Samsung belegt Platz 3 beim Public Eye Award – schwere Vorwürfe wegen Arbeitsbedingungen und Erkrankungen

Selten habe ich hier Meldungen, bei denen ich Bauchschmerzen habe wie dieses Mal – international werden die Vorwürfe gegen Samsung wieder laut, dass man in den eigenen Fabriken lebensgefährliche Stoffe einsetzt und damit den Tod von mindestens 50 Mitarbeitern verschuldet hat:

Bildquelle: Public Eye Awards

Die Bauchschmerzen rühren nicht daher, dass ich ungern negativ über Samsung schreibe – das gehört bei uns als Samsung-Blog auch dazu, nein das Problem ist, dass es schwer erscheint die tatsächlichen Fakten von den Meldungen zu trennen, die nur reine Polemik sind.

Fakt ist, dass Samsung vergangene Woche beim Public Eye People’s Award den dritten Platz bekommen hat – definitiv nichts, dessen man sich rühmen kann. Der Award wird unter anderem von Greenpeace an „die schlimmsten Unternehmen“ vergeben. Also Unternehmen, die Umwelt und Menschen mit Füßen treten. Dazu soll Samsung gehören, auf Platz drei hinter dem Bergbauunternehmen Vale (Staudammbau in Brasilien) und Tepco (kennt ihr, Fukushima-Betreiber).

Was genau wird Samsung vorgeworfen? …Da wird es dann ein wenig unscharf, ein Vorwurf ist, dass Samsung in den eigenen Fabrikationsanlagen Chemikalien einsetzen soll, die das Leben der Mitarbeiter gefährden, ohne diese darüber aufzuklären oder zu schützen. Beispielsweise soll das Lösungsmittel Benzol eingesetzt werden – krebserregender geht es kaum, außerdem soll in einer Fabrik 46-mal innerhalb eines Jahres der Austritt von giftigen Gasen nachgewiesen worden sein. Diese Umstände sollen bei weit über hundert Mitarbeitern (die Zahlen schwanken zwischen 150 und 200) zu Krebserkrankungen geführt haben, bei rund 50 sogar zum Tod. Tragische Zahlen. Hier die kurze Zusammenfassung von der Webseite des Public Eye Award:

Hightech-Geräte auf dem Buckel von Arbeitern: Südkoreas reichster Mischkonzern setzt in seinen Fabriken teils verbotene, hochgiftige Stoffe ein, ohne die Arbeiter zu informieren und zu schützen. Mindestens 140 Arbeiter sind deshalb an Krebs erkrankt, mindestens 50 junge Arbeiter daran gestorben.Samsung streitet trotz klarer Beweislage seine Verantwortung ab und diskreditiert die Erkrankten und Verstorbenen samt ihrer Angehöriger öffentlich. Samsung hat eine über 50-jährige Geschichte gezeichnet von Umweltverschmutzung, Gewerkschaftsunterdrückung, Bestechung und Steuerflucht. Samsungs Macht in Südkorea ist so gross, dass viele Bürger von der «Samsung-Republik» reden.

Was jetzt kommt soll in keiner Weise eine Rechtfertigung oder Entschuldigung sein – ich enthalte mich hier noch einer Meinung – ich möchte euch nur die angebliche andere Seite zeigen: das Ganze hat Mitte 2011 begonnen, sechs Mitarbeiter hatten Samsung in Südkorea verklagt, an ihren Leukämieerkrankungen Schuld zu sein. Zwei Mitarbeiter bekamen Recht, hier sagte das Gericht, dass man sie zwar nur erlaubten Mengen von giftigen Substanzen ausgesetzt habe, allerdings über einen Zeitraum von über einem Jahr; vier andere Mitarbeiter bekamen in demselben Prozess allerdings kein Recht. Nach dieser Klage und dem Urteil lies Samsung eine (in eigenem Auftrag angefertigte) Studie veröffentlichen, die diese sechs Fälle untersuchte und zu dem Ergebnis kam, dass Samsung nicht für die Erkrankungen verantwortlich zu machen sei – man habe sich an entsprechende Standards gehalten.

Jetzt meine Meinung: ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Grundsätzlich war ich der Ansicht, dass Samsung hervorragende Bedingungen für Mitarbeiter in den Fabriken bietet, wenn man den (internationalen) Vergleich wagt. Auch ist es nicht so, dass man sagen kann „gern zahle ich 5€ mehr pro Gerät, damit die Mitarbeiter vernünftig verdienen“ – das Lohnniveau ist vergleichsweise extrem hoch. Allerdings dürfte die hohe Zahl der Erkrankten und Verstorbenen wohl kaum „aus der Luft gegriffen sein“ …
Ich persönlich glaube, dass an einem Großteil der Fälle etwas dran sein dürfte und es wäre absolut falsch zu sagen, dass in einem Unternehmen mit mehreren Zehntausend Mitarbeitern (290.000) so etwas passieren könne oder man – wenn man die Bedingungen etwa bei Apple Zulieferer Foxcon anschaue – ja noch gut gestellt ist. Nein, ich persönlich glaube, dass hier einiges mal richtig schief gelaufen ist, Samsung inzwischen vielleicht den Fehler behoben hat, allerdings dürfte dies keine Entschuldigung für die Vorgänge sein, ebenso wenig wie die umgerechnet rund 68.000 Euro freiwillig gezahlte „Entschädigung“ pro Erkrankten oder pro Opfer. Samsung sollte hier Fakten schaffen und sich im Zweifel umfassend entschuldigen – schließlich waren bei mir die fairen Löhne und die menschenfreundlichen Arbeitsbedingungen ein großer Vorteil gegenüber Apple und Co.!

Für weitere Informationen (wir werden das natürlich auch weiter beobachten) könnt ihr euch auf der Webseite des Public Eye Awards umschauen oder aber auf http://stopsamsung.wordpress.com/

Quelle: Heise.de

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