SanDisk Ultra 400GB MicroSD mit dem Galaxy Note8 ausprobiert

Speicher kann ich kaum genug haben. Richtig eng wurde es 2015 in Südostasien, in den drei Monaten war der Speicher den ich mitgenommen hatte ziemlich schnell voll – obwohl es weit mehr als ein Terrabyte war. Auf dem Smartphone waren damals die 64GB der MicroSD dabei mit als erstes belegt.

In Zeiten, wo die Kameras der Smartphones immer besser werden und somit Fotos und Videos in vielen Situationen schnell und gut auch für Laien aufzunehmen sind und in vielen Situationen die Qualität auch für semi-professionelle Aufnahmen ausreicht, ist der Griff zum Smartphone für Fotos häufiger den je gemacht.

Also bin ich nach dem Urlaub auf eine 200GB MicroSD von SanDisk umgestiegen – nicht besonders schnell, aber groß und nach einem Test ohnehin bei mir geblieben. Inzwischen sind sogar die 200GB immer mal wieder an ihre Grenze gekommen. Aus einem einfachen Grund: 4k-Videos sind eine feine Sache, „Cloud-Storage“ in Deutschland aber für mich nicht wirklich nutzbar. Meine 100GB OneDrive aus der Samsung-Smartphone-Promo sind jüngst ausgelaufen und ich werde sie nicht verlängern: zu langsam war häufig Up- oder Download serverseitig. Selbst wenn man einen flotten Cloud-Speicher hat, braucht man für eine vernünftige Synchronisation WLAN. Die LTE-Tarife in Deutschland sind entweder in einem miesen Netz bezahlbar (Eplus/o2) oder aber schweineteuer nur direkt bei Vodafone oder der Telekom zu haben. In Frankreich etwa gibt es unlimitiert LTE für knapp über 20 Euro, in den skandinavischen Ländern auch in Österreich ist es auch günstiger und die Reihe könnte man fast beliebig fortsetzen: die mangelnde Konkurrenz auf dem deutschen Markt sieht nicht nur seltsam aus, sondern macht hierzulande die Cloud für mich auch nicht wirklich attraktiv.

Also: 200GB voll und selbst wenn Smartphones wie das Galaxy S8 oder Note8 inzwischen intern 64GB bieten, ist somit bei mir auf dem Papier bei 264GB mobil bisher Schluss gewesen (in der Praxis noch deutlich davor, intern belegt das OS einen Teil des Speichers und die 200GB SanDisk hat netto „nur“ 183GB verfügbar). Auf der IFA 2017 hat dann wieder mal SanDisk eine Neuheit vorgestellt: eine MicroSD mit 400GB. Bei Samsung gibt es etwas in dieser Richtung nicht, dort ist bei 256GB Schluss. Auf der IFA hatte ich eine 400GB SanDisk Ultra als Testsample bekommen und inzwischen ein paar Monate im Galaxy Note8 genutzt.

Die Geschwindigkeit der Ultra-Reihe bei SanDisk wird auf der Verpackung mit bis zu 100 MB/s angegeben. Tatsächlich gibt es die Geschwindigkeit aber nicht in beide Richtungen, sondern am PC getestet „nur“ etwa 90MB/s im Read und zwischen 50 und 60 MB/s im Write.

In der Praxis ist die Lesegeschwindigkeit spannender: wer durch 10.000 Bilder in der Gallery scrollen möchte, der braucht hier eine Karte, die flott gelesen werden kann. Hier kommt die 400GB SanDisk Ultra ebenso auf knapp 90 MB/s wie beispielsweise Samsungs EVO 2017 mit 256GB. Im Write liegt SanDisk dagegen mit rund 50 MB/s deutlich hinter den rund 75MB/s der Samsung EVO 2017 256GB. Wer jetzt aber denkt, dass man daher mit einer 2017er Samsung EVO besser dran wäre, da diese auf 75MB/s im Write kommt, der irrt. Die Schreibgeschwindigkeit von MicroSD-Karten ist für 4k-Filme relevant, dort aber aktuell bei Smartphones auch im Fall von beiden Karten dicke ausreichend.

Ohnehin kommt bei Samsungs aktuellen Smartphones ein anderes Problem ins Spiel: der interne MicroSD-Port. Tatsächlich konnte schon die Samsung EVO 2017 deutlich höhere Geschwindigkeiten liefern, als der interne SD-Port bot. So ist das Galaxy S8 oder nun bei mir das Galaxy Note8 das Bottleneck.

