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2017 war ein regelrechtes Feuerwerk in Sachen Smartphones, viele Hersteller haben große Schritte getan und auch Samsung erntete für das Galaxy S8 viele Lorbeeren. Für 2018 ist die Frage natürlich, wie Samsung die S-Serie weiterentwickelt, Zeit für einen ausführlichen Test des Samsung Galaxy S9 und Samsung Galaxy S9+.

Bereits im Vorfeld der Präsentation gab es viele Gerüchte, dass das Samsung Galaxy S9 eher ein „Tock“-Update werden würde. Also nach dem „Tick“-Galaxy S8 nun eher ein kleineres Update und mehr eine Evolution denn eine Revolution kommen würde. Gleichzeitig gab es Gerüchte um eine brandneue Kamera, die es so bei Smartphones noch nicht gab, einen starken Prozessor, eine Antwort auf Apples „Animoji“ und andere Features.

Samsung Galaxy S9 Test auf YouTube. Daumen hoch nicht vergessen 😉

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Die Spezifikationen des Samsung Galaxy S9 und Galaxy S9+

  • Samsung Galaxy S9: 5,8 Zoll SAMOLED Infinity Display, 18,5:9 Seitenverhältnis mit 2960×1440 und GorillaGlass5
  • Samsung Galaxy S9+: 6,2 Zoll SAMOLED Infinity Display, 18,5:9 Seitenverhältnis, 2960×1440 Pixel, GorillaGlass 5
  • 12 MP, Dual Pixel, PDAF, f1.5/f2.4, OiS Hauptkamera. Das Samsung Galaxy S9+ hat zudem eine zweite 12MP Kamera mit f2.4 und der doppelten Brennweite der Hauptkamera.
  • 8MP f1.7 Frontkamera mit AF
  • Exynos 9810 Octa, 64bit, 10nm, 2,7GHz Quad+1,7GHz Quad
  • 4GB LPDDR4 RAM (Galaxy S9); 6GB LPDDR4 RAM (Galaxy S9+)
  • USB 3.1 Type-C, Wireless Charging
  • Gigabit LTE Cat 18, 4×4 MIMO/CA, Bluetooth 5.0 LE, WiFi a/b/g/n/ac, NFC, GPS
  • 3.000 mAh (Galaxy S9); 3.500 mAh (Galaxy S9+) Akku
  • Fingerprint-Scanner, 3,7MP Iris-Scanner, Intelligent Scan
  • IP68-Zertifizierung
  • Android 8.0 Oreo mit Samsung Experience 9.0
  • 147,7×68,7×8,5mm; 163 Gramm (Galaxy S9)
  • 158,1×73,8×8,5mm; 189 Gramm (Galaxy S9+)
  • Drei Farben zum Start in Deutschland: Midnight Black, Orchid Gray, Lilac Purple
  • Preis: 849 Euro UVP (Galaxy S9); 949 Euro UVP (Galaxy S9+)

UNBOXING: Der Lieferumfang des Samsung Galaxy S9

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Design und Verarbeitung des Samsung Galaxy S9

Auf den ersten Blick bestätigt sich, dass das Samsung Galaxy S9 eine Evolution des Galaxy S8 ist: optisch hat sich auf der Front des neuen Flaggschiffs wenig getan. Mit dem S6 edge fühte Samsung erstmals doppelt gewölbtes Glas auf der Front ein, mit dem S7 edge folgte dazu eine geschwungene Rückseite. Mit dem S8 setzte Samsung erstmals auf ein „Infinity Display“, also ein 18,5:9 Seitenverhältnis des Displays und verzichtete auf den Homebutton und eine Version ohne gewölbtes Glas auf der Front. Insgesamt hat Samsung seit Jahren ein eigenständiges Design und auch für das Galaxy S8 überwiegend viel Lob kassiert – logisch, dass man dieses Design mit dem Galaxy S9 nicht komplett über den Haufen wirft.

Auf der Front gibt es nur im Detail eine erkennbare Änderung: der Rahmen unterhalb des Displays ist dünner geworden. Was optisch nur schwer zu erkennen ist, macht sich in der Hand dann doch bemerkbar. Das Gerät wirkt noch schlanker.

