Kommentar: Das Note7-Desaster

Die IFA stand vor der Tür und ich war schon in Berlin, um mir die Messe anzuschauen, da gab es die ersten Meldungen eines Verkaufsstopps des Galaxy Note 7 in Südkorea. Am 1. September saß ich Abends mit Caschy auf einem Sofa in der BloggerWG bei einem Kaltgetränk und bekam die Info, dass einen Tag vor Eröffnung der IFA und einen Tag vor deutschem Verkaufsstart des Note 7 auch in Deutschland der Verkauf gestoppt würde.

SamsungGalaxyNote7_Flames

Am 2. September wurde der Verkauf weltweit gestoppt und ein Rückrufprogramm für die 2,5 Millionen weltweit ausgelieferten Geräte vorbereitet. Ab dem 19. September wurden dann Geräte ausgetauscht. Nutzer des Galaxy Note 7 wurden per Update dazu bewegt, ihr Gerät umzutauschen.

Über hundert Fälle bei 2,5 Millionen ausgelieferten Geräten sind noch immer eine Fehleranzahl, wo es auch bei ausführlichen Tests passieren kann, dass man den Fehler nicht bemerkt. Immerhin ist hier die Quantität der Fehler irgendwo in einer Größenordnung von 1:25.000. Natürlich werden Geräte ausführlich getestet, aber bei einer solch niedrigen Signifikanz ist es recht unwahrscheinlich, dass ein Fehler bemerkt wird, da auch normale Lithium-Ionen-Akkus in seltenen Fällen in die Luft gehen können.

samsung_galaxynote7_test_main

Wenn dann auf meinem favorisierten Radiosender 1live ein Mensch von der Stiftung Warentest, welche in den letzten Jahren durch schreiende Inkompetenz bei Smartphones geglänzt hat, sagt, dass dies ja durch die (im Vergleich zu vor 20 Jahren) kürzere Testphase der Smartphones und die zu hohe Abfolge von neuen Modellen hervorgerufen worden sein könnte, muss man mit dem Kopf schütteln. Vor 20 Jahren haben Handys ausgesehen wie Backsteine und gerade ihre Antennen verloren, herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert Stiftung Warentest, seitdem hat sich einiges geändert und die Technik ist weiter. Die Zyklen sind bei JEDER Technik seitdem schneller, die Test aber auch der Technik entsprechend angepasst worden. Nur weil die technische Entwicklung schneller geworden ist, heißt dies nicht kausal, dass sie auch unsicherer geworden ist, da die Prozesse verfeinert und verbessert wurden. Im Gegenteil kann man davon ausgehen, dass am Anfang der Technik vor 20 Jahren bei einer recht neuen Technik die Fehlerquote eine höhere war als heutzutage. Samsung und andere Hersteller haben die Geschwindigkeit seit fünf Jahren und keine Probleme.

Note7explodes_2

Egal, zurück zum Problem: Nachdem sich die ersten (rund) hundert Geräte in Rauch aufgelöst hatten, wurde laut Samsung der Fehler gefunden. Bisher hatte man die Akkus für Smartphones mit fest verbauten Akkumodulen nicht selber hergestellt, sondern auf andere Zulieferer gesetzt. Beim Note 7 war nun erstmals Samsung SDI am Zug, jedoch wurden nicht alle Teile des Akkus (absolut üblich) selber gefertigt. Ein Zulieferer hatte dann offenbar im Herstellungsprozess der Akkuzellen einen zu hohen Druck auf die Module ausgeübt, Anode und Kathode konnten sich daher zu nahe kommen, einen Kurzschluss verursachen und der Akku überhitzen. Eigentlich gibt es mehrere Failsafe-Systeme, die genau dieses Problem vermeiden sollen, diese griffen aber alle nicht.

note7_airplane

Seit dem 19. September wurden dann neue Galaxy Note 7 im Gegenzug zu den ausgelieferten Geräten ausgetauscht. Bei dem Akkumodul wurde nun wieder auf Zulieferer gesetzt, Samsung SDI war raus, LG Chem eventuell wieder mit an Bord und eigentlich sollte damit ein riesiger Rückruf sein Ende gefunden haben. Samsungs Aktie hatte zwischenzeitlich über 15 Milliarden Dollar verloren und die Kosten für die Austauschaktion lagen bei über einer Milliarde Dollar, trotzdem stand die Aktie wieder auf einem neuen Hoch und irgendwann Ende Oktober sollte das Galaxy Note 7 dann wieder regulär in den Handel gehen, zwei Monate nach dem eigentlich geplanten Start.