Im Write könnte die SanDisk Ultra 400GB vielleicht 10-15MB/s schneller sein, im praxisrelevanteren Read ist wiederum das Note8 zu langsam. Außerdem gibt es noch einen anderen wichtigen Punkt, über den man reden sollte: A1. Die SanDisk Ultra 400GB bietet die A1-Spezifikationen. Das heißt nichts anderes, als dass sie nicht nur auf die für die Praxis nur bedingt nützliche sequenzielle Geschwindigkeit ausgelegt ist, sondern auch viele verschiedene Operationen in kurzer Zeit bedienen kann (IOPS). Das wiederum ist beim internen Speicher ein wichtiger Punkt. Wenn man Apps laufen lässt, werden da zig kleine Pakete geladen und dafür braucht es viele Zugriffe. SD-Karten waren hier lange viel zu langsam für, weshalb Apps2SD zwar eine nette Idee war, häufig aber das Smartphone komplett ausgebremst hat. A1 soll nun nichts anderes heißen, als dass Karten mindestens 500 IOPS beim Schreiben und 1500 IOPS beim Lesen beherrschen und so auch Anwendungen direkt von der Karte ohne Probleme ausgeführt werden können.

Das ist bei vielen Android-Smartphones mit dem sogenannten „Adoptable Storage“ wichtig. Dort wird der interne Speicher mit dem Speicher der MicroSD virtuell zusammengewürfelt. Somit verschmelzen die beiden Speicher und man hat einen einzigen Speicher, auf welchem dann komplett Apps und Co installiert, aber eben auch Bilder und Co. gespeichert werden können. Hierfür ist A1 wichtig, dafür wäre also die SanDisk Ultra mit 400GB geeignet. ABER: Samsung spielt nicht mit, Samsung erlaubt keinen „Adoptable Storage“. Das wiederum ist natürlich ärgerlich, da beispielsweise WhatsApp ein richtiger Speicherfresser werden kann und man natürlich gerne noch mehr Speicher hätte, auf dem auch Apps installiert werden können. Samsung erlaubt dieses Feature aber nicht aufgrund eines simplen Umstandes: der interne Speicher ist viel zu schnell. Samsung setzt beim Note8 oder auch S8 auf UFS 2.1, einen sehr schnellen Speicher, der sowohl bei der sequentiellen Schreib- und Lesegeschwindigkeit als auch bei den IOPS Kreise um jede MicroSD drehen kann. Würde man nun einen Mix aus MicroSD (auch A1) und UFS 2.1 zulassen, bliebe von dem Geschwindigkeitsvorteil in manchen Anwendungsbereichen wenig über. Leider. Dieser für andere Android-Smartphones wichtige Vorteil der SanDisk Ultra 400GB bleibt also bei Samsung ungenutzt.

UFS 2.1 zum Vergleich im Bench

Tl:dr – das Fazit.

Der wichtige Punkt vorweg: offiziell beherrscht das Note8 MicroSD-Karten bis 256GB. Die SanDisk Ultra 400GB wird aber ohne Probleme erkannt und ist vollständig nutzbar. Samsung vermutlich zum einen die Karte nicht offiziell getestet und hat zum anderen keine 400GB im Portfolio. Wenn Samsung nun schreiben würde „MicroSD-Karten bis 400GB“ würde Samsung quasi Werbung für die Konkurrenz bei MicroSD-Karten machen.

Tatsächlich bin ich extrem zufrieden mit der Karte. 400GB Speicher sind eine Hausnummer und werden mich wohl über die nächsten Jahre bringen. Beispielsweise war ich mit der SanDisk-Karte im Krüger Nationalpark. Zudem ist die Karte für Smartphones ausreichend schnell, mit meiner Samsung NX1 werde ich aber keine 4k-Videos mit hoher Bitrate damit aufzeichnen (obwohl es ginge) – brauche ich aber auch nicht, dafür habe ich andere Karten (aktuell eine Toshiba UFS II übrigens). 64GB intern beim Galaxy Note8 und 400 GB über eine MicroSD – eine sehr, sehr praktische Sache. Die allerdings auch ihren Preis hat. Aktuell werden auf Amazon rund 220 Euro dafür fällig, eine 2017er Samsung EVO mit 256GB kostet rund 100 Euro weniger (beides Partnerlinks). Ich bezweifle, dass wirklich viele Nutzer 400GB aktuell in ihrem Smartphone brauchen. Aber es brauchen auch nicht viele Leute einen Ferrari 488GTB und dennoch wollen sie einen ;-). Wobei die 400GB SanDisk MicroSD eher die Stretch-Limo unter den Speichermedien ist.

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