[DBüdT] Das Huawei P30 Pro und die Sache mit der Kamera

Ende März diesen Jahres hatte ich mir das Huawei P30 Pro angeschaut und kurz mit dem Galaxy S10+ verglichen. Im Nachgang habe ich sowohl von den Samsung-Fans („AllAboutHuawei höhöhö“) als auch den Huawei-Fans („Voll einseitig, was will man bei dem Namen auch erwarten“) auf den Sack bekommen. Alles richtig gemacht also.

Was Menschen, die über Google das erste mal auf AllAboutSamsung kommen, vielleicht nicht wissen: ich bekomme von Samsung kein Geld. Auch von Huawei nicht. Ich teste die Technik, da es mir (meistens) Spaß macht, außerhalb der Tech-Bubble bin ich Rechtsreferendar (mit medienrechtlichem Schwerpunkt – Schleichwerbung kann ich mir nicht leisten) und habe gerade die Schriftliche hinter mir. Im Anschluss daran hatte ich ein paar Tage Pause, in denen es nach Costa Rica ging. Und nach kurzer Überlegung kam das Huawei P30 Pro mit. Zeit, eine alte Kategorie hier rauszukramen: DBüdT – Der Blick über den Tellerrand.

Das Original zu dem Foto oben. Ja, auch nicht perfekt – Gegenlicht und bei 90+ % Luftfeuchtigkeit in das Gebüsch reingeknipst – aber andererseits bei fast maximalem Zoom des P30 Pro und ohne eine andere Kamera zur Hand erstaunlich gut.

Aus einem einfachen Grund: Ende 2017 hatte ich das Galaxy Note8 mit im Krüger Nationalpark, das Gerät hat einen guten Job gemacht, keine Frage. 2018 war allerdings für mich das Huawei P20 Pro das Gerät, welches die Benchmark aufsetzte und 2019 hat mich Huawei abermals überrascht. Ende März hatte ich das P30 Pro in den Fingern, welches erstmals auf eine Periskope-Kamera setzte. Vereinfacht ausgedrückt wird über ein Prisma das Licht um 90 Grad gespiegelt und durch Linsen gejagt, die quer im Gerät verlaufen. So kommt das Gerät auf einen 5-fachen optischen Zoom.

Eine Technik, die so ähnlich auch für das Galaxy S11 nächstes Jahr erwartet wird. Endlich. Denn bisher konnte man mich mit Zoom-Kameras bei Smartphones häufig jagen: Samsung und Apple setzen hier auf kleinere Sensoren mit schwachen Offenblenden – die Ergebnisse sind bei sehr guten Lichtverhältnissen ok, bringen aber halt auch nur einen zweifachen optischen Zoom, einzig für Portrait-Spielereien taugt die zweite Kamera, die nutze ich aber wiederum seltener.

Bei dem gleichen Spaziergang entstanden wie das Foto oben – keine Kamera zur Hand, aber eben das Smartphone und dessen Zoom hat mich überrascht. Ein Zweifinger-Faultier pennt in einer Astgabel.

Für Costa Rica habe ich mich daher gegen das Galaxy Note 10+ entschieden. Ein sehr gutes Smartphone mit hervorragendem Display, allerdings hatte Samsung mich mit dem Akku des Galaxy S10+ nicht überzeugt – der des Note10+ ist zwar spürbar besser, liegt bei mir (! bei meiner Nutzung, wenn man so etwas sagt, kommen dann immer Menschen, die den Yeti oder Display-on-Zeiten von über 7 Stunden beim Galaxy S10+ gesehen haben wollen) dann aber doch noch deutlich unter den Nutzungszeiten des Huawei Mate 20 Pro und daher – so meine Vermutung – auch unter jenen des P30 Pro. Also habe ich bei Huawei angefragt, ob man mir ein Testgerät für ein paar Wochen für Costa Rica stellen könnte.

Zu Costa Rica bringe ich die Tage auch nochmal einen Artikel auf dem huaweiblog, das hatte ich dort Rainer und Marco angeboten. Was auf jeden Fall auffiel war, dass die Überlegung zur Kamera komplett richtig war. Huawei hatte Samsung 2018 in Sachen Kamera-Hardware mit dem P20 Pro die Butter vom Brot genommen, indem sie auf einen verhältnismäßig riesigen 1/1.7″ Sensor mit 40 MP setzten. Bei der Software gab es allerdings Licht und Schatten. Mit dem Huawei P30 Pro setzt man abermals auf einen (verbesserten) 1/1.7″ 40 MP Sensor, nun allerdings im Zoom im Zusammenspiel mit der Periskope-Kamera.