Die große Änderung findet sich dann auf der Rückseite des Samsung Galaxy S9. Hier haben sich die Südkoreaner des größten Kritikpunktes des Vorgängers angenommen. 2017 hatte man noch ergonomisch unsinnig den Fingerabdrucksensor rechts neben die Kamera gelegt, 2018 zieht man diesen nun unter die Kamera. In eine Position, die deutlich, deutlich besser erreichbar ist. Allerdings ist die Position noch immer recht nah an der Kamera.

Haptisch kann man den Scanner gut ertasten, die Gefahr, dass man dennoch auf die Kamera fasst und für Schlieren auf Fotos sorgt, besteht – wenn auch auf einem niedrigeren Niveau – auch beim Galaxy S9. Samsung hätte diese vielleicht weiter mindern können, indem man die nun rechts neben der Kamera positionierte LED und den Puls- und Blutdruckmesser zwischen Kamera und Scanner positioniert hätte. Ob der Scanner dann aber ebenso gut zu erreichen gewesen wäre, ist schwer abzuschätzen.

Eine weitere Änderung auf der Rückseite betrifft ebenfalls die Kamera: während man beim Samsung Galaxy S9 auf eine Kamera setzt, differenziert Samsung mehr zu dem Galaxy S9+ und spendiert diesem ein zweites Kameramodul. Zu den Details später mehr, optisch jedenfalls sieht es nicht verkehrt aus.

Die Rückseite setzt erneut auf gewölbtes Glas, wie auch die Front. Während der Displayrahmen auf der Front passend zum Infinity Display schwarz bleibt, gibt es auf der Rückseite drei Farben in Deutschland: Midnight Black, Coral Blue und neu „Lilac Purple“ (sprich Leilac). Eine vierte, graue Farboption, die Live rein silbern wirkt, kommt vorerst nicht nach Deutschland. Wobei es ja inzwischen ein beliebtes Spielchen Samsungs ist, zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr durch neue Farbversionen neue Verkaufsakzente setzen zu wollen. Dennoch ist es erstaunlich, dass mit Weiß und Gold die Trendfarben der letzten Jahre komplett ignoriert werden. Ewig hieß es, der deutsche Mark sei sehr konservativ was Farben anging, nun kommt schwarz und eben zwei Farben – grundsätzlich zu begrüßen, ein „emerald green“, die Kombination aus Blau und Gold des Note7 oder ähnliche neue Farben fehlen allerdings. Das Lilac Purple weiß aber zu gefallen, die Farbnuancen sind stark von der Farbtemperatur des einfallenden Lichts abhängig.

Eine Neuerung sei noch erwähnt: Samsung bringt mit dem Galaxy S9 vermehrt auch DUOS-Geräte nach Deutschland.

Also Geräte, die zwei SIM-Karten unterstützen. Grundsätzlich begrüßenswert, warum man dies aber relativ unschön inmitten der Rückseite unter das Glas schreiben muss, bleibt wohl Samsungs Geheimnis.

Der Rahmen wiederum ist Samsung gelungen: nach Hochglanz beim Galaxy S8 gibt es nun wieder mattiertes Aluminium beim Galaxy S9. Gerade in der schwarzen Version sehr schick, aber auch in den beiden Farbversionen ansprechend. Der Rahmen besteht aus einer neuen Metalllegierung, AL7003 statt AL6013 verspricht ein stabileres Metall und entsprechend ein stabileres Gerät. Dazu trägt auch die Dicke bei: das S8 und auch S7 edge waren empfindliche Geräte, beim Galaxy S9 ist der Rahmen aus dem stabileren AL7003 Aluminium auch 0,2mm dicker – auf Smartphone-Ebene schon einiges. Das Glas hat Samsung ebenfalls verstärkt, O,6T statt zuvor 0,5T. Stärkeres Metall, dickeres Glas – dies verspricht eine bessere Haltbarkeit, auch wenn aufgrund des gewölbten Glases sicherlich keine Wunder zu erwarten sind.

