Ein paar Worte zu S6 edge+ und Note 5 und warum wir letzteres vorerst nicht in Deutschland bekommen

Als ich vor zwei Monaten das erste Mal gehört habe, dass Samsung das nächste Galaxy Note 5 nicht auf der IFA vorstellen wird und zudem nicht in Europa auf den Markt bringen wird, habe ich doch ein wenig gezweifelt. Die IFA und das Note 5 waren für mich gesetzt.

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Inzwischen ist klar, dass wir hierzulande vorerst „nur“ das Samsung Galaxy S6 edge+ bekommen und das Feedback ist (in meinen Augen zu Recht) dazu sehr hart.

Die Note-Serie nutze ich seit dem ersten Galaxy Note; anfangs auf der IFA auch von mir skeptisch betrachtet, hat sich das Samsung Galaxy Note in seinen verschiedenen Iterationen inzwischen etabliert. Nun stellt Samsung auf einer sehr schwachen Präsentation vorzeitig das erwartete Samsung Galaxy Note 5 vor und alles ist anders. Das Gerät selber: Haters gonna hate. Die fehlende SD nervt wieder, dafür wird das System nicht ausgebremst. Der Akku könnte nach meinem Geschmack größer sein und hätte das Note 5 tatsächlich die 4.100 mAh aus der Gerüchteküche, wäre der Aufschrei sicherlich größer.

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Aufschrei deshalb, da Samsung das Galaxy Note 5 – vorerst – nicht nach Europa bringt. Die erste Reaktion: WTF? Tatsächlich haben wir schon einige Anfragen, wie man das Ding denn importieren kann bekommen. Die Entscheidung ist seltsam, teils aber verständlich.

Samsung, genauer Mario Winter, Director IT & Mobile Marketing, hatte im Gespräch mit uns den Schritt damit begründet, dass man so kein neues Marketing-Budget fahren muss. Zum Verständnis: Es wird ein hohes Budget investiert, damit man ein neues Produkt wie etwa das Samsung Galaxy S6 am Markt positioniert. Im Fall des Samsung Galaxy S6 edge+ muss nun ein deutlich geringerer Aufwand betrieben werden, da man es einfach als großen Ableger des S6 oder S6 edge fahren kann, welches ja am Markt bereits bekannt ist. Klar, wir hier als Geeks und Nerds sehen das anders, der normale Kunde auf der Straße, der sich in irgendwelchen kleinen Filialen beraten lässt, braucht aber solche Werbemaßnahmen seitens der Hersteller. Das Samsung Galaxy S6 edge+ ist also leichter zu verkaufen.

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Im Gegenzug sagte Mario Winter aber auch, dass man den Markt beobachtet. Das Wörtchen „vorerst“ findet sich bezüglich des Galaxy Note 5 sogar in der offiziellen Pressemitteilung. Nach dem Motto „wir versuchen es mit dem Galaxy S6 edge+, sollte der Markt aber zu laut nach dem Note 5 verlangen, haben wir uns diesen Ausweg offen gehalten“. Genau hier wird es spannend, das Feedback ist extrem und ich könnte mir echt vorstellen, dass Samsung relativ schnell einknicken wird und doch das Galaxy Note 5 bringt. Vielleicht noch vor Weihnachten, vielleicht doch erst danach. Das ist wirklich rein spekulativ, muss man abwarten.

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Deutschland ist mini-Land, hierzulande sind die kleinen Geräte in den letzten Jahren gut gelaufen (auch wenn das S6 mini gestoppt wurde und nicht kommen wird). Die Note-Reihe war also immer auch Sparte. Ich kann die Argumente für das Galaxy S6 edge+ verstehen. Man möchte ein Gerät einfach gegen das iPhone und insbesondere das iPhone 6s Plus positionieren. Nun hat man das Galaxy S6, S6 edge und das S6 edge+ und damit die schön zu kommunizierenden Gegenstücke zu Apples iPhone. Wobei man hier auf einen Fehler hinweisen muss, der schon auf dem MWC aufgefallen ist: Samsung hätte das S6 edge als normales S6 bringen sollen, dann hätten wir jetzt nicht so einen sperrigen Namens-Bandwurm. Egal.

Um gegen das iPhone und dessen nächste Iteration bestehen zu können, hat man sogar den Start nach vorne verlegt. Ab dem 4. September gibt es das Galaxy S6 edge+ hierzulande. Man verpennt also nicht wie in den letzten Jahren den wichtigen Moment des Marktstarts. Schön. Jetzt kommt das große „aber“: Samsung verschwendet hier ein Zugpferd. Man hat den Markt der übergroßen Smartphones dank der Note-Serie dominiert und über die letzten Jahre wirklich viel in die Werbung zu eben diesen Geräten gesteckt. Dieses Budget läuft nun ins Leere, die Note-Brand kann hierzulande nur mit dem Galaxy Note 4 weiter bedient werden. Man hat es geschafft, sich mit dem Note etwas als Innovator und nicht fast-follower aufzubauen, dann kommt Apple mit dem iPhone 6 Plus und sahnt kräftigst Marktanteile in dieser Sparte ab und Samsung reagiert auf diese Konkurrenz mit dem Wegfall des Note 5 und Positionierung des edge+.

