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2010 hat Samsung das erste Galaxy S vorgestellt und damit den Grundstein für das erfolgreiche Smartphone-Business. Nach einer Talfahrt konnte man mit dem Galaxy S6/ S6 edge und Galaxy S7/S7 edge wieder neue Erfolge feiern und so waren die Erwartungen an das inzwischen achte Galaxy S hoch. Durch das Debakel um das Note7 wurde die Erwartungshaltung nochmals gesteigert. Zeit für einen Samsung Galaxy S8 Test.

Samsung Galaxy S8 Test

Das Samsung Galaxy S8 und Galaxy S8+ habe ich nun etwas über 14 Tage genutzt, da kann man ins Detail gehen.

Der Test im Video

Videolink

Einige Stunden Arbeit, eine Stunde Video, ein Daumen hoch auf YouTube wäre super. Danke.

Die Spezifikationen

  • Samsung Galaxy S8: 5,8 ZollSAMOLED, 18,5:9-Seitenverhältnis mit 2960×1440 Pixeln (570ppi, mit Rundung 5,6 Zoll), GorillaGlass 5
  • Samsung Galaxy S8+: 6,2 ZollSAMOLED, 18,5:9-Seitenverhältnis2960×1440 Pixel (529 ppi, mit Rundung 6,1 Zoll), GorillaGlass5
  • 12 MP f1.7 OiS Kameramit 1,4 µm großen Pixeln, 8MP f1.7 Kamera ebenfalls mit Autofokus auf der Front
  • Exynos 8895 Octa, 64bit, 10nm, 2,3GHz Quad+1,7GHz Quad, Mali-G71 GPU
  • 4GBLPDDR4 RAM
  • 64GB UFS 2.1-Speicher, erweiterbar via MicroSD um bis zu 256GB
  • USB 3.1 Type-C; Wireless Charging
  • GigabitLTE Cat 16 (für Deutschland offiziell nur Cat 9), Gigabit WiFi11 a/b/g/n/ac;
    Bluetooth 5.0 LE, GPS, Glonass, NFC
  • 3.000 mAh(Samsung Galaxy S8) bzw. 3.500 mAh (Galaxy S8+) Akku
  • Fingerprint-Scanner; 3,7MP Iris-Scanner
  • IP68-Zertifizierung (wasser- und staubdicht), Notification-LED!
  • 148,9 x 68,1 x 8mm bei 155 Gramm (Galaxy S8); 159,5 x 73,4 x 8,1mm bei 173 Gramm (Galaxy S8+)
  • Android 7.0 mit Samsung Experience 8.1 UX
  • Drei Farben zum Start: Midnight Black, Orchid Gray, Arctic Silver
  • Preis: 799 EuroUVP (Galaxy S8); 899 Euro UVP (Galaxy S8+)
  • Ab 28. April im Handelverfügbar, zwischen dem 29. März und 19. April im Samsung Onlinestore vorbestellbar

Der Lieferumfang

Videolink

Der Lieferumfang verdient Erwähnung, da Samsung hier zum einen das Zubehör in schwarz passend zur Front des Galaxy S8 und S8+ bringt und zum anderen Kopfhörer „tuned by AKG“ beilegt. Diese sitzen vernünftig im Ohr und bieten einen sehr ordentlichen Sound, sodass ich vermute, dass sie nicht nur „tuned by“ sind sondern am Ende auch von AKG hergestellt wurden.

Das Design und die Verarbeitung

Vom Plastik-Image ist Samsung nun schon seit spätestens dem Galaxy S6 weg, mit den Edge-Displays kommt zudem ein bislang mehr oder weniger einzigartiges (Design-)Feature hinzu. Beim Samsung Galaxy S8 spielt man diesen Punkt nun noch konsequenter aus, als es in den Vorjahren der Fall war und bring nur noch Edge-Displays, dafür in zwei verschiedenen Größen. Das Edge-Display alleine ist aber nicht aufgrund der Edge so auffällig, sondern aufgrund der Form. Erstmals setzt Samsung auf ein 18,5:9-Seitenverhältnis beim Display und verzichtet hierfür auf einen Homebutton auf der Front. Dieser Schritt alleine ist spektakulär.