Auf der Unterseite gibt es dann auch noch eine kleine Änderung: Samsung hat dem Lautsprecher ein neues Design spendiert. Dieser setzt auf ein großes Loch, dennoch ist auch das Samsung Galaxy S9 IP68 zertifiziert. Auf der Unterseite bietet Samsung auch weiterhin einen 3,5mm Klinke-Anschluss, dazu ein USB 3.1 Type-C-Anschluss. Der Lautsprecher ist übrigens nicht der einzige: in der Hörmuschel hat Samsung einen zweiten Lautsprecher verbaut und ermöglicht so einen Dolby Atmos Sound. Dazu später mehr.

Insgesamt ist das Design kaum verändert, zeigt im Detail aber eben doch eine Weitentwicklung des Samsung Galaxy S8. Ein nutzbarer Fingerabdruckscanner, schicke Farben, ein matter Rahmen und leicht dünnere Ränder auf der Front – das Samsung Galaxy S9 sieht hervorragend aus und ist ebenso verarbeitet.

Display und Sound des Samsung Galaxy S9

Beim Display hat sich auf dem Datenblatt nichts getan: 5,8 Zoll misst die Diagonale des Galaxy S9, 6,2 Zoll die des Galaxy S9+. Die gleichen Displaygrößen also, wie im letzten Jahr und auch in Sachen Auflösung und Technik hat sich nichts getan. Die SAMOLED-Panels sehen hervorragend aus und sind mit 2960×1440 Pixeln hoch aufgelöst. Von Haus aus liegt die Auflösung allerdings darunter, in den Einstellungen regelt Samsung diese auf FHD+, wohl auch um den Akku zu schonen.

DisplayMate attestiert dem S9 ein herausragendes Display, sehenswerte Unterschiede zum Galaxy S8 gibt es aber nicht. Sieht man mal von dem dünneren Rahmen unterhalb des Displays ab. Schön übrigens auch, dass Samsung weiterhin auf der Front nur auf einen schwarzen Rahmen setzt. Gerade in der schwarzen Version mit dem mattschwarzen Frame ist die Front weiterhin wie aus einem Guss.

Samsung bringt erneut ein Always on Display, kurz AoD, auf das Galaxy S9. Auf diesem werden einige Informationen und auch die Uhrzeit angezeigt – neben der Benachrichtigungs-LED kann man somit gut abschätzen, ob sich ein Aktivieren des S9 lohnt. Statt eines physischen Homebuttons gibt es auch beim S9 einen druckempfindlichen Bereich des Displays, diesen kann man auf dem AoD markieren und so immer erkennen, wo man drücken muss um das Samsung Galaxy S9 aufzuwecken. Den zuletzt beim S7 edge eingesetzten Homebutton vermisst man jedenfalls kaum.

In Sachen Sound hat sich dagegen mehr getan. Dies war auch dringend nötig, hat HTC etwa schon seit dem One M7 Lautsprecher auf der Front und auch Apple die Hörmuschel schon seit dem iPhone 6 als zweiten Lautsprecher genutzt. Das Samsung Galaxy S9 macht diesen Schritt nun auch, allerdings hörenswert: statt „nur“ einem zweiten Lautsprecher, ist dieser von AKG getuned und bietet auch Dolby Atmos. Dolby Atmos wird als Marke seit einiger Zeit beinahe verramscht und auf jeden Lautsprecher gepinselt, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Beim Samsung Galaxy S9 klingt der Lautsprecher dennoch nach mehr, als nur Stereo-Sound. Hört man entsprechendes Material mit Dolby-Atmos-Tonspur, ist es schon erstaunlich, wie viel Raumklang durch zwei Smartphone-Lautsprecher ermöglicht wird.

Hält man den (Haupt-)Lautsprecher auf der Unterseite zu, merkt man, dass nahezu alle Tiefen über diesen ausgespielt werden, der zweite Lautsprecher aber dennoch einen sehr klaren Ton liefert und den Ton des Samsung Galaxy S9 deutlich bereichert. Die Verbesserung gegenüber dem Galaxy S9 ist sehr gut hörbar, war aber auch überfällig.

