Google Nexus 10 – Was kann das 10 Zoll Nexus-Tablet? [Review]

Google hatte seit Beginn des Android-Projektes Geräte, die direkt von Google mit der Software beliefert wurden. Die Nexus-Reihe hat mit dem Google G1 (von HTC hergestellt) begonnen, inzwischen hat Google aber die Nexus-Strategie geändert und bietet mit dem Nexus 4 (von LG), dem Nexus 7 (von Asus) und dem Nexus 10 (von Samsung) Geräte für alle derzeit gängigen Gerätegrößen an.

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Das Google Nexus 10 kommt mit einem 10,055 Zoll großen Display mit einer Auflösung von satten 2560×1600 daher. Mehr als derzeit jedes andere Tablet (auch das iPad 3 oder 4) bietet und die Auflösung, die Apple bei dem MacBook Pro Retina auf 15 bzw 13.3 Zoll (!) einsetzt – nur eben auf 10 Zoll. Unter der Haube schlägt dazu der Samsung Exynos 5250 SoC mit ARM Cortex-A15 Struktur. 1.7 GHz Dual-Core und eine neue Mali-T604 GPU: Leistung pur. Ob das reicht?

Lieferumfang:

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Der Lieferumfang ist … nun ja: Unterdurchschnittlich. Eine sehr knappe Bedienungsanleitung, das Google Nexus 10 und ein Ladegerät – das war es. Vor allem befinden sich (leider) keine Kopfhörer im Lieferumfang! Zu dem Ladegerät muss man (leider) auch ein paar Worte verlieren: 2A/5V reichen, um den 9.000 mAh Akku des Google Nexus 10 in rund 5 Stunden zu laden – immerhin, allerdings könnte es schneller gehen. Schlimmer ist allerdings, dass der Adapter nicht genug Saft liefert, um das Google Nexus 10 bei stromfressenden Anwendungen (vor allem Spielen) zu laden oder wenigstens am Entladen zu hindern. Ärgerliches Beispiel: Man zockt Need for Speed Most Wanted, steht kurz vor einem neuen Highscore und der Akku meldet sich und sagt nur noch 10 Prozent an – man schließt das Nexus 10 an den Adapter an, spielt weiter und nach einer gefühlten Stunde stürzt das Google Nexus 10 ab. Nicht etwa, weil Android 4.2 Probleme macht, sondern weil der Akku trotz Ladekabel weiter geleert wurde und schlichtweg leer war.

Videolink

Verarbeitung und Design:

im Vorfeld wurde nach einigen Leaks über das erwartete Design des Google Nexus 10 die Nase gerümpft: Zu rund, zu breite Ränder. Tatsächlich ist das Design danach schon häufig gelobt worden und mir gefällt es inzwischen echt gut. Die breiten, leicht abgerundeten Ränder sorgen dafür, dass man das Google Nexus 10 super für Spiele nutzen kann und es trotzdem noch angenehm in der Hand liegt. Allerdings wirkt die Front mit ihren großen und einfach nur schwarzen Rändern teilweise doch recht “nackt”, vielleicht hätte hier ein “Nexus” oder ähnlicher Schriftzug gut ausgesehen. So wirkt es allerdings auch erfreulich schlicht – eine Geschmackssache am Ende! Die Lautsprecher links und rechts auf der Front des Nexus 10 sind jedenfalls eine super Sache. Bei einem Smartphone machen die meiner Meinung nach nicht wirklich Sinn, bei einem Tablet dagegen schon: Nur die oberen 3 Zentimeter werden genutzt, der Rest dient nur der Symmetrie - hat aber auch den Vorteil, dass das man die Lautsprecher nie komplett verdeckt.