Die Front ist Understatement, Samsung verzichtet sogar auf das gewohnte Logo vorne. Stattdessen gibt es einen dünnen Rahmen oben und unten und an den Seiten einen Hauch von Rahmen (tatsächlich minimal mehr als beim Note7, jedoch durch die Rahmen oben und unten insgesamt verschwindend gering). 84 Prozent Display und dennoch ist die Front ein einziges Ausrufezeichen, welches Samsungs Entwicklung als einstigen Kopierer anderer Smartphones hin zu dem Hersteller mit einer eigenen, aufregenden Formensprache betont.

 

Kein Logo auf der Front kannte man sonst eher von Apple, welches mit einem auffällig reduzierten Design über Jahre Erfolge feierte. Gegenüber dem Galaxy S8 – und so viel Urteil muss erlaubt sein – wirkt Apples Flaggschiff aus September 2016 wie ein Relikt aus dem Jahre 2014 oder noch früheren Jahren.

Beim Rahmen kommt dann ein weiterer Schritt, den man so bereits mit dem Note7 vorstellte: eine „symmetrical beauty“, also ein symmetrisch zwischen Vorder- und Rückseite liegender Rahmen. Das sieht gut aus und fühlt sich noch besser an.

In Sachen Design scheiden sich hier aber ein wenig die Geister: der Rahmen ist im Gegensatz zu den letzten Flaggschiffen Samsungs nicht in mattem Metall gehalten, sondern Hochglanz in der Farbe der Rückseite. Hochglanz-Rahmen haben beim Galaxy Note III etwa dazu geführt, dass die Farbe irgendwann abgeplatzt ist, beim Galaxy S8 wird dies wohl nicht passieren, der Rahmen besteht aus Metall und ist hochwertig, ob aber ein matter Rahmen zumindest bei der schwarzen Version nicht besser ausgesehen hätte – meiner Meinung nach schon.

Die Tasten sitzen fest im Rahmen und sind gut zu erreichen, auf der Unterseite findet sich der 3,5mm-Klinke-Anschluss, ein USB 3.1 Type-C-Anschluss und der Mono-Speaker. Neu ist, dass auf der linken Seite die Lautstärke nun nicht mehr mit zwei sondern wie früher nur mit einer Wipp-Taste geregelt wird, darunter findet sich ein neuer Button: Bixby, dazu später mehr.

Die Rückseite setzt wie in den Vorjahren auf Glas, allerdings inzwischen GorillaGlass 5, sodass bei einem Sturz theoretisch weniger schnell etwas zerstört werden sollte – in der Praxis sollte man dies dennoch nicht ausprobieren. Die Wölbung des Glases entspricht zu den Rändern hin mehr oder weniger der Wölbung der Edges auf der Front und auch hier geht es fast nahtlos in den Rahmen über. In Sachen Design hat Samsung sich auf der Rückseite jedoch einen Fauxpas geleistet: Form over function. Der Fingerprint-Sensor sitzt nun rechts neben der Kamera, links neben der Kamera ist die LED und der Pulsmesser zu finden. Das sieht gut und schön symmetrisch aus. Hätte Samsung diese Anordnung um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht, hätte hier allerdings in Sachen Ergonomie niemand etwas zu meckern gehabt.

So ist der Fingerprint-Sensor je nach Größe der Hand jedoch schwer zu erreichen. Dazu kommt, dass er fast bündig zur Glasrückseite ist. Die Kamera steht nun ebenfalls nur noch Bruchteile eines Millimeters aus eben dieser heraus – direkt nebeneinander ist da der Unterschied zwischen Fingerabdruck-Scanner und Kamera nicht immer direkt zu erfühlen. Nach zwei Wochen Übung geht dies zwar, aber dennoch ist die Lösung alles andere als optimal.

Die Verarbeitung ist top. IP68 ist auch wieder an Bord. Die Ergonomie gerade von dem kleinen Galaxy S8 herausragend. Kein Smartphone liegt besser in der Hand und dies trotz 5,8 Zoll Displaydiagonale. Das gestreckte Seitenverhältnis macht es möglich. Hätte Samsung nur 16:9 ohne Homebutton gewählt, wäre das Ergebnis wohl klobiger ausgefallen – so ist das Gerät extrem elegant, handlich und setzt in Sachen Design neue Maßstäbe.

