DBüDT: Das OnePlus 8 Pro

2019 dürfte in der Smartphone-Branche dafür stehen, dass ein Hersteller einem schwer zu berechnenden Präsidenten ausgeliefert wurde. 2020 dürfte aber zumindest für Europa dennoch dafür stehen, dass chinesische Hersteller den Markt (weiter) erobern wollen. Zwar ist Huawei hierzulande durch Trump weiterhin ausgebremst – ein Umstand, der mich sehr stört, da das P40 Pro ansonsten das S20 Ultra sauber schlagen könnte.

Aber andere chinesische Hersteller drängen auf den Markt. Vivo hat sich zwei der führenden Marketing-Köpfe Samsungs geschnappt, Oppo den Pressesprecher von 1&1 und früheren PRler auf Agenturseite Samsungs. Beide Unternehmen gehören zur chinesischen BBK-Gruppe, diese ist allerdings schon länger hier vertreten: mit OnePlus.

Das Samsung Galaxy S20 Ultra nutze ich seit Wochen und meine Meinung ist hier nicht durchweg positiv. Daher habe ich mir zwei weitere Flaggschiffe 2020 geholt. Einmal das Huawei P40 Pro (mehr dazu in einem anderen Artikel) und einmal das OnePlus 8 Pro. Zeit für einen Blick über den Tellerrand.

OnePlus macht seit Jahren vor, wie man eine sehr spezielle Nutzergruppe aus technisch affinen und hoch anspruchsvollen Nutzern anspricht: eine enge Bindung an die Community, eine schnelle Software und immer wieder auch ein direktes Aufgreifen von Feedback. Zuletzt war mir OnePlus mit dem 7 Pro aufgefallen, welches wir schon hier im Vergleich zu dem Galaxy S10+ getestet hatten. 2020 hat man an verschiedenen Stellschrauben das Gerät aktualisiert – unter dem Strich gibt es nur einen Punkt Abzug.

Beim Design hat OnePlus keine riesigen Sprünge zum OP7 Pro gemacht: keine herausfahrbare Frontkamera führt zu einer weniger kopflastigen Gewichtsverteilung, dafür setzt man auf eine knapp 4mm große Punchhole-Notch im Display. Oben links, relativ unauffällig.

Auf der Rückseite gibt es ein Design, welches in den Grundzügen dem Vorgänger entspricht. Hier gibt es Licht und Schatten: extrem gut gefällt mir die Farbe und Textur der Rückseite. OnePlus setzt hier auf mattiertes (Gorilla-)Glas mit verschiedenen Farbfolien darunter. Das sieht hervorragend aus, liegt beinahe weich in der Hand, ist hierdurch ein klein wenig flutschig aber auch beinahe unempfindlich gegen Fingerabdrücke. Das gefällt mir sehr gut, Samsung ist bei Flaggschiffen leider eher langweilig was Farbe und Finish angeht. Schatten gibt es aber auch: die Frontkamera ragt in etwa ebenso aus der Rückseite heraus wie auch beim Galaxy S20 Ultra – die harte Kante gefällt sicher nicht jedem. Außerdem haben fast alle Hersteller inzwischen eine rechteckige Form für die Kameramodule eingeführt, um hier Platz für große Sensoren und Zoom-Linsen zu geben, OnePlus nutzt dieses Design nicht.

Das Display wiederum kann alle Pluspunkte sammeln: 1.300 nit bei einer Auflösung von 3168×1440 auf 6,78 Zoll mit bis zu 120 Hertz auch bei voller Auflösung, dazu eine hervorragende Farbkalibrierung – hier lässt sich für jeden Nutzer alles einstellen: hohe Auflösung, hohe Bildwiederholung, hohe Akkulaufzeit oder irgendetwas dazwischen. Beim Galaxy S20 Ultra setzt man dazu auf ein flaches Display. Das hatte viele frühere Nutzer gefreut, die Samsungs Edge nicht mögen, beim OnePlus 8 Pro zeigt sich aber schlicht, dass bei so großen Geräten gewölbtes Glas auf der Front bei der Ergonomie für Pluspunkte sorgt. Unter dem Display sitzt ein optischer Fingerabdrucksensor, Samsung bleibt der einzige Hersteller der hier auf Ultraschall setzt – bei OnePlus funktioniert der Scanner schneller und mit weniger fehlgeschlagenen Erkennungen. Übrigens: das Display wurde von Samsung gefertigt.

