Die Samsung Series 9 – Ein Laptop nah an der Perfektion?! (Review)

Herkömmliche Desktop-PCs sind am sterben und Smartphones und Tablets übernehmen immer mehr unseren Alltag. Wenn es aber um das produktive Arbeiten geht, bleibt eine Tastatur und eigentlich auch ein vollwertiges Office-Paket (ja, ich weiß um GDocs und Co. – wer darauf versucht hat eine Seminararbeit zu schreiben, weiß, dass es mühsam ist) unverzichtbar.

Der Laptop ist und bleibt für mich das zentrale Gerät wenn es um das produktive Arbeiten geht, dabei ist es aber immer erfreulicher, wie schlank, leicht und gleichzeitig leistungsstark Notebooks werden. Ich war extra in Korea, um mir die Samsung Series 9 erklären zu lassen, dass es aber trotzdem Fehler gibt, musste ich selber herausfinden.

Design, Verarbeitung und Haptik:

Ich würde behaupten, dass Samsung mit dem Design wirklich ein großer Wurf gelungen ist: mattes grau/blau/schwarz (die Farbe ändert sich ganz dezent je nach Lichtverhältnissen – oder es liegt an meiner Farbenblindheit) bestimmt die Flächen, die leicht geschwungene Seitenlinie aus blankem Aluminium verleiht dem Gerät aber eine erfreuliche „Klasse“. Man fühlt sich irgendwie an ein Messer erinnert. Übrigens: Nein, es sieht nicht aus wie das MacBook Air. Wenn man das behauptet, hat man entweder noch nicht beide Geräte nebeneinander gesehen oder aber man sagt, dass alle flachen Laptops wie das MacBook Air aussehen.

Das Design ist also sehr gelungen – aber nicht perfekt: Die Lüftungsschlitze auf der Unterseite und Rückseite hätte man sicher irgendwie anders positionieren können, allerdings – so sagte man mir in Korea – hätte das zu Problemen bei der Bauhöhe von 12.9 Millimetern geführt. Apropos Bauhöhe: bisher das dünnste Notebook auf dem Markt (meines Wissens nach), auch dünner als die Ultrabook- und MacBook-Konkurrenz. Dazu ein Gewicht von 1.16 Kilogramm, einfach herausragend. Ich transportiere die Samsung Series 9 im Alltag wie einen A4-Collegeblock. Einen kleinen Design-Minuspunkt würde ich aber für den SD-Slot geben, die Karte lässt sich nicht vollständig in das Gerät versenken und so ragt sie leider permanent (dazu später) über den Rand hinaus.

Die Verarbeitung ist sehr gut, edles Aluminium fühlt sich an der Haut gut an und dass man das Gerät an dem aufgeklappten Display halten kann, spricht für die Qualität. Nichts knarzt und das vollständig klickbare Touchpad macht Spaß.  Dazu die dezente, nur bei entsprechend dunkler Umgebung einschaltbare, Tastaturbeleuchtung hinter den Tasten mit dem perfekten Druckpunkt – meiner Meinung nach optimal und so wie es sein sollte. Übrigens erfreulich: Samsung macht bei dem allgemeinen Wettbewerb „Wie viele Werbe-Crap-Sticker-mit-sinnfreien-Auszeichnungen-kann-ich-auf-mein-neues-Notebook-kleben“ nicht mit und versaut das Äußere nicht. Zwei Aufkleber (Win 7 und Core i5) sind von Intel und Microsoft vorgegeben, stören aber nicht (befinden sich bei einigen Geräten zudem auf der Rückseite). Übrigens: Schwarz zieht Staub an.

Leistung, Speicher und Geschwindigkeit

Samsung setzt bei dem Flaggschiff der eigenen Laptops auf eine Sandisk U100 SSD. Das verstehe ich absolut nicht und frage mich, warum man nicht auf selber hergestellte und wohl deutlich schnellere SSD gesetzt hat. Zwar kommt die Samsung Series 9 bei dem Bootvorgang auf Rekordzeiten, da Samsung Hand an verschiedene Parameter gelegt hat, im Alltag ist die SSD der Series 9 aber immer mal wieder in der Verlegenheit, eine Denksekunde zu brauchen. Versteht mich nicht falsch, eine SSD ist gefühlt um den Faktor 5000 schneller als jede herkömmliche Festplatte, aber warum Samsung bei dem eigenen Flaggschiff nicht auch auf die eigenen, schnellen SSDs setzt – ich kann es nicht nachvollziehen.

Trotzdem ist die Samsung Series 9 beim Start herausragend, nach 10-12 Sekunden könnt ihr mit dem Gerät arbeiten. Der Nutzer zahlt dafür aber auch einen gewissen Preis: die Schnelltasten sind erst nach weiteren 40 Sekunden nutzbar – schnell den Ton ausschalten ist so also nicht möglich. Ich selber habe meine Series 9 allerdings seit gefühlt einem Monat nicht mehr ausgeschaltet: der Energiesparmodus ist wirklich akkusparend.