 

Samsung Galaxy S8: DAS DISPLAY

Samsung setzt erstmals auf ein Seitenverhältnis von 18,5:9 beim SAMOLED-Panel, was nun auch zu einer ungewöhnlichen Auflösung von 2960×1440 Pixeln führt. Das „kleine“ Galaxy S8 kommt dabei auf eine Diagonale von 5,8 Zoll, das „große“ Galaxy S8+ auf 6,2 Zoll – wobei diese Werte so nicht stimmen.

Die Ecken des Displays hat Samsung jeweils abgerundet, damit die Form der Seitenlinie folgt. Das sieht toll aus, führt aber dazu, dass die tatsächliche Auflöung 2960×1440 Pixel minus einiger Pixel in den nun abgerundeten Ecken beträgt und die Diagonale 5,6 Zoll beim Galaxy S8 und 6,1 Zoll beim Galaxy S8+ beträgt.

Viele Zahlen, die aber alle nicht ausdrücken können, wie unfassbar gut das „Infinity Display“ des Galaxy S8 und S8+ aussieht. Kaum Rahmen, das bisschen was man sieht ist dazu schwarz und nicht in der Farbe der Rückseite gehalten, sodass die Front ausgeschaltet besonders in der schwarzen Geräteversion eine Einheit bildet.

Das AoD

Wobei „ausgeschaltet“ ab Werk bei dem Galaxy S8 nur gegeben ist, wenn man das Gerät wirklich ausschaltet und nicht einfach nur das Display ausschaltet. Dann nämlich wird das Always on Display aktiviert. Dieses zeigt auf wenigen aktivierten Pixeln einige Informationen wie Benachrichtigungen, Uhrzeit, Akkustand und Datum. Wer möchte kann das auch optisch anpassen und individualisieren. Dass im Store weitere AoDs 50 Cent kosten, hätte man sich sparen können.

Spannend ist das AoD aber auch aus einem anderen Grund: dem Homebutton. Das Galaxy S8 hat keinen physischen Homebutton in Form einer dedizierten Taste mehr. Stattdessen ist ein kleiner Teil des Displays in der Mitte des unteren Randes druckempfindlich. Drückt man das Display nun (und berührt es nicht nur), fungiert dieser Teil des Displays als Homebutton. Da man den Punkt aber sonst nicht sehen kann, wird auf dem AoD hier ein kleines Quadrat dargestellt, um den Homebutton zu markieren.

Tatsächlich kann man das AoD auch in Teilen deaktivieren. Etwa Uhrzeit und Datum abstellen und nur den Homebutton darstellen, um den Akku zu schonen oder aber man schaltet das AoD komplett ab, der druckempfindliche Teil des Bildschirms kann auch ohne Symbol gedrückt werden.

Ansonsten ist das Display scharf mit 570 ppi (S8) oder 529 ppi (S8+) – wobei ab Werk nicht WQHD+ sondern eine FHD+ Auflösung eingestellt ist, um den Akku zu schonen. Das Auge sieht keinen Unterschied und in einer GearVR dürfte dann wieder auf WQHD+ hochgeregelt werden, da hier die höhere Auflösung einen Vorteil bietet. Auch hell ist das Display. Bei automatischer Helligkeit kommt es in einer sehr hellen Umgebung auf über 1000 nit, ein absolut herausragender Wert, der auch nochmal eine gute Ecke über etwa dem Galaxy S7/S7 edge liegt.

Übrigens: Sorgen vor versehentlichen Eingaben aufgrund des Edge-Displays sollte man nicht haben. Dies war beim Galaxy Note7 aufgrund der symmetrical beauty schon nicht mehr der Fall und auch beim Galaxy S8 und S8+ ist dies nicht vorgekommen. Nein, durch das längliche Display setzt besonders das Galaxy S8 sogar einhändig neue Maßstäbe in Sachen Ergonomie.

Die Hardware des Samsung Galaxy S8

Samsungs Galaxy S-Serie ist seit Jahren die Speerspitze des eigenen Portfolios bei der Hardware, leicht übertroffen nur von der jeweiligen Note-Serie des Jahres. Beim Galaxy S8 kommt demnach erwartungsgemäß High-End zum Einsatz. Der Exynos 8895 Octa ist der erste SoC der mit 10nm gefertigt wurde und verfügt über eine verbesserte Quad-CPU von Samsung mit 2,3 GHz und eine effizientere CPU mit 1,7 GHz, als Grafikeinheit gibt es eine Mali-G71 MP20 GPU. Außerdem verfügt das Galaxy S8 über 4GB LPDDR4X RAM und endlich ab Haus 64GB UFS 2.1-Speicher, der besonders schnell ist. In den USA gibt es statt dem Exynos 8895 den Snapdragon 835 – die Unterschiede dürften sehr gering ausfallen und nur in (für den Alltag irrelevanten) Benchmarks sichtbar sein.