SamsungGalaxyNote7_Fire

In der letzten Woche sind  dann wieder Geräte in den USA überhitzt. Mindestens fünf Fälle in den USA. Ein Flugzeug musste deswegen evakuiert werden. Und plötzlich geht es nach Stephen Kings ssdd: Erneut ein Verkaufsstopp, erneut werden Kunden gebeten das Note 7 abzuschalten und erneut läuft es wohl auf einen Rückruf hinaus. Offiziell werden die Geräte noch untersucht. Ein unfassbarer Fall, eigentlich undenkbar, da werden Millionen Geräte zurückgerufen und irgendwelche inkompetenten Menschen machen dies ohne den eigentlichen Fehler gefunden zu haben und dürfen den gleichen Mist nun nochmal machen? Da werden auf höchster Ebene bei Samsung Köpfe für rollen.

Jetzt das eigentliche Problem

Das Samsung Galaxy Note 7 ist für mich tot. Bis Samsung das Problem gefunden und behoben hat ist Dezember, das Weihnachtsgeschäft für das Gerät ist eh tot und ohnehin: In Europa ist das Galaxy Note 7 kein Flaggschiff, der Markt ist bei so großen Smartphones schwieriger. Das Problem ist aber ein anderes.

samsung7_tweet

Der Tweet ist jetzt einfach sinnbildlich gewählt für Samsungs großes Problem. Seit fast sechs Wochen macht Samsung Probleme. Obwohl das Note 7 nicht das wichtigste Gerät der Südkoreaner ist, wird wegen ihm die Marke Samsung seit Wochen negativ wahrgenommen. Aufgrund des Smartphones wurde das Vertrauen der Nutzer zwei Mal enttäuscht. Und das nicht nur in der Nerd-und-Geek-Wahrnehmungsblase. Nein, das ist das Morgenmagazin im Ersten/ZDF, der Radiosender 1live, die Tagesschau und Co – das Problem ist in der ’normalen‘ Welt angekommen. Die Tagesschau bebildert ihren neuesten Artikel mit einem Galaxy S7 edge.

tagesschau_samsung7

Diese ’normale‘ Welt außerhalb der Filterblase weiß also häufig gar nicht, welches Samsung-Gerät gemeint ist. Normale Nutzer wissen häufig nicht einmal, wie ihr Samsung-Smartphone genau heißt. Bei dieser absoluten Mehrheit der normalen Nutzer gibt es wegen einem Gerät, welches nicht einmal die große Priorität Samsungs hat, Verunsicherung. Nachdem Samsung 2014/2015 ein Tal hatte und 2016 wieder gute Zahlen hatte, muss man plötzlich um den eigenen Ruf kämpfen. Der größe Smartphone-Hersteller der Welt wird in den Medien als nicht sicher dargestellt (was man im Fall des Note 7 tatsächlich ja noch immer ist).

Dass Samsung nochmal das Note 7 an den Start bringt erscheint mehr als fraglich, im Februar 2017 steht das Galaxy S8 an und eine Lifetime von einem Smartphone von wenigen Monaten neben der ganzen negativen Aufmerksamkeit lohnt wohl kaum. Daher ist das Samsung Galaxy Note 7 für mich tot – und das schreibe ich als Note-Nutzer seit 2011 und obwohl ich es für das beste Smartphone derzeit halte. Die Frage ist nun, ob Samsung die Note-Brand direkt mit beerdigt. Ein Galaxy S8 Plus/Pen/Whatever im Herbst 2017 mit Stift und der Note-Name ist nicht mehr im Spiel. Optisch und in Sachen Namensgebung wurden die Reihen ohnehin stark angenähert. Samsung hat nun genug damit zu kämpfen die Galaxy-Brand oder die Samsung-Brand schnell wieder aufzubauen und Vertrauen zurückzugewinnen.

Empfehlung: SanDisk 200GB MicroSD

Werbung