Wenn wir schon beim Thema Energiesparmodus und SSD sind: Samsung belegt 5 GB der SSD für den Standby-Modus, fährt das Gerät also in den Standby, wird die SSD hier beschrieben und bei dem (schnellen) Aufwachen geht es hier weiter. Meine erste Aktion war es, den Standby zu deaktivieren (im Energiesparmodus wird kaum mehr Strom im Alltag verbraucht) um die SSD zu schonen. Die 5 GB Speicher bleiben aber unbenutzbar.

Hier liegt für mich persönlich auch einer der ganz wenigen echten Kritikpunkte der Samsung Series 9: wenn ich einen Laptop mit einer 128 GB SSD kaufe, weiß ich, dass ich entweder wenig Platz für meine Arbeit benötige oder aber mit dem Platz haushalten muss. Samsung belegt bei der 128 GB SSD aber 5 GB für den Standby und satte 25 GB (!) für eine Recovery-Partition. Ich selber habe noch nie eine Recovery-Partition genutzt, sondern immer (dank der günstigen HDD-Preise) alle paar Monate eine Sicherung auf eine externe Festplatte gelegt. Die Recovery-Partition ist für mich also komplett unnütz, belegt aber satte 25 GB. Das heißt, dass ich bei der 128 GB Variante am Ende nur knapp 92 GB Speicher aktiv nutzen kann – ein absolutes No-Go für mich. Ich bearbeite immer mal wieder Filme mit dem Laptop und da sind 5, 10 GB schnell genutzt. Hier ein Video, wie man die SSD einfach wechselt:

Beim Thema Filmbearbeitung gibt es aber auch positives zu melden: der Intel i5 3317U in der Samsung Series 9 900X3C A02 hat ordentlich Dampf. 2×1.7 GHz und bis zu 2.6 GHz im Turboboost sind für jeden normalen Nutzer mehr als ausreichend. Im Windows 7 Leistungsindex (damit dürften wohl die meisten etwas anfangen können) spuckt eine 6.9 in der Teilbewertung aus.  Beim Rendern von 1080p-Filmen brauche ich meistens pro Filmminute zwischen 2 und 3 Minuten (eher 2) – ein guter Wert für mich. Dabei kann meine Videoschnitt-Software zum Rendern nicht auf eine Grafikkarte zurückgreifen: an Bord ist „nur“ die Intel GMA 4000, diese hat aber im Vergleich zum Vorgänger ordentlich an Leistung zugelegt. Zum echten Zocken reicht es nicht, aber wenn man sich bei der Auflösung und Detailtreue zurückhält, laufen auch aktuellere Spiele problemlos. Die 4 GB Arbeitsspeicher (DDR3 SDRAM 1333MHz) sind aber ab und an dann doch zu knapp bemessen, kommen zudem in dem Windows 7 Leistungsindex nur auf 5.9 Punkte … hier hätte ich mir 8 GB wohl eher gewünscht. Wer Office nutzt, dem reichen die 4 GB, wer viel Multitasking betreibt, der stößt hier an die Grenzen des Geräts.

Display

1600×900 Pixel Auflösung bei einem matten Display sind ein echtes Novum, dazu 400 Candela Helligkeit – wow. Retina kann man die Auflösung wohl nicht nennen, aus dem üblichen Gebrauchsabstand sieht man keine Pixel und Schriften sind gestochen scharf. Ich nutze die Samsung Series 9 auch (aber nicht nur) für verschiedene Office-Anwendungen. Schreiben, Texte bearbeiten und Co. macht auf dem Display wirklich Spaß und ermüdet die Augen nicht so sehr. Das PLS-Panel ist herausragend gut und der Blickwinkel liegt bei geschätzten 178°. Das Display selber ist relativ weit zu öffnen, perfekt, wenn man auf den Knien auf der Couch surfen möchte 😉 da hilft der Blickwinkel auf jeden Fall.

Software

Normalerweise hasse ich irgendwelche Bloatware die jeder Hersteller meint auf sein Notebook quetschen zu müssen. Kaum Mehrwert, dafür herrlich sinnfreie Einträge in den Autostart – kann man in meinen Augen drauf verzichten. Samsung hat aber tatsächlich zwei durchaus praktische Programme mitgeliefert: Easy Settings, welches euch Einstellungen wie zum Beispiel das Laden über USB-Laden im Standby und das Abschalten des Lüfters ermöglicht. Außerdem praktisch: Easy Software Manager, hier gibt es alle Programme und Treiber die werksseitig installiert sind, täglich wird hier auf Updates geprüft und Firmware-Updates für bestimmte Hardware geht so echt praktisch von der Hand. Warum ein Northon Antivirus (möchte ich einfach nicht nutzen) zum Pflichtenprogramm gehören soll bleibt mir aber schleierhaft.