Die Hardware des Samsung Galaxy S9

In Samsungs S-Serie setzten die Südkoreaner schon immer auf High-End. Allerdings gab es in den letzten Jahren auch immer wieder die Diskussion um den verbauten SoC: in den USA kommt auch dieses Jahr ein Snapdragon 845 zum Einsatz, der Rest der Welt bekommt einen Exynos 9810. Letzterer scheint etwas stärker zu sein, in der Praxis hat dies allerdings kaum eine Relevanz. Der Exynos 9810 setzt auf eine 10nm-Fertigung, eine auf 2,7 GHz getakteten Performance-Vierkerner und einen effizienteren Vierkerner mit bis zu 1,7 GHz. Als Grafikeinheit kommt eine Mali-G72 GPU mit bis zu 572 MHz zum Einsatz.

Spannender ist allerdings der Unterschied, den Samsung zwischen dem Galaxy S9 und Galaxy S9+ in diesem Jahr macht: während das reguläre Galaxy S9 einen 4GB großen LPDDR4 Arbeitsspeicher erhält, bekommt das Samsung Galaxy S9+ einen 6GB großen Arbeitsspeicher.

Theoretisch könnte dies auf den benötigten Arbeitsspeicher für die Dual-Kamera zurückzuführen sein, wirklich Sinn ergibt die Differenzierung allerdings nicht.

Unter der Haube gibt es 64GB UFS 2.1-Speicher, erweiterbar um bis zu 400GB (offiziell) per MicroSD. In Deutschland gibt es zudem exklusiv in Samsungs Onlineshop auch eine Version mit 256GB. Diese könnte für den ein oder anderen Nutzer auch interessant sein, wenn man zwei SIM-Karten nutzen möchte. Das Galaxy S9 kommt im freien Handel und auch bei einigen Providern als DUOS-Version. In dieser können zwei SIM-Karten genutzt werden. Allerdings in einem Hybrid-Slot, insofern hat man die Wahl zwischen dem Betrieb von zwei SIM-Karten oder aber einer SIM- und einer MicroSD-Karte.

Der Akku hat sich seit dem Galaxy S8 nicht geändert: das Galaxy S9 bietet 3.000 mAh, das Galaxy S9+ 3.500 mAh. Beide Geräte unterstützen Wireless Fast Charging.

Wobei „Fast Charging“ bei Samsung mehr und mehr Anlass zur Kritik bietet: während bei der Konkurrenz mit Quick Charge 3.0 und Dash-Charge schon Methoden im Einsatz sind, die ein extrem schnelles Aufladen ermöglichen, liegt das Galaxy S9 mit 9V und 1.67A auf etwa der Ladegeschwindigkeit des Galaxy S6. Und der Akku des Samsung Galaxy S9 und S9+ ist okay, mehr aber nicht. Über den Tag bin ich immer gekommen, wesentlich weiter aber auch nicht.

Die Software des Samsung Galaxy S9

Samsung bringt das Galaxy S9 mit Android 8.0 Oreo – leider noch nicht Android 8.1. Für mich ist das Betriebssystem zweitrangig, wichtiger ist der Rest und hier bringt Samsung mit der Samsung Experience 9.0 wieder mal ein überarbeitetes Nutzer-Interface an den Start. Allerdings nicht komplett umgekrempelt, sondern auch hier eher im Detail verbessert.

Ein paar Icons sehen anders aus und sonst tut sich auf den ersten Blick wenig. Bixby öffnet sich mit einem Strich nach links, die Notification Bar öffnet sich, wenn man den oberen Bildschrimrand nach unten zieht und der App-Drawer öffnet sich, wenn man auf dem Homescreen nach oben oder unten wischt.

Im Detail gibt es dann aber – versteckte – Verbesserungen. So kann man in den Einstellungen einstellen, dass mit einem Wisch nach unten auf dem Homescreen die Benachrichtigungsleiste geöffnet wird und nur beim Wischen nach oben alle Apps zu sehen sind.

Ebenso versteckt ist die Möglichkeit, auch den Homescreen im Landscape Mode zuzulassen. Dies ging bisher nur mit anderen Launchern oder Custom ROMs, Samsung hat hier offenbar erkannt, dass viele Nutzer das Infinity Display für Entertainment nutzen und keine Lust haben, dies zwischen den Anwendungen zu drehen.