Bei der Hardware hatte OnePlus je her fast alles, was das Geek-Herz der Zielgruppe wünscht und beim OnePlus 8 Pro hört man auf lange Kritik und hat unter dem Strich nur noch einen Abzug in der B-Note hier stehen: man bietet nur noch Smartphones mit 5G an Bord, beim OP8 Pro kommt ein Snapdragon 865 mit 5G durch X55-Modem zum Einsatz.

Beide Displays auf maximaler Helligkeit, übrigens – das Galaxy S20 Ultra liegt hier rechts.

Dazu gibt es 8GB/128GB oder 12GB/256GB für Arbeitsspeicher und internen Speicher. Hier liegt für mich ein kleiner Abzug in der B-Note: OnePlus verzichtet weiter auf die MicroSD, man begründet das mit einer sichereren Performance. Neu für OnePlus ist (endlich) die Möglichkeit des kabellosen Ladens und eine IP68-Zertifizierung. Beides wurde lange von der Community gefordert.

Bei der Kamera war OnePlus seit Jahren immer einen halben Schritt hinter den absoluten Flaggschiffen von Huawei und Samsung. Auch 2020 bleibt man leider dabei: die Kamera kann „nur“ 4k mit 60fps und einer guten Stabilisierung aufnehmen, auf 8k muss man verzichten. Die Hauptkamera setzt dabei auf einen Sony IMX689, der auf 1,12 Mikrometer große Pixel bei einer Auflösung von 48MP mit einer Offenblende von f1.78 setzt. Bei Samsung ist die Auflösung höher, die Pixel aber kleiner und die Verarbeitung langsamer. Beim Hauptmodul habe ich im Alltag in vielen Fällen etwa das Niveau des S20 Ultra gesehen, wenn es dunkel wird liegt das Huawei P40 Pro vorne. Dennoch: OnePlus hat hier eine hervorragende Hauptkamera. Dazu kommt eine 48 MP Ultraweitwinkel-Kamera, die ebenfalls sehr gute Bilder liefert. Deutliche Abzüge zur Konkurrenz gibt es aber bei der Zoom-Kamera: OnePlus bietet hier eine 16MP f2.4 Kamera mit etwa zweifacher optischer Brennweite, die zusammen mit der hohen Auflösung und einem Crop einen dreifachen Zoom liefert. Allerdings liegen Huawei und Samsung über Periscope-Kameras bei einer fünffachen optischen Brennweite, die zusammen mit hohen Auflösungen im Zusammenspiel mit den Hauptsensoren deutlich bessere Zoom-Ergebnisse liefern. Hier bleibt der halbe Schritt Rückstand zur Spitzenklasse also bestehen.

Ansonsten kann OnePlus Punkte mit einer unfassbar schnellen Software sammeln, die sich individualisieren lässt – auch wenn der Dark-Mode leider etwas zu versteckt ist. Warp-Charge 30t lädt (kabelgebunden) das Gerät in weniger als einer halben Stunde auf 50 Prozent.

Tl;dr – ein erster Eindruck

OnePlus hat immer meine Sympathie gehabt: der Underdog für Geeks. Die Marke ist hierzulande etabliert. Was mich aber wundert: in der BBK-Gruppe hat Oppo mit dem Find X2 Pro einen Periscope-Zoom auf Lager, OnePlus nutzt diesen aber nicht. Schade eigentlich, das Display, eine unfassbar schnelle und gute Software und ein tolles Finish der Rückseite sammeln hier mächtig Punkte. Wobei einige Punkte dann doch nur im Geek-Lager überhaupt auffallen dürften. Mein persönlicher Gold-Standard für vernünftige Nutzer, meine Verlobte, erkennt keinen Unterschied zwischen 60 Hertz und FHD+ und der hohen Auflösung bei 120 Hertz. Das OnePlus 8 Pro ist ein Flaggschiff etwas abseits vom Mainstream. Leider wird 2020 aber deutlich, dass Qualcomm sich 5G sehr, sehr gut bezahlen lässt und das treibt auch für das OnePlus 8 Pro mit dem Snapdragon 865 die Preise. Günstig war OnePlus schon länger nicht mehr und beim OnePlus 8 Pro spielt man nun auch preislich sehr weit oben mit: 899 Euro für 8/128GB, 999 Euro für 12/256 Euro.

(Ein Video folgt in einigen Tagen, ein Patch stand noch nicht bereit)

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