Kommentar: Warum ich inzwischen von Congstar abrate

Normalerweise empfehle ich immer die Kollegen von stadt-bremerhaven, mobiflip und Co. für News rund um Tarife und Co, da mein Hobby hier schon mit Samsung alleine gut genug ausgelastet ist. Trotzdem ist es heute an der Zeit ein bisschen Frust loszuwerden und es trifft Congstar – wobei man fairerweise sagen muss, dass ich so auch über andere Provider meckern könnte.

Seit über drei Jahren bin ich bei der Telekom-Tochter Congstar. Diese kennt man, mit offenbar viel Budget wird mit bunter Werbung die Billigtochter als junge, hippe Marke dargestellt. Das ist mir ziemlich egal, am Ende zählt die Leistung und daher hatte ich tatsächlich lange Zeit Congstar empfohlen. Das ist allerdings schon etwas länger Geschichte.

Warum? Früher war Congstar mal gut. Früher. Zum einen habe ich dort damals eine Flat L mit 3GB für 19,99 Euro im Monat bekommen, dazu 9 Cent oder so pro Minute falls ich normal telefoniere – da ich meistens über Whatsapp telefoniere für mich optimal. Zum anderen hatte Congstar lange Zeit inoffiziell LTE mit in den Tarifen. Das steht zwar in keinem Vertrag, funktionierte aber. Gedrosselt auf 7,2 Mbit, aber das reicht. Warum? Dazu gleich mehr. Ansonsten war ich lange Zeit ein treuer Anhänger des D1-Netzes und bin es bis heute.

Inzwischen gibt es den Tarif so nicht mehr bei Congstar. 2017, also drei Jahre nachdem ich meinen damaligen Postpaid-Vertrag ohne Laufzeit abgeschlossen habe, liegt das Maximum in den regulären Smartphone-Tarifen bei 2GB. Weil der mobile Traffic ja bekanntlich immer weniger wird, wie man weiß. /Ironie

Aber auch sonst ist Congstar irgendwo um 2012 hängengeblieben, die Tarife sind schlicht lächerlich im Vergleich mit fast jedem anderen Provider oder Reseller. Wohl auch, da der Mutterkonzern keine Konkurrenz aus dem eigenen Haus möchte und Congstar so kastriert, dass ich ausdrücklich davon abrate und mich wundere, warum nicht mehr große Seiten der Telekom sagen, was für eine – sorry, aber das ist der mildeste passende Ausdruck – Scheiße sie hier verzapfen.

Roaming? Ich reise viel. Allerdings ohne Congstar, die Preise sind schlicht zu lächerlich, sodass es sich auch bei kurzen Auslandsaufenthalten häufig lohnt, schnell eine lokale SIM zu kaufen. Lediglich heute in Paris habe ich mal die drei Euro für 100MB gelöhnt, da ich spontan Google Maps brauchte. Das Thema wird sicher spannend, wenn im Juni Congstar durch die EU-Kommission zu kostenfreiem Roaming und somit in die Gegenwart gezwungen wird.

LTE? Ha, alle neuen Tarife haben kein inoffizielles LTE mehr. Wer alte Tarife umstellt, verliert LTE. Ja, ich meckere über etwas, was nicht Vertragsbestandteil ist, da wir das Jahr 2017 haben und die Telekom ständig von 5G faselt, da sollte man meinen, dass 4G als Standard vorhanden sein sollte. Stattdessen kann man für einen monatlichen Aufpreis von 5 Euro doppeltes Volumen und einen „Speed-Boost“ auf 42,2 Mbit/s buchen. Hier muss man aber den PR-Bullshit schlicht solchen nennen. Denn: Der Vorteil bei LTE ist nicht die maximale Geschwindigkeit. Mobil reichen in der Regel 7-10 Mbit/s für quasi alle Anwendungen aus. Mehr ist schlicht nicht nötig meiner Meinung nach. Der Vorteil von LTE ist ein ganz anderer: die geringe Latenz und die Reichweite. Mit 800 MHz kommt das LTE-Signal auf dem Land über weite Strecken und in der Stadt auch mal durch die Stahlbetonwände moderner Häuser. Wenn man mit 3G in seinen verschiedenen Ausbaustufen also keinen Empfang hat (also auch nicht, wenn man so blöde war, bei Congstar im Monat mehr zu löhnen für ein schnelleres 3G-Signal), hat man mit LTE eben häufig doch noch Netz. DAS ist einer der großen Vorteile von LTE.

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Der zweite große Vorteil ist die Latenz. Eine Website ist nicht eine beispielsweise 1 MB große Datei, sondern besteht aus zig kleinen Dateien. Plugins, Grafiken und der ganze Kram. Vereinfacht ausgedrückt wird jede von den Dateien einzeln heruntergeladen. Die Latenz ist nun die Zeit, in welcher das Datensignal Anfragen an Internetseiten schicken kann (einfach ausgedrückt). Bei LTE liegt die Latenz gerne mal bei unter 20ms, während sie bei 3G häufig das Vielfache beträgt. Das hat für Nutzer den viel, viel größeren Unterschied als die gerne im Marketing-Sprech verkaufte maximale Geschwindigkeit. Kurz: Was hilft mir ein Auto was 300 fährt, wenn es von 0-100 30 Sekunden braucht? Der Nachteil macht sich auch bei Großereignissen bemerkbar: 3G-Anfragen blockieren eine Funkzelle vereinfacht ausgedrückt länger als solche über LTE, somit können im LTE-Netz mehr Nutzer fast gleichzeitig noch Internet haben.

Tatsächlich glaube ich, dass Congstar sehr, sehr gerne LTE anbieten würde. Eigentlich müssen sie es längst, vermutlich werden sie 2017 dann doch irgendwann dazu gezwungen. Aber: noch hält die Telekom die Tochter an der lächerlich kurzen Leine und macht Congstar unattraktiv.

Dabei hat sich das Feld der Wettbewerber massiv geändert: Vodafone räumt Preise für das LTE-Netz ab (viel mehr haben sie auch gefühlt nicht, sobald da kein LTE mehr steht, geht in dem Netz wenig) und seit Telefonica o2 Eplus übernommen hat, haben auch alte Eplus-Kunden 800 MHz-LTE ohne Probleme. Meine Freundin nutzt einen Eplus-Vertrag und häufig bin ich baff, wie schnell dort das 4G-Netz ist. In Berlin beispielsweise kommt dazu, dass dort in der U-Bahn o2/Eplus das einzige Netz mit brauchbarem Empfang ist (allerdings oberirdisch nicht unbedingt).

Stand jetzt rate ich also von Congstar ab, nachdem ich es über Jahre Lesern bei Anfragen empfohlen habe. Ich denke immer mehr darüber nach, winSIM (mit dämlicher Datenautomatik aber ansonsten verlockenden Preisen, o2-Netz)  oder andere Provider oder Reseller auszuprobieren. Andererseits… obwohl ich monatlich kündigen kann, warte ich wohl doch noch bis Juni, wenn Congstar vielleicht dann doch über die EU ein wenig in das Jahr 2017 gezwungen wird und rege mich so lange über die lächerliche Politik der Telekom und fehlendes LTE bei Congstar auf.

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