Dual-Messenger erlaubt es, zwei Instanzen einer App zu installieren. Mit zwei SIM-Karten lässt sich also in den DUOS-Geräten also auch WhatsApp doppelt installieren. Der Umweg über den Sicheren Modus fällt also weg.

Sicherheit und das Galaxy S9

Das Galaxy S8 war ein Gerät, welches mich dazu gebracht hat, die PIN wieder zu nutzen. Schlug der Gesichtsscan fehl, blieb eben die PIN oder der Smart Lock mit meiner Gear S2 Classic. Mit dem Galaxy S9 hat Samsung direkt mehrere Sicherheitsfeatures verbessert.

Der Fingerprint-Scanner ist nun nutzbar. Der Fingerabdruck wird mit einem Wisch über den Scanner sehr schnell und genau eingespeichert (bei der Nutzung reicht natürlich das bloße Auflegen), die Erkennungsrate ist ausgezeichnet. Aktiviert man den Fingerabdruckscanner, wird das Gerät mit Nutzung dessen sofort entsperrt, man muss nicht noch irgendetwas drücken. Der Fingersensor kann auch für eine rudimentäre Gestensteuerung auf dem Galaxy S9 genutzt werden. Halbwegs praktisch, wobei man im Alltag dann doch noch zu sehr darauf achten muss, nicht auf die Kamera zu fassen – die Steuerung über das herausragende Display ist dann doch einfacher.

Wie zuvor hat Samsung dem Galaxy S9 auch wieder einen Privaten Modus spendiert. Auf der Basis von Knox wird so ein Teil des Systems verschlüsselt. Eine Art verschlüsseltes Betriebssystem im Betriebssystem, in welchem sensible Fotos, Videos und andere Daten gespeichert werden können, außerdem kann man hierin Apps verstecken. Wenn beispielsweise Kinder nicht unbedingt das neueste Ballerspiel daddeln sollen, kann der Private Modus helfen.

Auf dem S9 hebt Samsung auch eine vorherige Limitierung auf, die bisweilen nervig war. Auf dem S8 konnte man die Gesichtserkennung und den Iris-Scan nicht gleichzeitig nutzen. Auf dem Galaxy S9 gibt es nun den „Intelligent Scan“, der ebendies nun erlaubt – wobei damit dann auch die Sicherheit des Iris-Scans auf das Niveau der Gesichtserkennung absinken dürfte.

Bixby

Ja, das Samsung Galaxy S9 hat wieder einen dedizierten Button für Bixby. Man versucht weiter Bixby irgendwie Geltung zu verschaffen, hat aber noch immer kein Bixby Voice für die deutsche Sprache im Angebot. Die wesentliche Neuerung für Bixby findet man in der Kamera: über AR kann man mit Google Translate live in der Kamera Texte übersetzt dargestellt finden. Ziemlich cool, über Google Translate schon länger zu realisieren, nun aber in der Kamera einfach zu finden und auch auf Deutsch möglich.

Ansonsten hat Bixby wieder eine eigene Seite auf dem Homescreen. Ein Wisch nach Links und man landet in Bixby. Oder eben ein Drücken der Taste. Daher hier der wichtige Hinweis: oben rechts in Bixby lässt sich die Taste deaktivieren. Wer mag kann auf Drittanbieter-Apps zurückgreifen und dem Bixby-Button eine nützliche Funktion spendieren.

Die Kamera des Samsung Galaxy S9 – und die Grenze zwischen Gimmick und Feature

Das ganz, ganz große Augenmerk Samsungs lag für das Galaxy S9 offensichtlich auf der Kamera des neuen Flaggschiffs. In Sachen Hardware bietet man hier schon Bemerkenswertes. So hat das Samsung Galaxy S9 eine mechanisch variable Offenblende.

Mit f1.5 werden kurze Verschlusszeiten bei guten Lichtverhältnissen, oder aber die maximale Lichtausbeute bei schlechten Lichtverhältnissen ermöglicht. Das gab es so noch bei keinem anderen Smartphone, eine bemerkenswerte technische Leistung, über deren Sinnhaftigkeit man aber streiten darf.