In Asien bietet Samsung zudem eine Version mit 6GB RAM und 128GB Speicher an. 6GB dürften keinen Unterschied machen, da der 64GB-Speicher des Galaxy S8 ohnehin per MicroSD erweiterbar ist (und der Port bis zu 60 MB/s im Read zulässt), ist auch hier der Unterschied für die meisten Nutzer kaum zu spüren. Dennoch: Sonderversionen für Asien nerven die Geeks und Nerds, da etwa OnePlus inzwischen auf 6GB RAM setzt. Ein Geekproblem, in der Praxis irrelevant. Interessant aber, dass der UFS 2.1 schneller liest als so manche SSD.

Relevant und von vielen angesprochen worden ist dagegen ein anderes Thema: Akku. 3.000 mAh sind es beim Galaxy S8, 3.500 mAh beim Galaxy S8+. Das Galaxy S7 edge hatte noch 3.600 mAh. Hier wurde einiges befürchtet, insbesondere da das Galaxy S8 nun in beiden Größen ein großes Display bietet. Allerdings muss man den LPDDR4X RAM mit einem niedrigeren Stromverbrauch und den um 21 Prozent effizienteren SoC mit 10nm dagegenrechnen. Unter dem Strich hält der Akku bei mir vergleichbar zum S7 beim S8 und vergleichbar zum S7 edge beim Galaxy S8+. Hinzu kommt, dass Samsung den Akku insofern verbessert hat, dass nach einem Jahr noch 95 Prozent der ursprünglichen Leistung vorhanden sein sollen.

Der Kritikpunkt ist daher für mich ein anderer: mit 9V bei 1,67A bietet das Galaxy S8 wie auch das Galaxy S7 und Galaxy S6 und Co im Ergebnis nur Quick Charge 2.0. Klar, Wireless fast Charging ist auch möglich. Aber: QC 3.0 oder QC 4.0 mit deutlich höheren Ladegeschwindigkeiten ist nicht vorhanden. Die Technologien können den Akku mehr beanspruchen, weshalb man den Einsatz neuerer Ladetechniken mit Blick auf letztes Jahr wohl schlicht nicht riskieren wollte. Dennoch schade. Schade auch, dass nur ein Mono-Lautsprecher zum Einsatz kommt und nicht etwa die Ohrmuschel auch als Lautsprecher genutzt wird, wie es beim iPhone 7 der Fall ist.

Die Software des Galaxy S8

Mit dem Galaxy Note7 wurde die Grace UX vorgestellt, eine neue Oberfläche, welche Samsung dann später per Update etwa auf das Galaxy S7 und Galaxy S7 edge nachgeliefert wurde. Auf dem Galaxy S8 gibt es nun die „Samsung Experience 8.1“, eine Nutzeroberfläche, welche in Teilen der Grace UX ähnelt, aber darüber hinaus noch einen deutlichen Schritt markiert. Das fängt an bei den Icons, die neu designt wurden und nun jegliche TouchWiz-Gene verloren haben. Das sieht neu aus, das sieht frisch aus – natürlich ist auch das wieder Geschmackssache.

Ansonsten hat die Samsung Experience 8.1 die saubere, helle Optik der Grace UX in den Einstellungen und der Notification Bar geerbt, einzig ein dunkler Nachtmodus (der auch gleichzeitig den Akku schonen würde) fehlt.

Als Betriebssystem kommt Android 7.0 zum Einsatz, eine der neueren Android-Iterationen, 7.1 fehlt leider. Interessant ist jedoch, dass Samsung den Launcher demjenigen angepasst hat, den Google von Haus aus bringt. Statt einem Icon für den App-Drawer (die Oberfläche wo alle installierten Apps zu sehen sind), lässt sich dieser nun über eine Wischgeste auf dem Homescreen aufrufen – wer mag kann hier aber auch zum herkömmlichen Icon in den Einstellungen wechseln. Tatsächlich könnte Samsung hier noch minimal nachbessern: ein Wisch nach oben ruft den App-Drawer auf, einer nach unten könnte bei dem langen Display die Notification Bar nach unten ziehen.

