebnis für mich perfekt. Ohne Fire TV oder andere Geräte hatte ich so den perfekten SmartTV für mich.

Die Tonqualität

60 Watt RMS sind für einen derart flachen Fernseher sehr ordentlich. Tatsächlich finde ich den Sound so gut, dass ich mir keine Soundbar oder ähnliches zulegen würde. Silvester wurde ich auf der Party bei uns gefragt, ob ich hier ein Soundsystem versteckt habe, oder aber wirklich die Glotze einen derart guten Sound liefert. Tut sie, vorausgesetzt man geht nicht bis an das Lautstärkemaximum, wo es dann doch nachlässt in Sachen Sound.

Das Bild des Samsung KS9590

Bei einem Fernseher geht es um das Bild. Logisch. Samsung setzt auf SUHD, was nichts anderes ist als eine sehr weit entwickelte Version der LCD-Technik. OLED ist bei Samsung für Fernseher nicht mehr im Einsatz. Zum Verständnis: LCD bedeutet stark vereinfacht eine Hintergrundbeleuchtung, vor dieser dann ein Farbfilter für jeden Pixel nur bestimmte Wellenlängen (Farben) der weißen Hintergrundbeleuchtung durchlässt. OLEDs setzen dagegen auf einzelne Pixel, welche selbstständig leuchten. Schwarze Pixel bleiben dabei einfach ausgeschaltet.

Schaltet man den UE65KS9590 ein, präsentiert sich ein strahlend helles, 65 Zoll (163cm) großes Bild mit einem Krümmungsradius von 4,2 Metern. Die verschiedenen Techniken die hierbei zum Einsatz kommen, resultieren in einem sehr hohen Samsung-PQI (Picture Quality Index) von 2.700. Genaue Details verrät Samsung wie üblich nicht. Glaubt man diversen Foren, setzt Samsung auf ein Panel mit nativen 100 Hertz. Der große Unterschied zu etwa dem KS9090 ist für das Bild das sehr helle Full Array Backlight. Also ein DirectLED, eine Hintergrundbeleuchtung die auf über die komplette Rückseite verteilte LEDs setzt. Der große Vorteil ist, dass – anders als bei einer für EdgeLEDs genutzten LED-Leiste – die Ausleuchtung absolut gleichmäßig ist, da einzelne Zonen angesteuert werden, das Bild besser gedimmt werden kann, der Kontrast und die Helligkeit besser sind und bei Spannungen auf dem Panel keine ungleichmäßige Beleuchtung (Clouding) vorkommt.

HDR1000, Quantum Dots und Co.

Was Samsung ansonsten an Eigenschaften im Detail bewirbt? Außer Quantum Dots und HDR1000 nichts so richtig, die Eigenschaften werden mit diversen Begriffen umschrieben: Supreme UHD Dimming, Precision Black Pro und Peak Illuminator. Erklärung bedürftig? Ich brauchte sie, da die Informationen im Netz dann doch teilweise gut versteckt sind.

Vor dem Full Array Backlight sitzt eine Halbleiterschicht aus Quantum Dots. Diese sind nur wenige Nanometer groß und sorgen für ein besonders reines Weiß der Hintergrundbeleuchtung, sodass der Farbfilter die Farben besonders genau darstellen kann. Samsung setzt beim KS9590 auf ein 10-bit-Panel, da man durch die Quantum Dots einen genaueren Farbraum abdeckt. Übrigens Cadmium Free, das hat sonst keiner. Statt 16.777.216 können 1.073.741.824, also 64-mal mehr, Farben dargestellt werden können. Je nach eingespieltem Material können so auch feinste Farbdetails unterschieden und dargestellt werden.

HDR1000 steht für Samsungs HDR-Qualitäten beim KS9590. Das Gerät erreicht Spitzenhelligkeiten von über 1000 nit. HDR steht bei Fernseher nicht für die Zusammenlegung verschieden belichteter Bilder, sondern den besonders hohen Kontrast, den das Gerät darstellen kann. Mit HDR1000 können so Bilder mit sehr hellen Bereichen die an sehr dunklen Bereiche grenzen gut dargestellt werden. HDR1000 sorgt – grundsätzlich entsprechende Inhalte vorausgesetzt – für sehr gute Kontraste und Farben, Peak Illuminator Pro erhellt dabei bestimmte Bereiche des Bildes sodass hier die hohen Helligkeitswerte erreicht werden können. Gerade in Sachen Helligkeit überbieten LCDs wie Samsungs SUHD KS9590 OLED-Fernseher sehr deutlich.