Samsung verkauft die Nummer in der Werbung „wie das menschliche Auge“. Klar: viel Licht, kleine Pupille, weniger Licht auf dem Sensor und so dennoch ein gutes Bild. Wenig Licht, große Pupille, dennoch gut Licht auf dem Sensor.

Der Hauptsensor des Samsung Galaxy S9 ist mit 1:2,55“ und seine 12 Megapixeln nicht riesig. Der sichtbare Unterschied zwischen f1.5 und f2.4 ist bei guten Lichtverhältnissen gering. Ein bisschen weniger Tiefenunschärfe, das war es. Bei schlechten Lichtverhältnissen regelt die Automatik die Blende ohnehin nicht, sondern bleibt bei f1.5. Nur in wenigen Situationen macht eine f2.4 einen nennenswerten Unterschied für mich, so etwa bei sehr hellen Bedingungen, wo es alleine mit einer kürzeren Verschlusszeit nicht getan ist, sondern man noch ein paar mehr Details über die Blende herauskitzeln kann und Lens Flares so minimiert – das war es aber.

In der Überzahl der Fälle bleibt die Automatik auf f1.5 (und fängt so 28 Prozent mehr Licht als die f1.7 des Galaxy S8 ein) und wenn es zu hell ist, kann man dies auch über eine kurze Verschlusszeit regeln. Für mich ist die Blende technisch zwar beachtlich, rein praktisch aber hart auf der Grenze zum Marketing-Gimmick. Vielleicht bei absoluten Makro-Aufnahmen mit Mehrwert, auch bei extremer Lichteinstrahlung besser – das war es dann aber auch schon.

Dabei ist die Kamera selber herausragend. Samsung setzt auf 12 Megapixel, diese sind erneut Dual-Pixel, nutzen also einen Teil der Pixel für die Fokussierung. Der Autofokus ist herausragend schnell und übertrifft alles andere auf dem Markt. Noch interessanter ist der in den Sensor verbaute DRAM. Über diesen Zwischenspeicher kann die Kamera schnell ausgelesen werden. In der Praxis macht sich Samsung dies für eine Multi-Frame-Noise-Reduction zu Nutze. Zwölf Bilder werden quasi zeitgleich aufgenommen, diese werden zu vier rauschärmeren Bildern zusammengerechnet, von diesen werden die besten drei dann zu dem finalen Bild zusammengerechnet. Viel Leistung, von welcher der Nutzer exakt nichts merkt, sondern am Ende einfach ein um – laut Samsung – 30 Prozent rauschärmeres Bild erhält.

Das sieht man im Alltag auch, die Kamera des Galaxy S8 war schon sehr gut, die Kamera des Galaxy S9 schlägt diese aber gerade im Low-Light nochmals. Das Rauschen ist bemerkenswert gering, die Fokuszeit auch bei schlechten Lichtverhältnissen extrem flott. In Sachen Bildqualität macht dem Samsung Galaxy S9 und S9+ kein anderes Smartphone so schnell etwas vor. Das Galaxy S9+ unterscheidet sich von dem S9 durch eine zweite Kamera. Diese bietet eine etwas andere Brennweite und ermöglicht so einem doppelten, optischen Zoom auf der zweiten Kamera. Dies allerdings wie beim Galaxy Note8 nur bei guten Lichtverhältnissen, da sonst die Qualität der Linse mit f2.4 und dem kleineren Sensor schlicht nicht ausreichen würde, sobald es also dunkler wird, greift das S9+ beim Zoom auf den Hauptsensor zurück und rechnet die Ergebnisse zusammen.  Der Fokuseffekt ist nett, bleibt jedoch hinter den AR-Spielereien des iPhone X mit Stagelight und Co zurück. Die restliche Kamera-Software ist dagegen herausragend: Focus Peaking im Pro-Modus funktioniert hervorragend, wer mag kann hier auch die Blende und auch sonst alles einstellen. 4k-Videos sind auf fünf Minuten limitiert – was aber den meisten Nutzern dicke ausreichen dürfte. Insgesamt ist die Kamera des Samsung Galaxy S9 und S9+ herausragend gut.

AR Emoji und Super Slow-Mo

Zwei Funktionen muss man herausheben: Samsungs AR Emoji und die neue Super Slow-Motion des Galaxy S9.

