4k über Satellit: Hinter den Kulissen der Live-Übertragung von Linkin Park

4k hat derzeit ein bekanntes Problem: Was war zuerst da, Henne oder Ei? Nachdem der Markt von HD-Ready auf FullHD gewechselt ist, scheuen Nutzer den Kauf von UHD-Geräten wegen höheren Kosten und noch fehlendem Content. Die Content-Ersteller wiederum zögern, da das Zielpublikum noch verhältnismäßig klein ist.

Linkin Park live

Samsung und ASTRA haben bei diesem Thema am vergangenen Mittwoch ein interessantes Experiment gestartet: Das erste Konzert welches live in 4k übertragen wurde. Unverschlüsselt und damit für jeden frei empfänglich, konnte so das Potential bei 4k-Inhalten gezeigt werden.

Dabei musste alles sehr sehr schnell gehen, schon die Vorlaufzeit zu dem Live-Event war rekordverdächtig. In rund drei Wochen haben ASTRA und Samsung die Übertragung geplant mit Testläufen in Oberhausen und Köln.

SAMSUNG CSC

Eine sehr kurze Zeit, schon aus technischer Sicht. Die Technik für 4k-Übertragungen ist noch rar und kurzfristig schwer zu organisieren. Um Linkin Park live in UHD senden zu können, wurde auf 12 4k-fähige Kameras gesetzt, elf Sony-F55 und eine neu für das Konzert eingesetzte Kamera von Toshiba. Zwölf Kameras, deren Signal jeweils aufgeteilt in vier FullHD-Signale mit 50p an den Übertragungswagen gesendet wurden – eine enorme Datenmenge.

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Zu diesem Zweck wurden extra drei Server-Rigs von Sony – derzeit die weltweit einzigen ihrer Art – nach Berlin geschafft und dort in ein RAID-System gehangen. Nur so konnten die Signale auch als Backup geschrieben werden, um das Konzert später auch produzieren zu können. Im Übertragungswagen fügte eine internationale Regie unter Leitung von Gerd F. Schultze das Signal dann entsprechend zusammen und schickte die Daten auf die Reise. Nur für dieses Konzert wurden vier (!) neue Glasfaser-Leitung an die o2 World in Berlin gelegt, um das Konzert mit 12 GBit/S zu ASTRA nach Unterföhring schicken zu können.

12 GBit/S – die Zahl muss man erst einmal sacken lassen. So jedenfalls können die Daten nicht auf den ASTRA-Satelliten, dies würde dessen komplette Bandbreite laut ASTRA um mehr als das Doppelte überflügeln. Bei ASTRA wurde das Signal von 12Gb/S auf 35MBit/S im H.265-Codec/HEVC gerendert und auf den Satelliten geschickt und mit 3840×2160 Bildpunkten und 50 Bildern pro Sekunde (2160p50) ausgestrahlt. Zum Vergleich: Selbst HD-Sender senden maximal mit 12 MBit/S. Alleine das Rendern für Live-Inhalte ist schon ein riesiger Fortschritt, bei der Aufzeichnung des DFB-Pokals 2013 wurden noch mehrere Stunden Renderzeit für eine Minute UHD-Signal benötigt.

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Hier kommt auch die Beteiligung von Samsung ins Spiel: Als inoffizieller Marktführer im Bereich von TV-Geräten mit UHD-Auflösung ist es wichtig, mit entsprechendem Content auch Verkaufsargumente für die hohe Auflösung zu schaffen. Während des Konzerts konnte man sich live auf einem HU8590 davon überzeugen, wie das Konzert über den Satelliten ausgestrahlt wurde. Während beim HD-Signal rund 4 Sekunden Versatz entstehen, vergehen bei UHD, trotz deutlich höherem Aufwand bei der Encodierung, nur 7 Sekunden. Samsungs 2014er UHD-TVs beherrschen den H.265/HEVC-Standard von Haus aus (Samsung ist hier häufiger Vorreiter, dies zeigt auch die Samsung NX1, die in diesem Standard UHD-Signale aufzeichnen kann). Die One Connect Box wird trotz UHD-Signal über den Satelliten übrigens nicht wirklich warm und lässt sich ohne Probleme anfassen.

Neben dem UHD-Fernseher hat sich Samsung stark bei Bildtechnik, Ausleuchtung und technischer Organisation des Projektes eingebracht – bei einem derart kurzen Vorlauf besonders wichtig.

Für mich besonders interessant: Bei der Führung vor dem Konzert durch Halle und über die Bühne sah man deutlich, wie viel Mehraufwand in der UHD-Übertragung steckte. Mehr Kameras, anderes Licht. Letzteres ist ein besonderes Thema: Durch die UHD-Auflösung sind deutlich mehr Pixel sichtbar. Allerdings macht sich dieser Effekt nur bei einer guten Beleuchtung stark bemerkbar. Dies wurde auch von der Band besonders unterstützt. Diese hat tatsächlich eine zusätzliche Beleuchtung in das Bühnenbild integriert, um UHD besonders zu unterstützen. Nur so lässt sich etwa eine Tiefenunschärfe vernünftig einfangen. Auch mussten die Videowürfel auf 50Hz geändert werden, normalerweise nutzt Linkin Park hier 60Hz, dies hätte allerdings bei den 50fps 4k-Kameras für Probleme gesorgt, um in der Kürze der Zeit auf Nummer sicher zu gehen, waren 50Hz die bessere Wahl.

Samsung_Linkin-Park_11Die UHD-Liveübertragung war für ASTRA und Samsung ein erstes Mal und insofern war das Projekt auch irgendwo wichtig um zu lernen. Die häufigen Lichtwechsel machen das Filmen bei einem Konzert besonders anspruchsvoll und auf dem Samsung UHD-TV sah man teils deutlich, dass gerade beim Wechsel von Dunkel auf Hell mit vielen Lichtblitzen Kompressionsartefakte vorhanden waren. Eine Kamera war zudem am hüpfen, die Bildstabilisierung teilweise am kämpfen und der Fokus hatte gerade im Lowlight-Bereich teils Probleme – Probleme, ja, allerdings bei einer derart erstmaligen Liveübertragung meiner Meinung nach verzeihbar. Im Gegenzug waren aber gerade Aufnahmen des Linkin Park Schlagzeugers Rob Bourdon (besonders bei dem abgefahrenen Drum-Solo) in UHD einfach herausragend. Und nochmal: Bei Liveinhalten in UHD steht man noch relativ am Anfang

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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, in Sachen UHD bewegt sich allerdings derzeit einiges. Samsung liefert bei einigen UHD-Geräten eine eigene Festplatte mit UHD-Inhalten mit und mit Projekten wie der Live-Übertragung zusammen mit ASTRA zeigt man, dass sich innerhalb eines Jahres viel getan hat. Ein Konzert live in UHD über die Bühne zu bringen – spannend, aufwändig, aber inzwischen technisch machbar. Es bleibt zu hoffen, dass nun auch schneller mehr Content mit UHD-Auflösung zur Verfügung steht. Gerade für kleinere Wohnzimmer mit kürzerem Abstand zwischen Betrachter und Display ist eine UHD-Auflösung wichtig, um auch größere Displays noch vernünftig nutzen zu können.

Disclaimer: Ich wurde von Samsung nach Berlin eingeladen um mir die Übertragung und die technische Umsetzung anzusehen.