Supreme UHD Dimming und Precision Black Pro nehmen sich dabei eines anderen Problems an: Wenn sehr helle Bereiche ausgeleuchtet werden, fällt schnell Licht auf die sonst dunklen/schwarzen Teile eines Bildes, welche dann grau werden. Um das zu verhindern hat Samsung beim KS9590 ein sehr genau arbeitendes Dimming, welches dunkle Zonen auch dunkel darstellt, sodass man in Sachen Schwarzwert teils überrascht.

Nur bei äußerst schwierigen Bildern sieht man dann ein „Ausstrahlen“ der weißen Bereiche auf das sonst schwarze Bild, hervorragend was Samsung hier macht. Wobei es hier einen kleinen Kritikpunkt meinerseits gibt, den ich schlicht nicht verstehe: Dass es unter Extrembedingungen bei LCD kein OLED-gleich genaues Schwarz direkt neben rein weißen Inhalten geben kann ist klar (dafür ist SUHD wiederum besser im near-black-Bereich). Aber warum der KS9590 bei einem quasi komplett schwarzen Bild in den beiden unteren Ecken zwei „Laserschwerter“ zeigt weiß ich nicht. Diese zwei helleren Strahlen auf dem Schwarz sind eigentlich typisch für eine Edge-LED-Beleuchtung auf der unteren Leiste. Die Kritik fällt dennoch minimal aus, da das Problem nur unter so extremen Bedingungen zu sehen ist, dass ich in den drei Monaten des Testes sie vielleicht drei Mal wahrgenommen habe.

Der Mottenaugenfilter und die Spiegelungen

Samsung hatte 2016 erstmals auf einen Moth-Eye-Filter bei den SUHDs gesetzt. Vermarktet wird die Technik als „pure Black“. Hierhinter verbirgt sich eine Technik, welche einfallendes Licht zerstreut, sodass laut Samsung nur 25 Prozent des einfallenden Lichtes zurückgeworfen werden. Hierdurch sollen die nervigen Reflexionen gemindert werden. Spät abends schaut man Fernsehen, da mag es draußen vielleicht dunkel sein, um die Augen aber nicht zu ermüden leuchtet dann doch eine andere Lichtquelle im Raum und zack gibt es eben solche Reflexionen. Dank des hellen Panels und dem „Pure Black“-Filter sind diese deutlich deutlich schwächer, mir ist das im extrem hellen Messealltag auf der CES 2016 schon aufgefallen. Ein anderes Problem bleibt bestehen: Spiegelungen werden dank der Curve stark vergrößert, sodass kleine Lichtquellen riesig spiegeln können. Durch „Pure Black“ ist das schwächer, aber fällt nicht ganz weg – ein Problem der Biegung. Unter dem Strich finde ich den Vorteil des Mottenaugenfilters aber so drastisch besser als den Spiegelungsnachteil der Biegung, dass Samsung hier für mich punktet.

Sonstige Bildverbesserungen

Außerdem liefert Samsung einige weitere Software-basierte Bildverbesserungsoptionen. Ein Rauschfilter kann das Bild aufbereiten, der Spielemodus kann den Input-Lag auf 21ms statt sonst 110ms verringern, sodass man sogar halbwegs vernünftig auf dem KS9590 zocken kann. Auto Motion Plus liefert eine Zwischenbildberechnung, welche das Bild flüssiger ausfallen lässt (gerade bei 25p etwa bei Telekom Entertain eine durchaus interessante Funktion), dafür aber teils kräftige Bewegungsunschärfen in das Bild bringt. Im Gegenzug kann man mit LED Clear Motion wiederum die Bewegtbildschärfe heben und mit dem Optimalkontrast den Kontrast je nach Inhalt verbessern. Schade ist, dass Samsung viele Einstellungen im PC-Modus sperrt. Dennoch: Wer mag kann hier das Bild gut an seinen Geschmack anpassen, an Weißabgleich und Farbkalibrierung habe ich mich (leichte Farbschwäche) nicht getraut. Da ist der KS9590 von Haus aus ohnehin sehr gut aufgestellt, überhaupt habe ich nur wenige Settings am Ende verändert gelassen – für mich ist wichtig, das der Fernseher Out-of-the-Box ein gutes Bild liefert und das macht der KS9590 definitiv. Eine Spielerei muss man aber erwähnen: Der KS9590 kann HDR aus SDR-Material generieren, das Feature nennt sich HDR Plus und wurde per Update nachgeliefert. Das funktioniert je nach Inhalt erstaunlich gut, habe ich in der Praxis tatsächlich gerne genutzt, auch, da HDR-Inhalte teils teure Mangelware sind. Ach und: Samsung verzichtet komplett auf 3D. Das hatte ich bei meinem alten Fernseher satte zwei Mal genutzt. Ein Verlust den ich nicht bemerkt hätte, wenn nicht in den Kommentaren immer mal wieder darüber getrauert würde.

