Apple iPhone 5: “Wertig, aber … ” – Ein Kommentar

Gestern hat Apple das iPhone 5 vorgestellt und meine frühere Äußerung, dass Samsung hinsichtlich des Hypes bei dem Samsung Galaxy S III mit einer Smartphone-Neuvorstellung aus Cupertino mithalten kann, nehme ich hiermit zurück. So groß war bisher einfach kein Hype um ein Smartphone wie der um das iPhone 5.

Erstaunlich ist, was bereits im Vorfeld der Präsentation bereits alles über das iPhone 5 bekannt wurde, Design, Hardware – hier gab es schon früh relativ genaue Leaks. Was hat Apple letztendlich gezeigt, gibt es Innovationen, oder hat man einfach – wie das obige Bild suggeriert – nur die Größe geändert? Angesichts der Tatsache, dass Samsung und Apple gerade keine wirklichen Freunde sind und um Marktanteile streiten lohnt sich ein näherer Blick getreu dem Motto “Kenne deinen Feind”, eine einfache Spezifikationstabelle alá “Galaxy S III vs iPhone 5″ um Klicks abzugreifen wäre schlichtweg zu billig.

Apple hatte es nur zwei Mal nötig Innovativ mit dem iPhone zu sein. Als Vorreiter hat man seitdem den Ruf auf der eigenen Seite. Das iPhone 5 wird sich verkaufen, keine Frage, besser als jedes andere Smartphone sogar. Die Keynote gestern gibt es inzwischen als Video im Internet, einen Livestream gab es wie immer nicht. Was aber bereits gestern über die zahlreichen Liveblogs durchschimmerte: Apple lies sich auch dieses Mal eine Menge Blabla nicht entgehen und zeigte Innovationen, die bei der Konkurrenz bereits lange normal sind.

Man kann durchaus beeindruckt von dem iPhone 5 sein, das Design ist zwar keine Revolution und längst nicht so aufregend und spektakulär wie das von einigen Mockups, es ist aber eine konsequente Evolution des iPhone 4 Designs. Diese ist auf jeden Fall gelungen: Aluminium, Glas und dabei nur 7.6 mm Bautiefe bei 112 Gramm Gewicht – eine Kombination wo das iPhone 5 derzeit jedem kommerziell erfolgreichen Smartphone deutlich überlegen ist. So wertig und trotzdem so leicht, man möchte Samsung eigentlich ein Exemplar schicken und buchstäblich schreien “leicht und wertig, es geht doch!”. Hier stinkt ein Samsung Galaxy S III einfach ab hinsichtlich Design und verwendeter Materialen. Die Präzision mit der das iPhone 5 gefertigt wurde und mit welcher Liebe zum Detail – doch, bei diesem Aspekt kann man Apple nur Respekt zollen.

Allerdings war es das dann auch an wesentlichen Innovationen. Ein 4 Zoll großes Display mit der ungewöhnlichen Auflösung von 1136 x 640 Pixel bei 326 ppi ist gut und die Helligkeit von 500 nit dürfte zusammen mit der verwendeten Technik für ein extrem gutes Bild sorgen. Die Displaygröße ist für einige zu klein, dürfte aber den Geschmack der breiten Masse finden. Hier muss man aber sehen, dass Apple maximal gleichzieht mit der Konkurrenz – Displays in dem Samsung Galaxy S III, HTC One X und auch anderen Smartphones können einfach in der gleichen Liga spielen. Leicht niedrigere dpi, dafür höhere Auflösungen, größere Diagonalen und mit SLCD oder SAMOLED auch gute Techniken dahinter. Apple hat mit dem Retina-Display des iPhone 4 alle übertrumpft, mit dem iPhone 5 zieht man jedoch nur mit der Konkurrenz gleich.

Der Apple A6 SoC, der Arbeitsspeicher und auch die Kapazität des Akkus sind Faktoren die Apple-typisch im verborgenen bleiben, sicherlich aber bald auch genau bekannt werden. Ich erwarte hier keine Überraschungen: Ein Dual-Core CPU (A9 oder 15 Architektur – das ist die Frage) mit einer Taktung von etwa 1.6 GHz dürfte unter der Haube stecken, der Arbeitsspeicher bei 1 GB RAM liegen und der Akku … ich tippe vorsichtig auf etwas um die 1.600 mAh wegen dem verbauten LTE-Modul. Die Standby-Zeit wird mit nur 225 Stunden angegeben – das Samsung Galaxy S III liegt bei 770-830 Stunden! Es könnte sich aber auch um einen Fehler bei Apple handeln…

Apropos LTE: Eine Technik die ich durch das iPhone 5 als stärker im kommen eingeschätzt hatte. Tatsächlich gibt es in Deutschland aber mal wieder Probleme mit dem Empfang und so kann man nur die 1.800 MHz LTE-Frequenz der Telekom nutzen, das Samsung Galaxy S III LTE beispielsweise kann auch bei Vodafone und o2 ohne Probleme LTE nutzen.

Fazit: Apples iPhone 5 ist innovativ in Sachen Verarbeitung – nicht mehr und nicht weniger. Alle anderen Parameter sind maximal dazu geeignet, zu der Konkurrenz aufzuschließen, Apple hat die Hardware-Schlacht vorerst verloren beziehungsweise freiwillig aufgegeben. Das iPhone 5 wird sich besser verkaufen als jedes andere Smartphone, allerdings behaupte ich mal, dass doch einigen das Display zu klein sein wird. iOS 6 hat einige interessante Neuerungen, welche aber größtenteils bei Android schon seit Monaten der absolute Standard sind. Ich selber bin nur von der Verarbeitung und den Materialen überzeugt, hier sollte Samsung nachlegen, das predige ich aber seit bestehen dieses Blogs. Außer dem Äußeren fehlen mir bei Apple die Innovationen, das war im Vorfeld von vielen angesagt worden und kommt nicht überraschend – ich finde es aber mehr als schade. Bisher hat Apple immer Benchmarks in einigen Bereichen gesetzt und die Konkurrenz Monate gebraucht um hier auch nur annähernd aufzuschließen – die einzige Benchmark nun ist das Gehäuse und man kann nur hoffen, dass sich Samsung und auch andere hier irgendwann aufholen. Bei einem iPhone 5 hätte ich aber mehr erwartet… ein Statement an die restliche Technikwelt. Warten wir mal die weiteren Faktoren wie CPU, Akku und Co. ab, verkaufen wird sich das iPhone 5 wie frisch geschnitten Brot, auch wenn der Preis in Deutschland mit 679€ über 150€ über dem des Samsung Galaxy S III liegt.