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Ein paar Worte noch zur Rückseite: Blankes Metall hat den Nachteil, dass es rutschig ist. Trotzdem mag ich es normalerweise wegen der Temperatur und der edlen Haptik bei Smartphones und Tablets. Will man aber etwa ein iPad auf die Knie legen, wird die Nummer rutschig – bei dem Google Nexus 10 hat man dieses Problem nicht. Auf der Rückseite gibt es einer Art Gummierung, die das Gerät extrem griffig macht. Nachteil: Fingerabdrücke gehören ständig dazu, hätte man bei eloxiertem Alu sicher nicht/weniger, aber dieses wäre eben auch nicht so griffig. Apropos griffig: 603 Gramm wiegt das Nexus 10 und damit 49 Gramm weniger als das vergleichbare iPad 4 (ohne 3G, mit 3G ist dieses noch schwerer). Das Gewicht ist angenehm und falls man es nicht mehr in den Händen halten möchte, rutscht es wenigstens nicht von den Knien dank der Rückseite. Man kann die Rückseite mögen, weniger wertig, dafür funktionaler als etwa die des iPad. Ansonsten kann man zum Design noch sagen, dass die wenigen Tasten sehr gut sitzen und nicht wackeln, die Anschlüsse (MicroHDMI, MicroUSB und 3.5mm Klinke) sind nicht verschließbar – was mich auch nicht stört. Das Notification-Light an der Unterseite gefällt mir gut, angenehm dezent, leider leuchtet sie ab Werk aber nur in weiß und blau:

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Das Display:

2560×1600 Pixel, zweitausendfünfhundersechzig mal tausendsechshundert Pixel, man kann es kaum häufig genug sagen. Pixel gibt es hier nur unter dem Makro:

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Während bei Laptops gerade erst FullHD Normalität wird, setzt das Nexus 10 auf die Auflösung, die Apple dem Über-Notebook MacBook Pro Retina einsetzt. Nachteil der hohen Auflösung und der Größe: Samsung setzt aus Kostengründen und technischer Machbarkeit nicht auf die (s)AMOLED-Technologie sondern auf eine Art PLS-Technik. Die Schwarzwerte sind geringer und die Kontraste nicht so stark wie etwa bei einem Galaxy Note II, allerdings soll ja gerade die AMOLED-Technologie auch bei einigen nicht so gerne gesehen werden. Scharf ist das Display auf jeden Fall und macht bei Filmen besonders Spaß (Ice Age ist gratis im Play Store für Besitzer eines Google Nexus 10 erhältlich). Mehr als etwa das iPad mit dem veralteten 4:3 Formfaktor meiner Meinung nach. Einen Fehler gibt es aber auch hier: Wie früher Apple bei dem iPad 2 mit “Einleuchten” der Hintergrundbeleuchtung kämpfte, hat auch mein Google Nexus 10 zwei kleinere Lichthöfe in der rechten unteren Ecke. Sichtbar werden diese eigentlich nur bei einem schwarzen Bild, ein Fehler (wenn auch kein störender) bleibt es trotzdem.

Einleuchten 620x433 Google Nexus 10   Was kann das 10 Zoll Nexus Tablet? [Review]

Trotzdem: Ein herausragend gutes Display, welches ich nicht mehr vermissen möchte.

Leistung und Spiele:

Jau, hier schöpft das Google Nexus 10 aus den Vollen. Der Exynos 5250 SoC reicht für alle Anwendungen und es ruckelt nichts. Eigentlich. Neigt sich der Akku Richtung 10-15 Prozent, ruckeln einige Spiele (leider ändert dann auch das Anschließen des Ladekabels wenig). Vor dem Zocken sollte man das Teil also aufladen (50 Prozent oder mehr) und dann macht es auch länger Spaß:

Videolink

Einen Haken gibt es dann aber doch: Apple punktet mit tausenden optimierten Spielen für Tablets, bei Android sieht die Sache anders aus. Apps haben eine Smartphone- und eine Tablet-Ansicht und skalieren je nach Auflösung hoch. Damit sollte auch die bisher einzigartige Auflösung des Google Nexus 10 eigentlich kein Problem sein, in der Video-Review am Ende sieht man aber etwa bei dem Spiel “Babel Rising 3D”, dass einige Spiele eben noch nicht mit der Auflösung oder der GPU harmonieren. Das dürfte sich irgendwann ändern, wenn/falls die Entwickler das Nexus 10 tatsächlich als lohnenswert für Optimierungen erachten. Time will tell, die meisten Apps funktionieren aber ohnehin ohne Probleme.