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Gut, das S6 edge ist herausragend und hat mit dem Edge-Screen einen USP der optimal gegenüber Apple anzusetzen ist und diesen dann analog auch auf die nächste Größe zu übernehmen ergibt Sinn, aber treue Nutzer des Note werden verschreckt. Überhaupt: Samsung hat letztes Jahr so auf den Deckel bekommen, dass sie dieses Jahr mit diversen Sachen umdenken. Wechselakku und SD sind nur zwei wichtige Merkmale, die man nun für eine Apple-ähnliche Strategie aufgegeben hat. Um es überspitzt zu sagen: Samsung ist keine Gegenoption zum iPhone mehr, sondern nur ein iPhone mit anderem OS.

Die Strategie des Samsung Galaxy S6 edge+ wirkt auch im Detail seltsam: Eine überhetzte Präsentation (die im Übrigen auch schwach war), nur zwei Größen (32GB/64GB), günstige Preise und wenige Farben. Auf die IFA wollte man nicht warten, um nicht schon wieder dem iPhone den Marktstarts-Moment zu geben. Verständlich. Der Preis des Galaxy S6 edge+ ist da schon ein anderes Thema. 799 Euro UVP für 32GB. Das Galaxy S6 edge+ ist günstig, bedenkt man die ursprüngliche UVP des Galaxy S6 edge. Inzwischen hat Samsung selber diese gesenkt, um die UVP des S6 edge+ rechtfertigen zu können. Wo man sich dann aber wieder wundern kann ist die Größe und Farbwahl des Galaxy S6 edge+: Gab es von dem ersten Galaxy S6 edge noch drei Größen (32/64/128GB) und drei, später vier Farben (weiß,schwarz,gold,grün), gibt es im Fall des S6 edge+ zwei Größen und zwei Farben. Schwarz und gold, 32GB und 64GB, wobei letztere nicht mal in der Pressemitteilung Samsungs einen deutschen Marktstart bekommen hat. Über die Gründe kann man hier nur spekulieren. Mein Tipp: Das S6 edge hat alle überrascht, während man die Nachfrage nicht stillen konnte, waren zu viele normale S6 auf Lager und auch die Kalkulation der Nachfrage für die einzelnen Farben und Größen gestaltete sich schwierig. Zu viele weiße S6 blieben in den Regalen und mit den verschiedenen Größen war das Chaos dann perfekt. Das Galaxy S6 edge+ ist hier einfacher, mit „nur“ 32GB am Anfang kann man nicht viel verkehrt machen, oder?

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Vielleicht ist hier ein weiterer Grund für den fehlenden Start des Galaxy Note 5 zu finden. Vielleicht möchte man nicht erneut riskieren, dass ein Gerät das andere kannibalisiert, wie es beim Galaxy S6 und S6 edge der Fall war. Aber 32GB als Ausweg? Von diesen sind am Ende rund 25GB nutzbar. Das war im Fall des Note 4 ok, da man den Speicher bequem über eine SD erweitern konnte, im Fall des Galaxy S6 edge+ geht dies aber nicht mehr. Der Markt-Nachfolger des Geek-Nerd-Geräts Note 4 hat also nicht genügend Speicher, um Geeks oder Nerds wirklich glücklich machen zu können? Mal hoffen, dass die 64GB Version auch schnell ihren Weg auf den Markt findet.

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Fazit: Es gibt einige Entscheidungen, die man komisch finden darf. Die Richtung ist klar: Samsung bläst (erneut) zum Angriff gegen Apple um am Ende nicht auf unter die Ränder zu kommen, wie Sony, LG oder HTC in Sachen High-End Smartphones. Ich bin mal gespannt, ob diese Strategie nur bei den Geeks, Nerds, Early Adoptern und Note-Liebhabern sauer aufstößt und am Markt den erhofften Erfolg bringt. Im Gegenzug halte ich die Strategie bezüglich des Note 5 aber für unglücklich und würde mich nicht wundern, wenn man am Ende einknickt und irgendwann das Note 5 dann doch hierzulande bringt. Das Wörtchen „vorerst“ nervt in dieser Hinsicht. Ich mag das Samsung Galaxy S6 edge+ aber nicht die Wahl zu dem lange erwarteten Galaxy Note 5 zu haben ist „vorerst“ dumm gelaufen.

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Das Hands-On für 1&1 ist mir meiner Meinung nach am besten gelungen, hier findet ihr ansonsten unser Hands-On des Galaxy S6 edge+, das Hands-On des Note 5, ein Hands-On des Keyboard-Cover sowie einen Größenvergleich mit dem iPhone 6 Plus. Außerdem habe ich mir das Livestream-Feature der Kamera sowie die Edge des Galaxy S6 edge+ genauer angesehen.

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