Ein anderes Thema begründet sich mal wieder im Display – absolut das herausragende Thema des Galaxy S8. Durch das neue Seitenverhältnis stellt sich natürlich die Frage, wie denn Apps mit 18,5:9 statt 16:9 umgehen. Die schlichte Antwort ist: meist gar nicht. In manchen Apps gibt es dann unter den Software-Tasten und am oberen Rand, also dem Bereich der nun durch 18:5 statt 16:9 hinzugekommen ist, einen schwarzen Balken. Dank SAMOLED sieht man den Unterschied zu dem Rahmen kaum. Zudem war ich bei vielen bekannten Apps überrascht, dass diese bereits ohne Probleme 18,5:9 nutzen können: Facebook, Twitter, Gmail und OneDrive etwa. Wobei die Navigationstasten hier dennoch mit einem schwarzen Streifen hinterlegt werden, was teilweise optisch besser gelöst werden könnte.

Bei Spielen ist das Ergebnis dagegen ein anderes: nativ habe ich nur Asphalt 8 gefunden, welches das neue Seitenverhältnis von Haus aus unterstützt. Da aber Spiele mit einem zusätzlichen schwarzen Rand dem Display so gar nicht gerecht werden, hat Samsung vorgesorgt. Der Gamelauncher beziehungsweise die Game Tools haben von Haus aus eine Einstellung parat, welche jedes (!) Spiel auf Vollbild bringt, ohne das Spiel selber zu verzerren. Wie genau dies gelöst wird weiß ich nicht, es funktioniert aber herausragend gut. Spiele auf 18,5:9 sind eine Wucht, wer möchte kann dann noch die Edge in Spielen deaktivieren, sodass man ganz sichergeht, dass hier nichts versehentlich berührt wird (allerdings war das bei mir ohnehin nicht der Fall).

Das Samsung Galaxy S8 hat zwar kein Edge mehr im Namen, aber beide Versionen des Flaggschiffs verfügen eben über ein Edge-Display. Der virtuelle Homebutton ist für Screenshots nicht mehr nutzbar, stattdessen muss man Power+Leiser drücken um einen Screenshot aufzunehmen, dann jedoch gibt es auch wieder Funktionen wie die „Scroll-Aufnahme“, welche bei langen Nachrichten etwa länger scrollt um einen langen Screenshot aufzunehmen.

 

Zurück zu der Edge: diese hat nun zwei Funktionen. Zum einen kann nur die Edge aufleuchten bei Notifications. Man hat also die Wahl, ob man die Notification LED, das AoD oder eben die Edge für Notifications aktiv haben möchte – im Zweifel alle drei Optionen. Die Edge selber finde ich sogar auch praktisch. Bisher hat sich mein Nutzen dort immer auf „Abschalten“ beschränkt, die Rundung ist für mich ein reines Design-Feature, da brauchte ich keine Funktionen drauf. Aber: Beim Galaxy S8 kann man über die Edge ein Menü aufrufen, wie es sonst bei den Note-Geräten zu finden war – inklusive „Smart Select“ und dem Gif-Recorder. Das ist praktisch und nicht anders aufzurufen, weshalb ich die Edge tatsächlich genutzt habe.

Samsung Galaxy S8: Sicherheit

Bei dem Galaxy S8 gibt es verschiedene Optionen, das Gerät zu entsperren. Neben den „alten“ Wegen des PIN, Musters oder Passwort gibt es den Fingerprint-Scanner und nun auch erstmals bei einem Galaxy S-Flaggschiff den Iris-Scanner und eine Gesichtserkennung.

Der Fingerabdrucksensor ist wie erwähnt suboptimal platziert, Samsung hatte ihn unter die Kamera legen müssen, um einen höheren Komfort zu erzielen. Allerdings ist es Gewöhnungssache und auch irgendwann machbar, Samsung warnt allerdings bei aktiviertem Fingerprint-Scanner von Zeit zu Zeit die Kamera zu säubern – man weiß offenbar selber, dass man diese sonst volltatscht.