Die Software: Android 4.2

Der große Vorteil der Nexus-Geräte ist nacktes Android und die damit verbundenen (fast) sofortigen Updates auf die neueste Android-Iteration. Das letzte “pure” Android was ich nutzte war auf dem Galaxy Nexus und nach einigen Meckereien über Samsungs TouchWiz von verschiedenen Seiten, war ich gespannt, wieder pures Android zu testen. Auch wenn es jetzt einige Android-Fans schockieren mag: Ich will Samsungs TouchWiz auf dem Google Nexus 10. Android 4.2.1 wirkt leider an einigen Stellen nicht ganz durchdacht: Kein PopUp-Play, die Benachrichtigungsleiste ist geteilt, die Schnelleinstellungen nun auf der rechten Seite, links die normalen Benachrichtigungen – so weit so gut, allerdings nerven mich diese im Vergleich zu TouchWiz. Zur Lautstärke fehlt etwas, WiFi lässt sich nur mit drei Klicks deaktivieren (oder man versenkt das Tablet direkt im Flugmodus) und die Helligkeitsregelung braucht auch einen Klick mehr als Samsungs TouchWiz. Ich habe häufig gegen TouchWiz gewettert, mit der Nature UX ist Samsung aber offensichtlich großes gelungen: Es gefällt besser als pures Android.

Quick Settings nexus10 620x422 Google Nexus 10   Was kann das 10 Zoll Nexus Tablet? [Review]

Bleibt noch Photo Sphere. Eine “tolle neue Kamera-Funktion”, die 3D-Panoramabilder erlaubt. Joa, nette Sache, wenn man sich extrem viel Zeit nimmt, um die Fotos genau zusammenzusetzen, in der Praxis mag die Funktion auf einem Nexus 4 oder in Zukunft vielleicht auf der Galaxy Camera Spaß machen, Fotos machen mit einem Tablet sieht einfach blöde aus und durch die Größe des Geräts, sind Verwacklungen ungleich schwerer zu vermeiden als etwa bei einer kleinen Kamera oder einem Smartphone. Kurz: Ich bin nicht gerade begeistert von Android 4.2. Einzig nützliches Feature für mich: Multiple Nutzer-Accounts. Lädt ein anderer Teilnehmer beispielsweise dann auch die Facebook-App herunter, wird diese nicht nochmals installiert, sondern lediglich die Nutzerdaten nochmals angelegt. Praktisch für Familien und Co.

TLDR? Mein Fazit:

Die Hardware ist erste Sahne, Android 4.2 hat ein paar kleinere Macken – zu dem Preis von 399€ (16GB) oder 499€ (32GB) macht man aber absolut gar nichts falsch bei dem Google Nexus 10. Normalerweise behalte ich die Testgeräte nach dem Kauf nicht, einfach, da es mein Geldbeutel nicht zulässt, das Google Nexus 10 wird aber mein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bleiben. Froh kann sein wer eins ergattert – die Liefersituation ist nicht wirklich gut. Mit den 16 GB Speicher muss man ein wenig haushalten – 100€ mehr für 16GB zusätzlich finde ich aber unverschämt.  Probleme mit beziehungsweise ohne optimierte Apps gibt es wenige, hochwertige Apps gibt es aber unter dem Strich für das iPad noch deutlich mehr. Zum Arbeiten fehlt noch ein vernünftiges Tastatur-Dock und selbst wenn es ein solches gäbe, würde ich vermutlich zum produktiven Arbeiten eher zu einem Windows 8- Tablet oder wenigstens dem Note 10.1 mit den praktischen S-Pen Funktionen greifen. Für mich bleiben Tablets aber vor allem eins: Entertainment-Devices und diesen Job erfüllt das Nexus 10 herausragend gut. Mir macht es Spaß, allerdings gibt es immer wieder die Situation, wo man dann doch eher zum Galaxy Note II greift: schon halb ein Tablet, dafür aber mit 3G. Hier das (sehr ausführliche) Video zur Review. Falls jemand eine vernünftige Tasche findet, bitte melden – Zubehör für das Nexus 10 ist noch Mangelware.

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