Das Original. Auch nicht perfekt, sobald man zoomt verlieren sich die Details – aber für ein Smartphone aus der Hand definitiv gut genug für Instagram und Co.

Das funktioniert in vielen Situationen nicht nahtlos, außerdem braucht es den Hinweis, dass beispielsweise bei einem 3fachen Zoom nur auf den Hauptsensor zurückgegriffen wird und erst ab eben 5x dann auf die Zoomkamera. Im Zusammenspiel mit dem Ultraweitwinkel hat man so drei tatsächlich unterschiedliche Kameras und aktuell für mich die interessanteste Kombination auf dem deutschen Markt. Der 50x digitale Zoom ist dann aber doch meistens eine Spielerei – aber immerhin möglich. Hier am Beispiel eines Vulkans:

Auf die gewürfelten Werte bei dxomark gebe ich schon länger nichts mehr und die Kamera des P30 Pro ist beispielsweise bei der Videofunktion nicht ganz auf dem Niveau des Galaxy Note10+ oder iPhone 11 Pro, aber gerade bei der Fotofunktion ergibt sich eine interessante Momentaufnahme für mich: Huawei hat sich hier aktuell mit an die Spitze geschoben. Je nach Anwendungsfall auch ganz deutlich. Samsung hat relativ lange versucht, den Hardware-Nachteil lediglich durch Software-Verbesserungen auszugleichen. Das ist längst nicht gut gelungen (anders dagegen Google). Aktuell würde ich dem iPhone 11 Pro oder dem Pixel 3 (oder 4) in dieser Hinsicht gegenüber Samsung Vorteile zusprechen, Huawei wiederum kann eben über eine bessere Hardware bei der Kamera punkten und hat mit dem Zoom ein Alleinstellungsmerkmal, welches mich immer wieder fasziniert.

Für Unterwasser-Aufnahmen hat Huawei ein Case. Das hatte ich beim Note10+ auch gesucht, aber schlicht nicht gefunden. Ein weiteres Argument vor der Reise. Unter Wasser war die Sicht dann aber leider ohnehin Bescheiden im welligen Pazifik.

Ich habe die Tage nach einer praktischen Reisezoom-Kamera für meine Eltern gesucht. Eine Panasonic tz202 war hier eigentlich eine gute Option – aber so richtig zufrieden war ich nicht. Mit dem P30 Pro dagegen habe ich mich selber schon häufiger dabei erwischt, wie ich über die Leistungen des Zooms gestaunt habe. 5x Zoom zusammengerechnet mit einem 40 MP Sensor ist schlicht mächtig und die Ergebnisse können sich sehen lassen, die Bedienung ist dazu relativ einfach. Klar, auch die Lösung ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, im Dschungel hat man dann je nach Situation auch das Smartphone an 2000-Euro-Fernrohre gehalten, aber was möglich ist, fand ich für mich persönlich stark.

2019 ist fast rum und müsste ich gerade ein Smartphone des Jahres benennen, wäre es für mich vermutlich das Huawei P30 Pro. Einfach, da man hiermit nochmal die Kamera-Benchmark nach oben geschraubt hat. Keine Bange, ich werde kein allabouthuawei aufmachen, aber das Gute ist, dass ich die Freiheit habe zu testen, worauf ich Bock habe und was mich (technisch und nicht durch Werbe-Gelder für Instagram-Posts) überzeugt. Aktuell hat hier das Huawei P30 Pro die Nase vorne.

Und jetzt kommt das „Aber“: für das Galaxy S11 wird mit einem verbesserten 108MP-Sensor gerechnet, wie ihn Xiaomi gerade im Mi Note 10 verbaut. Hier steckt ein Samsung ISOCELL Bright HMX 108 MP Sensor hinter. 108 Megapixel auf 1/1.33″, also einer Fläche die nochmals größer ist, als die der Huawei-Sensoren. Das verspricht einen riesigen Schritt gegenüber Samsungs Kameratechnik, die sich – bis auf einen Ultraweitwinkel – seit Jahren nur wenig veränderte. Dazu soll auch Samsung an einem Zoom für das Galaxy S11 arbeiten, der seinen Namen verdient. 5x oder 10x soll hier möglich sein. Huawei hat mächtig vorgelegt, der Konter Samsungs darf dann für Februar 2020 erwartet werden.

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