Insofern liegt es nahe, sich auch für die anderen beiden Entsperrmethoden zu interessieren. Der Iris-Scanner setzt auf eine 3,7MP-Kamera und eine Infrarot-LED auf der Front und kam so ähnlich bereits im Galaxy Note7 zum Einsatz. Die Erkennungsrate ist gut und sehr schnell, kommt allerdings bei schlechten Lichtverhältnissen (dunkel oder helles Tageslicht im Rücken) an ihre Grenzen. Die Sicherheit wiederum ist sehr hoch – höher angeblich, als beim Fingerprint. Ich hatte meist beides aktiv und dann Fingerprint genutzt, wenn der Iris-Scanner am kämpfen war.

Noch schneller arbeitet die Gesichtserkennung und das auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Allerdings sagt Samsung selber, dass die Erkennung nicht so sicher ist wie Fingerabdruck und Iris-Scan. Im Netz kursieren Videos, wie die Gesichtserkennung mit einem Foto ausgetrickst wurde. Das ist mir nicht gelungen, aber dennoch sollte man sich überlegen, ob man die Methode nutzen möchte. Gleichzeitig mit dem Iris-Scan ist sie ohnehin nicht zu aktivieren.

Praktisch ist wieder der sichere Ordner. Auf Basis der hauseigenen B2B-Lösung Samsung Knox können hier Bilder, Videos und Apps versteckt (und verschlüsselt) werden. Erst bei Aktivieren des sicheren Ordners über die Benachrichtigungsleiste und Eingabe eines Passworts werden die versteckten Inhalte dann gezeigt. Tatsächlich lassen sich im sicheren Ordner auch Kopien von Apps anlegen, so kann man etwa WhatsApp doppelt installieren.

Bixby

Bixby hat von Samsung einen eigenen Button unterhalb der Lautstärketaste spendiert bekommen, insofern müsste dem Programm ja eigentlich eine große Relevanz zukommen. Tatsächlich ist Bixby laut Samsung der Schritt, künstliche Intelligenz dafür zu nutzen, dass das Smartphone-Interface mit fließenden Übergängen über Touch und Stimme bedient werden kann und das Galaxy S8 dabei noch verschiedene Aufgabe entweder selbst oder aber sehr einfach erledigt. Das klingt zunächst vielversprechend. Bixby besteht dabei aus vier verschiedenen Aspekten:

Bixby Home, einem Feed wie man ihn von Google Now kennt, in welchem diverse Aufgaben, Informationen und Bilder zusammenfließen.

Bixby Reminder, einer einfachen Möglichkeit Erinnerungen zu setzen, welche dabei den Kontext, wie übliches Verhalten des Nutzers oder den Standort mit einbeziehen kann.

Bixby Vision, welches in der Kamera erkennt, worauf die Kamera zeigt und dann Orte, Kaufmöglichkeiten eines Objekts im Netz, Wein, Texte, Bilder und QR-Codes erkennen kann.

Und Bixby Voice, der intelligenten Spracherkennung, „welche einfach über den Bixby-Button oder indem man Bixby sagt gestartet werden kann“. Bixby Voice soll dabei nahtlos über verschiedene Apps hinweg arbeiten und bei ab Werk zehn Apps von Samsung unterstützt werden. Außerdem kann man hierüber Reminder setzen oder aber die Kamera einfach fragen „Was das ist“ um Bixby Vision zu aktivieren ohne das Icon in der Kamera hierfür aktivieren zu müssen.

 

Das klingt alles gut. ABER: Bei der Präsentation hat Samsung die Unterstützung von Koreanisch, Chinesisch und Englisch angekündigt. Andere Sprachen werden dann irgendwann folgen, für die deutsche Sprachunterstützung sieht es derzeit nach Q4 2017, also frühestens Oktober aus. Das heißt nicht, dass Bixby nicht nutzbar wäre. Bixby Home, der Bixby Reminder und Bixby Vision arbeiten auch auf Deutsch schon jetzt. Allerdings lässt sich eben Bixby Voice eben nicht über einen Druck auf den eigenen Bixby Button aufrufen, es lässt sich nicht schnell eine Erinnerung diktieren und auch in der Kamera mit Bixby Vision per Icon aktiviert werden.

Für den Test wollte ich daher Bixby auf Englisch, einer der drei für den Start angekündigten Sprachen, ausprobieren. Allerdings ändert sich dann aktuell genau: nichts. Auch Englisch wird zum Marktstart für Bixby nicht verfügbar sein. Von nahtlosem Zusammenarbeiten von Stimme und Touch auch hier also aktuell keine Spur.

