Samsung verklagt (offenbar doch nicht) Testimonial in Russland für iPhone-Nutzung

Alle paar Monate muss ein Smartphone-Hersteller lernen, dass erkaufte, austauschbare, unkritische Werbegesichter auch problematisch sein können. Die laufenden Werbe-Testimonials, neudeutsch „Influencer“ oder auch im PR-Sprech „Brand Ambassador“ genannt sind nicht nur authentisch wie die Frisur Donald Trumps, sondern häufig auch noch so hohl, wie die Person darunter.

Klar, Influencer gehören inzwischen zum guten Ton der Werbebranche, da man hierbei perfekt gute Zahlen erkaufen kann. Gut, Influencer schummeln bei den eigenen Zahlen gerne mal schamlos, Agenturen wollen das aber gar nicht hinterfragen, sondern unbedingt den ohnehin schon lächerlich teuren Influencer noch teurer an den Kunden verkaufen, obwohl der ROI und tatsächliche Mehrwert von ziemlich vielen „Influencern“ kritisch hinterfragt gehört und der Kunde/das Unternehmen spielt das Spiel mit, da das ja jeder so macht. Die „Brand Ambassadors“ sind dann Influencer auf einer anderen Ebene, sie müssen über ihre Reichweite oder ihre Daseinsberechtigung nicht mehr lügen, sondern sind schlicht schon so bekannt/präsent, dass sie in die vorderen Ränge des Konsonanten-Promi-ABC gerückt sind. Hier zahlen Unternehmen dann, weil es totaaaaal super ist, wenn man diese Personen schon mit einem Gerät der Marke XY sieht. Das Blöde sind dabei häufig die Influencer und „Brand Ambassadors“ selber, die entweder absolut austauschbar alle paar Sekunden Werbung eines anderen Unternehmens/der Konkurrenz bringen oder aber bei Smartphones gerne mal über das neue tolle Smartphone des Herstellers XY „gesendet von meinem iPhone“ twittern.
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So ähnlich hat es angeblich nun Samsung in Russland erwischt. Dort hatte man sich eine Konsonanten-Prominente als „Brand Ambassador“ geangelt, die auch gerne mal als „russische Paris Hilton“ bezeichnet wird. Mir ist unklar, ob sich das auf Porno-Videos, ein Hotel-Imperium oder eine Omnipräsenz in der Boulevardpresse bezieht, ich tippe auf Letzteres. Jedenfalls wurde Ksenia Sobchak dabei erwischt, wie sie ein iPhone X nutzte, statt diverser Samsung-Smartphones, die sie laut Werbevertrag nutzen sollte. Vor laufender Fernsehkamera wie auch auf anderen Events soll sie eben das iPhone X und kein Samsung-Smartphone genutzt haben. Dämlich und möglicherweise auch teuer. Oder auch nicht. Die britische Seite Mirror.co.uk hatte gemeldet, dass Samsung Sobchak nun auf Zahlung von 1,6 Millionen Dollar verklagen würde. In Russland wurde aber eben dies gegenüber BBC bereits dementiert. Tatsächlich basiert die Zahl von 1,6 Millionen Dollar eher aus einem einer Forderung „was Samsung einklagen sollte“ eines Autoren in Russland. Blöd nur, dass die Meldung, dass es keine Klage gibt kaum die Runde machte, während die Falschmeldung von mirror.co.uk viral lief. Auch ich hatte sie in der ursprünglichen Version des Artikels aufgegriffen.

Korrektur: in einer früheren Version dieses Artikels hieß es noch, dass Sobchak verklagt würde. Roland hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Story in Russland dementiert wurde.

via Mirror.co.uk und Appleinsider; Korrektur via BBC Russland mit Dank an @rquandt

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