Die Bildqualität in der Praxis

Das klingt alles gut, im Detail muss man dann aber auf die Inhalte achten. Ich habe über Netflix UltraHD und Amazon Video 4k, sowie über den Samsung UBD-K8500 4K Blu-ray Player verschiedenes Material eingespielt, dazu kam über den alten Telekom Media Receiver 303 auch noch Entertain, aber wie gesagt nicht mit HDplus, sondern nur den Öffentlichen (und bis vor kurzem ServusTV) in 720p HD. Mein Sitzabstand liegt zwischen 3,5 und 3,8 Metern, wichtig um die Krümmung des KS9590 von 4,2 Metern Krümmungsradius zu beurteilen.

Bei SD-Inhalten (ProSieben, Sat1, der Quatsch auf RTL) muss der KS9590 mächtig rechnen, da Inhalte ja auf 4k-Auflösung gebracht werden müssen. Bei einfachen Inhalten wie Simpsons, Family Guy und Co funktioniert das erstaunlich gut. Natürlich ist es kein natives 4k-Signal, aber die Inhalte lassen sich gut hochrechnen. Sind die Inhalte dagegen komplex oder die Quelle einfach schlecht wie bei den meisten Inhalten von RTL oder „The Middle“ auf ProSieben erhält man den gleichen SD-Pixelmatsch auf größer, was ihn nicht wirklich besser macht. Für drei Monate wollte ich mir kein HDplus holen, würde ich einen TV wie den KS9590 mit einem Preis von über 3.000 Euro mein Eigen nennen, würde ich in den sauren Apfel aber ziemlich sicher beißen.

Besser ist das Ergebnis bei den Öffentlich-rechlichen. HD sieht hier schon gut aus und wenn das Ausgangsmaterial dann von dem KS9590 auf 4k gebracht wird, sieht das schon häufiger mal gut aus. Besonders bei ServusTV (was es jetzt bei Entertain nicht mehr in HD gibt, leider) konnten die beeindruckenden Doku-Aufnahmen zusammen mit HDR Plus erstaunlich gut aussehen.

Steigert man sich weiter und setzt auf Amazon Video oder Netflix mit UHD-Streaming, wird es zu einer richtigen Augenweide. Wobei der „normale“ Nutzer teilweise den Unterschied zwischen FullHD oder 4k kaum erkennen wird (ging einem Freund bei mir mit „Boston Nine-Nine“ so. Übrigens eine extrem lustige Serie). Die Inhalte sind hier inzwischen deutlich mehr geworden, wobei es für den einen oder anderen Anwender störend sein kann, dass etwa „The Grand Tour“ auf Amazon Video nur in OV in 4k verfügbar ist. Sicherlich nicht das Problem Samsungs 😉 aber einfach ein Umstand der bei 4k eben noch bedacht werden sollte. Dafür gibt es inzwischen sowohl bei Netflix als auch Amazon Video HDR-Inhalte. Längst nicht mit der Datenrate wie HDR-Blu-Rays, aber die Inhalte sehen schon gut aus und haben teils kaum Artefakte.