 

Zwischenfazit für Bixby: aktuell kann man also mit Bixby sich einen Feed wie mit Google Now anzeigen lassen, in der Kamera ein paar Sachen erkennen lassen, was man aber schnell auch deaktiviert lässt, da man es irgendwie doch recht selten braucht und außerdem kann man im Feed von Bixby Home Erinnerungen erstellen – ohne Spracheingabe. Unter dem Strich kann Bixby mangels Erinnerungen aktuell weniger für mich als Samsung S-Voice (was ich auch schon nicht genutzt habe). Bixby Home ist ganz nett und auf dem Homescreen dort zu finden, wo vorher Upday war (dieses ist nun in Bixby Home integriert). Heißt: Das Samsung Galaxy S8 hat eine aktuell nutzlose Taste, welche am Anfang auch gerne mal versehentlich statt der Leiser-Taste beim Auslösen von Fotos gedrückt wird und dabei Bixby Home aufgeruft, was man aber gar nicht wollte.

Eine nutzlose Taste könnte man ja mit anderen Funktionen wie etwa Google Home oder so belegen. Ab Werk lässt das Samsung nicht zu. Mit diversen Apps (kompliziert über All in one Gestures oder einfach über BxActions) lässt sich der Button anders belegen. Dabei müssen allerdings allen Apps Berechtigungen eingeräumt werden, wie etwa alle Texte (also auch beispielsweise Passwörter) erfassen zu können. Das will man eigentlich auch nicht.

Die Kamera(s) des Samsung Galaxy S8

Auf dem Datenblatt hat sich bei der Hauptkamera des Samsung Galaxy S8 nicht viel getan. 12MP mit einer Größe von 1,4µm auf einem 1/2,55“ Sensor mit Dual-Pixeln, eine Offenblende von f1.7 und eine optische Bildstabilisierung waren auch beim Galaxy S7 zu finden. Lediglich auf der Front hat sich auf dem Datenblatt etwas getan, da Samsung hier nun auf eine 8MP-Kamera mit f1.7 und erstmals bei Samsung auf der Front auf einen Autofokus setzt.

Im Detail gibt es aber auch bei der Hauptkamera Unterschiede. Samsung setzt hier nun auf einen verbesserten ISOCELL-Sensor oder einen Sony IMX333 (offenbar bisher bei Geräten mit Snapdragon 835 an Bord). Der Unterschied liegt hier darin, dass der Sensor in manchen Situationen quasi drei Bilder gleichzeitig (beziehungsweise schnell hintereinander aufnimmt) und diese nutzt, um das Hauptbild zu verbessern. Der Nutzer bekommt hiervon nichts mit, als Ergebnis gibt es ein Bild – dieses ist jedoch schärfer und nicht verwackelt.

 

Auffällig ist zudem, dass Samsung offenbar den Weißabgleich endlich in den Griff bekommen hat. Während Bilder beim Galaxy S7 bei schlechten Lichtverhältnissen einen Gelbstich hatten, bekommt das Galaxy S8 die Fotos in der Regel perfekt hin, ab und zu vielleicht mit einer leichten Tendenz zu einem etwa kühlen Weißabgleich. Die Bilder jedenfalls sind beeindruckend.

Wobei man hier etwas Anderes ansprechen muss: Fotos werden ab Haus mit 12MP im 4:3-Format aufgenommen. 4:3-Bilder auf einem 18,5:9-Display sehen furchtbar aus, das Display wird gefühlt zur Hälfte mit schwarzem Balken gefüllt. Hier muss man für sich entscheiden: will man die Fotos noch auf anderen Geräten nutzen, oder zeigt man sie in der Regel doch auf dem Galaxy S8? Dann nämlich sollte man die Auflösung auf 7,9MP im 18,5:9-Seitenverhältnis stellen. Hier wird alleine schon die Aufnahme von Fotos durch das herausragende Display schöner.

Das Interface wurde auch eigens für das Seitenverhältnis optimiert, sodass bei dem nun länglichen Flaggschiff fast alles einhändig im unteren Bereich der Kamera erreicht werden kann. Störend ist lediglich, dass in der tollen Kamera die Bedienbuttons weiterhin eine schwarze Leiste im Hintergrund haben, sodass eben doch kein  Livebild mit 18,5:9 angezeigt wird.