Mit AR Emoji reagiert man auf Apples Animoji, allerdings nicht mit einer plumpen Kopie. Erst wird ein Selfie erstellt und auf Basis dessen automatisch ein halbwegs individualisierter Emoji erstellt. Wer mag kann diesen dann weiter anpassen, oder aber mit der Frontkamera die üblichen Mätzchen machen, die dann halbwegs ähnlich von dem eigenen Emoji übernommen werden. Apple ist da mit Face ID genauer und übernimmt die Bewegungen besser, bietet dafür aber nicht derart individualisierte Emojis. Besonders sympathisch ist es allerdings, dass man sich die Mätzchen vor der Kamera sparen kann: ein Selfie und achtzehn Reaction-Gifs werden automatisch in der Gallery gespeichert. Ohne sich zum Clown zu machen, ganz ohne Aufwand. Außerdem sind es Gifs, die universell einsetzbar sind. Deutlich praktikabler als Animojis.

Die andere, neue Funktion des Galaxy S9 ist die Super Slow-Motion. Mit dem an den Sensor angelagerten DRAM schafft es das neue Flaggschiff, 960 Bilder pro Sekunde in HD- oder 480 Bilder pro Sekunde in FullHD-Auflösung aufzuzeichnen. Allerdings nur für 0,2 Sekunden. Danach dauert es drei Sekunden, bis erneut in Slow-Motion aufgezeichnet werden kann. Die Ergebnisse sind beeindruckend langsam und tatsächlich lassen sich so tolle Slow-Motion-Aufnahmen aufzeichnen, die auch besser als die des iPhone X wirken – allerdings ist die Aufzeichnung von dauerhaften 240 fps in der Praxis einfacher.

Samsung betont zwar, dass man dem Galaxy S9 eine Automatik spendiert hat, diese ist allerdings noch längst nicht einfach zu bedienen. Gut funktioniert diese, wenn sich wirklich nur für 0,2 Sekunden etwas vor der Kamera bewegt. Dann kann die Bewegung perfekt erkannt werden. Die Kamera muss hierfür allerdings bestenfalls komplett stillgehalten werden, ansonsten funktioniert schon die Automatik nicht.

Ungleich schwieriger wird es allerdings, wenn sich viel bewegt und ein bestimmter Moment in der Bewegung abgepasst werden soll. Die Automatik hilft hier quasi nicht (sie erkennt permanent Bewegung und löst relativ beliebig alle paar Sekunden aus), weshalb der Moment dann doch manuell erwischt werden muss. 0,2 Sekunden per Fingerdruck abzupassen hat sich jedoch schon bei Sonys Slow-Motion als extrem schwierig erwiesen. Gelingt die Aufnahme in Slow-Motion aber, sind die Ergebnisse sehenswert. In meinem Alltag habe ich aber auch auf früheren Smartphones keine Slow-Mo genutzt, dass diese nun noch langsamer ist, wird hieran voraussichtlich wenig ändern.

Tl;dr – das Fazit

Selten hat mir ein Gerät so gut gefallen wie das Samsung Galaxy S9. Selten hatte ich bei einem Flaggschiff so wenig „Wow-Effekt“. Nicht falsch verstehen, das Samsung Galaxy S9 scheint für mich aktuell eines der besten Smartphones, vielleicht sogar das beste Smartphone, zu sein. Aber es zeigt zeitgleich auch, wie gut Samsung schon das Galaxy S8 gelungen war. Man betreibt klassische Modellpflege, indem man die paar Kritikpunkte des Galaxy S8 ausmerzt. Das Ergebnis ist ein herausragendes Smartphone – ohne Wow-Effekt, da man es eigentlich seit dem letzten Jahr kennt. Es ist platt ausgedrückt das Galaxy S8 wie es hätte sein müssen. Wer ein Galaxy S8 hat, braucht nicht wechseln. Das weiß auch Samsung und bietet eine ziemlich umfangreiche Trade-In-Aktion in Deutschland an. Wer ein älteres Smartphone als das Galaxy S8 nutzt, findet in dem Samsung Galaxy S9 und Galaxy S9+ das beste und vielleicht auch das schönste Smartphone auf dem Markt.

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