Mächtig gut wird es, wenn man auf den Samsung UBD-K8500 UHD-Blu-Ray-Player zurückgreift. Für den Test hatte ich Zugriff auf „Der Marsianer“ und „Superman vs Batman“. Der Marsianer ist durchaus sehenswert und die HDR-Darstellung ist absolut beeindruckend. Solch hochwertiges Material macht den KS9590 zu einem absoluten Fest. Der Star im Wohnzimmer, eine Freude bei jedem Kinoabend. „Superman vs Batman“ ist inhaltlich grober Unfug, optisch allerdings ebenso eine Augenweide. Die HDR-Fähigkeiten des KS9590 knallen regelrecht. Da ein Kinobesuch inzwischen gefühlt etwa halb so viel kostet wie ein KS9590, rechtfertigt sich der Preis für das herausragende Heimkino ;-). Wer möchte kann sich über „UHD HDMI Color“ auch noch die HDR-Wiedergabe individualisieren. Ich war ab Werk total fasziniert von dem Bild.

Spaßeshalber habe ich auch den PC für FIFA 2017 und Battlefield 1 an den KS9590 angeschlossen. Fußball sieht auf der Größe einfach super aus. Schade ist, dass der PC als PC angeschlossen werden muss (war an dem HDMI-Anschluss vorher der Blu-Ray-Player, muss gegebenenfalls etwa die Hardware-Erkennung neu gestartet werden, da sonst das Spielergebnis so gar nicht hinhauen will. Im PC-Modus wiederum beschneidet Samsung viele Bildfunktionen. Dabei sah FIFA 17 wirklich super aus mit aktiviertem HDR Plus (nur 30 vs 60 Hz halt nicht). Sogar Battlefield 1 macht auf dem KS9590 in der Theorie Spaß, da der Input-Lag im Spielemodus bei 20ms sogar fast noch benutzbar ist für Gelegenheitszocker. Allerdings ist das Zocken auf 65 Zoll dann wiederum mehr als gewöhnungsbedürftig. Der kurze Spaß für den Eyegasmus von Battlefield 1 auf dem UR65KS9590 war es wert, aber langfristig gedaddelt ist der Spielemodus sicherlich eher für FIFA 17 gedacht ;-).

Tl;dr – Das Fazit zu dem Samsung UE65KS9590

Ich bin Samsung in Sachen Fernseher ziemlich kritisch gegenüber eingestellt. Der Grund hierfür ist einfach: OLED. Ich mag die Technik, ich mag die kompletten Schwarzwerte, ich mag die Farben. Allerdings ist mir OLED noch zu teuer und ich hätte – berechtigt oder unberechtigt – wohl noch immer Bedenken bezüglich der Langlebigkeit der Panels. Jetzt hatte ich den Samsung KS9590 für einen ausführlichen Test da und finde, dass die LCD-Technik in der Form wie Samsung sie beim KS9590 verwendet eben doch noch einen Vorteilsvorsprung gegenüber OLED bietet. Der Moth-Eye-Filter ist toll, habe ich so bei OLED nicht gesehen, die Dinger spiegeln häufig extrem. Clouding gab es bei dem von mir getesteten Top-Modell Samsungs nicht. Bereits ab dem KS9090 und darunter kann dies aber ein Problem sein, die Edge-LED-Technik ist günstiger aber hier eben auch problemanfällig. Beim KS9590 gibt dagegen ein quasi perfektes schwarz solange die Quelle stimmt. Ein anderer Punkt ist für mich auch wichtig geworden: Wenn es nicht perfekt dunkel ist, kann das Bild kaum hell genug sein. Der KS9590 kommt auf über 1000 nit in der Spitze und hält dabei die Farben, das sieht eben auch top aus, wenn es nicht perfekt dunkel ist. HDR als großes Thema wiederum ist interessant, allerdings auch eher etwas für Enthusiasten, der Wow-Effekt für mich ist ungleich größer beim Sprung von HD auf 4k als von 4k auf 4k-HDR. Es sieht trotzdem mit 4k-HDR einfach herausragend aus.

Videolink

Würde ich jetzt über 3.000 Euro für den KS9590 auf den Tisch legen? Nein, das ist einfach nicht mein Budget derzeit für einen Fernseher. Aber mein Verständnis dafür, so viel Geld für so ein tolles Bilderlebnis hinzulegen ist nun voll da. Mir steht fast das Wasser in den Augen, wenn ich nur an den Wechsel zurück auf den flachen F7090 mit Clouding ohne Ende denke. Ich habe mich in den KS9590 verliebt, eine teure Liebe.

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