In der Kamera zeigt sich auch erneut die extreme Leistung des SoC und des ISP, da nun auch 4k-Videoaufnahmen nicht nur automatisch optisch, sondern auch digital stabilisiert werden können. Videos werden so sehr smooth, Aufnahmen wirken häufig fast professionell stabilisiert. Die Frontkamera wiederum erlaubt deutlich, deutlich bessere Selfies, als dies noch beim Galaxy S7 der Fall ist. Fotos sind nicht verwaschen und bieten ordentlich Details. Der Fokus lässt sich unterschiedlich setzen, ist von Haus aber ohnehin perfekt auf das Fokussieren von Gesichtern getrimmt. Ein OIS fehlt, aber das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen. Erstmals habe ich daher bei einem Samsung-Smartphone bei Selfies keinen signifikanten Unterschied zwischen Haupt- und Frontkamera mehr gesehen.

 

Drei Punkte müssen noch erwähnt werden: der Doppelklick auf den Homebutton des Galaxy S7 und zuvor S6 zum Start der Kamera war ein großartiger Schritt von Samsung. Bei dem virtuellen Homebutton des S8 ist dies nicht mehr möglich, ABER ein Doppeldruck auf den Powerbutton ruft dafür nun die Kamera sofort auf – eine winzige Umgewöhnung und kein Nachteil. Ausgelöst werden kann über die Lautstärketaste und hier habe ich anfangs nicht nur einmal versehentlich Bixby über den Bixby-Button aufgerufen, nervig.

 

Der zweite Punkt betrifft den Pro-Modus. In diesem lassen sich diverse Parameter manuell einstellen. Das geht gut, wenn man weiß was man tut und auch RAWs lassen sich hiermit aufzeichnen. Allerdings: Huawei liefert ab Werk Modi wie Lichtmalerei und Co in der Kamera mit, das fehlt beim Galaxy S8 und lässt sich auch nicht nachträglich in der eigenen Kamera nachladen.

 

Ein anderer Punkt sind die Filter. Ich habe Snapchat nie genutzt/verstanden, das Galaxy S8 hat nun diverse AR-Filter in der Kamera drin, die sowohl bei der Front- als auch Hauptkamera genutzt werden können. Vielleicht liegt es daran, dass ich nie Filter bei Snapchat genutzt habe, aber dank den Filtern des Galaxy S8 habe ich mehr als nur einmal Tränen gelacht – eine großartige und lustige Spielerei. Zum Abschluss hier einige Fotos direkt vom Galaxy S8 auf Flickr hochgeladen (einfach klicken):
Samsung Galaxy S8

Tl;dr – das Fazit zum Samsung Galaxy S8

Samsung Galaxy S8 Test

Dieses Display! Was Samsung mit dem Infinity Display gelungen ist überstrahlt alles. Das Samsung Galaxy S8 lässt jedes Smartphone derzeit durch das gebogene Display im 18,5:9-Format alt aussehen. Man hat aber in Teilen den Eindruck, dass Samsung vielleicht zu viel wollte: Gerüchten zur Folge wollte Samsung eigentlich den Fingerabdrucksensor ebenfalls unter das Display setzen – die Technik war jedoch nicht in ausreichender Menge verfügbar, das Ergebnis ist ein ungünstig platzierter Sensor auf der Rückseite. Alleine schon eine Drehung um 90 Grad hätte hier Wunder bewirkt. Auch Bixby erscheint wenig geglückt. Das Potential war in Demos bei der Präsentation da, allerdings kann der Nutzer es noch nicht mal richtig erahnen, sondern er erhält einen nutzlos-störenden Button. Kritikpunkte die schnell vergessen sind, wenn man das ergonomisch perfekt gelungene Galaxy S8 oder das Galaxy S8+ mit seinem herausragenden Display nutzt. 18,5:9 setzen einen neuen Maßstab, welcher einen neuen Wind in den zuletzt doch etwas langweilige Smartphone-Markt bringt. Der Homebutton unter dem Display funktioniert gut, das Gerät sieht herausragend aus. Fotos wechselt man schnell auf 7,9MP, nur damit das Aufnehmen von Fotos auf dem großartigen Display noch besser aussieht. Die Kamera ist abermals verbessert worden, der Akku hält und die Hardware lässt sonst keine (vernünftigen) Wünsche offen. Samsung setzt hier ganz klar die Benchmark für 2017 in Sachen Smartphone.

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