Konnektivität

12.9 Millimeter Bauhöhe machen normale Anschlüsse fast unmöglich: 2 normale USB-Ports (1x USB 2.0, einmal 3.0), dazu ein mini-Netzwerkanschluss (10/100/1000Mbit), microHDMI, ein 3.5mm Klinken-Port für Headset und Mikrofon und ein Displayport für den in Deutschland keine Adapter erhältlich sind. Der SD-Slot der wegen der teilweise blockierten SSD derzeit für mich ständig genutzt wird ist auch vorhanden. Kabellos gibt es Bluetooth 4.0, WLAN a/b/g/n – ein 3G-Modul fehlt leider. In einem so portablen Gerät ein wenig schade, wohl aber ein deutsches Problem. In jedem Nicht-Internet-Entwicklungsland gibt es offene WLAN-Netzwerke, in Deutschland muss ich häufig den Tether nutzen.

Sonstiges und Akku

Die 1.3 MP Front-Kamera gehört ja ohnehin inzwischen zum normalen Repertoire eines jeden aktuellen Notebooks. Der 6 Zellen Lithium-Polymer Akku zwar auch, dass er auf diese geringe Bauhöhe gepresst ist und trotzdem noch im normalen Alltag 6-8 Stunden ermöglicht nicht. Für den Flug nach Korea wird die Series 9 auf minimale Helligkeit gestellt (dann gibt es auch keinen Ärger mit dem Nachbar) und WLAN deaktiviert, dann sind auch 10 Stunden möglich.

Lieferumfang

Joa, die Samsung Series 9 ist extrem dünn, viele Anschlüsse sind daher nur in der Micro-Form vorhanden. Samsung liefert daher einen Netzwerk-Adapter mit. Das war es. Ach ne, eine Betriebsanleitung auf CD gibt es für die Samsung Series 9 ohne optisches Laufwerk auch mitgeliefert. Sinnfrei. Samsung hätte zumindest einen Adapter für den rechten Displayanschluss mitliefern können. Für Micro-HDMI war es kein Problem einen Adapter für wenig Geld zu bekommen (den Samsung auch einfach mitliefern könnte…), aber für den rechten Displayanschluss finde ich sogar bei Samsung selber keinen Adapter. Komischer Umstand: Samsung pappt die Seriennummer für Windows 7 nicht auf das Gerät selber, sondern auf den Ladeadapter. Unter dem Gerät war er bei meinem letzten Laptop schnell unlesbar, vielleicht keine so dumme Idee. Hier mein Unboxing-Video:

Fazit: Nach zwei Monaten Nutzung bin ich noch (fast) immer begeistert.

In Korea hatte ich die Samsung Series 9 das erste Mal in den Fingern und war begeistert: leicht, extrem flach und sehr edel – super. Auch nach zwei Monaten hat das Gerät immer wieder einen „Wow-Effekt“ – das hat mich selber erstaunt. Ich würde drei „Fehler“ der Series 9 für mich feststellen: kein 3G, ein unnötig verkleinerter SSD-Speicherplatz und die langsam ladenden Schnelltasten nach dem Systemstart. Dabei muss man sagen, dass ich definitiv nicht der normale Nutzer bin: 3G im Laptop brauchen nur wenige und selbst da reicht meistens ein Tether, der Speicherplatz reicht entweder aus oder aber die 30 GB weniger machen den Bock auch nicht fett, 128 GB sind nicht für jedermann eine Lösung – eine externe Festplatte schafft aber Problemen hier Abhilfe. Die langsam nachladenden Schnelltasten interessieren vermutlich keinen, es war aber für mich eine Feinheit, die ab und zu genervt hat. Dass ich mich an so Kleinigkeiten störe zeigt aber vor allem eines: die Samsung Series 9 ist nah an der Perfektion. Windows (7, bald 8) ist so eine Sache, rein von der Hardware ist die Samsung Series 9 dem MacBook Air und auch vielen Ultrabooks überlegen. Klar gibt es Geräte mit mehr Leistung, aber das Gesamtpaket ist derzeit in meinen Augen unerreicht: ein mattes Display mit hoher Auflösung, eine Bauhöhe von 12.9 Millimetern und dazu nur 1.16 Kilogramm Gewicht sind einfach unschlagbar in Sachen Mobilität. Mit Windows 8 wird die Frage aufkommen, ob man ein Touchscreen in dieses Paket aufnehmen sollte – meiner Meinung nach nicht. Touchdisplays und reine Notebooks passen nicht wirklich zusammen: das Gerät kippt um und viele Funktionen eines Tablets machen in einem Laptop keinen Sinn (sehr geile fände ich in Zukunft aber eine Motioncontrol ála TheLeap). 1400€ sind eine Ansage und Samsung möchte klar in Regionen eines Herstellers aus Cupertino mitspielen, in meinen Augen (und ich weiß, dass sich hier einige stören werden) schlägt Samsung diese Konkurrenz auch.  Kurz und knapp: ein tolles Gerät mit kleinsten Macken. Wer zu bequem für den Text oben ist, findet hier ein sehr (zu?) langes Video von mir über die Samsung Series 9:

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